Pioniere im Female Recruiting ​

Pioniere im Female Recruiting

Female Empowerment und Female Recruiting sind mittlerweile Buzzwords und in aller Munde. Frauenquote ja oder nein?, Vereinbarkeit von Karriere und Familie, Equal Pay sind Themen, die uns im Jahr 2022 fast täglich in der Presse und auf Social Media Portalen begegnen und das ist gut so. Als Melanie Vogel und ihr Ehemann Holger 2011 mit der Women & Work, dem ersten Karriere-Kongress nur für Frauen an den Start gingen, waren sie Pioniere.
Liebe Melanie, du hast schon früh deine Liebe zu Messen entdeckt und hast sogar vor deinem Jura Studium eine Ausbildung zur Fremdsprachen-Hostess gemacht. Diese Ausbildung war explizit für das Arbeiten auf Messen zugeschnitten. Was fasziniert dich derart an Messen?

Ich mag die internationale Atmosphäre auf Messen. Ich wollte nach dem Abitur praktische Berufserfahrung sammeln und in dieser Ausbildung spielen der Servicegedanke und Fremdsprachen eine wichtige Rolle, was mir ebenfalls gefiel. Vier Fremdsprachen, Kommunikation auf internationalem Niveau auf Messen und Vertriebskenntnisse sind für jeden Beruf nützliche Erfahrungen, dachte ich mir. Danach habe ich entschieden Jura zu studieren und habe parallel auf Messen gearbeitet. Die Jobs auf den Messen habe ich geliebt! Menschen aus aller Herren Ländern, Meetings und Verhandlungen in diversen Sprachen, das Präsentieren und Verkaufen von Produkten, waren meine Leidenschaft, das Jura-Studium weniger. Ich entschied mich daher, einen Job im Bereich Messeorganisation zu suchen und das Jura Studium zu schmeißen. Das gestaltete sich zunächst schwierig, bis zu dem Tag, an dem ich einen Tipp bekommen habe. „Versuchen Sie es bei Holger Vogel, er hat sich gerade selbständig gemacht im Bereich Messeorganisation. Vielleicht braucht er jemand.“ Das tat ich und bekam einen Wunschjob und meine große Liebe. Ich habe direkt alle Brücken zu Hannover abgerissen und bin zu Holger nach Münster gezogen, um als Unternehmerin meinen Weg zu gehen.

“Ich bekam meinen Wunschjob und meine große Liebe.”

Du hattest deinen Traumjob und deinen Traummann. Wie ich diese Storys, in denen das Leben die schönsten Geschichten schreibt, liebe! Wie seid ihr auf die Idee gekommen den ersten Messe-Kongress nur für Frauen zu konzipieren und umzusetzen?

Wir waren Eltern und bekamen im Kindergarten immer wieder mit, dass hochqualifizierte Frauen den Sprung zurück in den Job nicht geschafft haben. Die Themen Fachkräftemangel und die demographische Entwicklung hatten auch 2008 bereits Relevanz. Man wusste, worauf man zusteuerte.  Wie kann es sein, dass Politik und Wirtschaft es vor diesem Hintergrund einfach geschehen ließen, dass Frauen die Rückkehr in ihren Job oder die Vereinbarkeit von Karriere und Familie so schwer gemacht wurden, fragte ich mich wutentbrannt. Die Idee für die Women & Work entstand aus dieser Wut heraus. Holger und ich diskutierten sehr viel zu diesem Thema und kamen zu dem Entschluss, dass wir etwas unternehmen mussten. Innerhalb von nur drei Stunden war die Idee zu Women & Work inklusive Namensgebung entstanden. Wir waren uns einig, dass wir ein Forum brauchen, wo wir Arbeitgeber, die gut ausgebildete Frauen – auch mit Kindern – einstellen möchten, mit Arbeitnehmerinnen, die den Wunsch haben in ihren Berufen zu arbeiten, obwohl sie Mütter sind, zu vernetzen. Es kann doch nicht sein, dass Frauen mit einer Top Ausbildung zu Hause bleiben müssen, weil sie sich für eine Familie und Kinder entschieden haben!

“Wir waren uns einig, dass wir ein Forum brauchen.”

Und dann habt ihr direkt losgelegt?

Ehrlich gesagt nein. Wir haben das komplett fertige Konzept in die Schublade gelegt und waren uns bezüglich des richtigen Zeitpunkts nicht schlüssig. Nur vier Wochen später war plötzlich die Telekom mit dem Thema Frauenquote und Frauenförderung sehr präsent in der Presse. Da wussten wir: Das war unser Zeichen für den Startschuss. Parallel haben wir auch ein Signet für von uns zertifizierte Arbeitgeber entwickelt, die sich in besonderem Maße für die Förderung von Frauen einsetzen. Auch das hat es bis dato nicht gegeben.

Pioniere im Female Recruiting ​
Das Ehepaar Vogel
Wie habt ihr euer Projekt finanziert und wie schwierig war es Kunden oder Teilnehmer für die erste Women & Work zu gewinnen?

Wir haben ein Mailing an Konzerne und mittelständischen Unternehmen verschickt, in dem unser Konzept vorgestellt wurde. Die Thematik war zwar präsent, aber bei weitem nicht so verbreitet wie heute.  Dann haben wir klassisch nachtelefoniert und rund 120 Besuchstermine vereinbart. Das persönliche Gespräch war für uns sehr wichtig, da wir Pioniere waren. Wir wollten einen Eindruck gewinnen, wie Unternehmen auf unser Angebot reagieren. Es war Akquise und Marktforschung in einem. Die Resonanz war durchweg positiv, was uns ermutigte. Wenn ich heute daran denke, wie wir als Familie mit unserem damals vierjährigen Sohn 70.000 Kilometer durch die Republik gefahren sind… aber was sollten wir tun? Bei mehrtägigen Reisen konnten wir ihn über Nacht nirgends lassen, also haben wir ihn mitgenommen. Im Prinzip haben wir mit unserem Auftritt als Familie die Herausforderung von Vereinbarkeit von Karriere und Familie visualisiert. Die sehr guten Gespräche verdeutlichten uns, dass wir mit Women & Work den Nerv der Zeit getroffen hatten.  

Wie viele Aussteller habt ihr für die erste Messe in Bonn gewinnen können und wie war die Resonanz?

Wir haben 60 Aussteller für die erste Women & Work gewonnen, 50% unserer Akquise-Besuche waren erfolgreich. Wir haben uns wahnsinnig gefreut. Das Feedback, welches wir für die erste Messe bekommen haben, war hervorragend, und zwar von allen Seiten. 2012 wurden wir mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ ausgezeichnet und 2016 vom Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen.

“50% unserer Akquise-Besuche waren erfolgreich.”

Was für ein Erfolg! Chapeau! Ich erinnere mich an unseren Besuch der Women & Work in Frankfurt 2019. Das war imposant, was ihr auf die Beine gestellt hattet. Kooperation mit dem Cosmopolitan Magazin, sehr viele interessante Vorträge und eine große Halle mit namhaften Unternehmen als Aussteller. Wir hatten Glück, denn wer konnte es damals ahnen, dass es die letzte Women & Work war.

Ab 2018 hatten wir die Größe für die Frankfurter Messe erreicht, doch es wurden leider nur zwei Jahre. Auf 2020 haben wir uns besonders gefreut, denn es wäre unsere 10. Messe gewesen. Im Prinzip stand alles, denn die Women & Work sollte im Mai stattfinden, aber im März wurde die Pandemie ausgerufen und es folgten die Lockdowns. Wir hatten die Zahl der Aussteller in zehn Jahren mehr als verdoppelt. 150 Unternehmen hatten sich als Aussteller angemeldet. Hinzu kamen noch 150 Kooperationspartner wie Medien, Coaches, Speaker, etc. Wir haben mit unserem Team das ganze Jahr für die Organisation der Messe gearbeitet. Und dann kam der Lockdown und es fühlte sich an wie eine Vollbremsung bei Tempo 180. Das war sehr frustrierend.

“Der Lockdown fühlte sich an wie eine Vollbremsung bei Tempo 180.”

Ich empfinde schon beim Zuhören Schmerzen. Es war euer Lebenswerk. Wie verkraftet man so ein Erlebnis?

Wenn man selbständig ist, ist man in der Regel auch krisenerprobt. Aber diese Krise hatten wir nicht zu verantworten. Sie ist von außen über uns hereingebrochen. Das war hart und die Scherben kehren wir auch fast drei Jahre später immer noch auf.

Stand eure Existenz auf dem Spiel?

Glücklicherweise haben wir mehrere Standbeine, aber der Fokus lag auf Women & Work. Klar sind das auch beträchtliche finanzielle Einbußen. Nichtsdestotrotz konnte ich als gelernter Innovationscoach und als Expertin für Krisen & Change Management schnell in diesem Bereich wieder Fuß fassen. Ich habe auch mehrere Bücher zu diesen Themen veröffentlicht, war keine Unbekannte oder musste bei Null wieder anfangen.

Würdet Ihr nicht gerade jetzt mehr gebraucht werden, denn je? Organisationen und Initiativen, die sich für Frauen im Recruiting und auch sonst stark machen, sprießen zwar wie Pilze aus dem Boden, aber etwas Vergleichbares mit Women & Work habe ich bisher noch nicht entdeckt.

2020 hat der demographische Wandel, vor dem seit Jahrzehnten gewarnt wurde, begonnen. Während der Pandemie hat parallel eine Frühverrentungswelle eingesetzt. Menschen, die es sich leisten können, sind früher in Rente gegangen, und allein im letzten Jahr sind zusätzlich noch über 1 Million qualifizierte Fachkräfte ins Ausland ausgewandert. Das bedeutet, dass zum ersten Mal mehr Menschen in Rente gehen, als neue Arbeitnehmer dazukommen. Früher wurden händeringend Informatiker gesucht, jetzt fehlen genauso HR und Vertriebsleute. In allen Bereichen wird gesucht und das ist erst der Anfang. Auch wir merken den Druck der Unternehmen und ja, das Thema „Frauen“ wird relevanter, dieses Mal jedoch aus wirtschaftlichen Gründen. Frauen sind die einzige Alternative, den Fachkräftemangel im Ansatz zu lindern, denn die Zuwanderung allein wird dieses Problem nicht lösen können.

“Frauen sind die einzige Alternative, den Fachkräftemangel im Ansatz zu lindern.”

Seid Ihr im Bereich FEMALE RECRUITING noch aktiv?

Ja, aber wir veranstalten keine Live-Messe mehr. Nach den politisch verordneten Zwangspausen für Großveranstaltungen in den Jahren 2020 und 2021, der mittlerweile galoppierenden Inflation und den horrenden Energiepreisen, die sich kostenmäßig ja auf das Anmieten von Event-Locations und alle Dienstleister auswirken, sehen wir ökonomisch keinen Sinn mehr darin. Wir hätten uns gewünscht, dass die Politik mit der Thematik anders umgeht, aber auch das gehört zum Unternehmertum: Wir müssen mit dem arbeiten und umgehen, was möglich ist und Sinn macht. Es ist eine neue Ära angebrochen, man hat sich daran gewöhnt, dass es viele Veranstaltungen nur noch als Onlineformate gibt – und wir haben diesen Wandel genutzt und gehen mit ihm nun produktiv um. Wir bieten Arbeitgebern jetzt Flatrate-Konzepte im Bereich Recruiting an. Auch das hat es noch nie zuvor gegeben, daher sind wir erneut als Pioniere unterwegs. Und ehrlich gesagt fühlen wir uns in diese Rolle ganz wohl 😊.

“Wir bieten Arbeitgebern jetzt Flatrate-Konzepte im Bereich Recruiting an.” 

Während der Pandemie seid Ihr mit der SHERO.community an den Start gegangen. Großartige Idee die Zusammensetzung des Namens aus She + Hero. Gefällt mir. Wie kam es dazu?

Den Namen hat die Community Holger zu verdanken. An einem Tag, an dem ich nicht besonders gut gelaunt war und unternehmerisch wirklich haderte, sagte er zu mir ich sei seine Shero, seine Heldin. So brachte er mich wieder zum Lachen. Der Begriff hat uns inspiriert, die SHERO.community zu starten. Uns ging es in erster Linie immer um die Frauen, sie haben wir in den Mittelpunkt unserer Tätigkeit gestellt, sie sind die Protagonistinnen dieses Projekts. Wenn ich mir heute die Influencer Szene zum gleichen Thema anschaue, empfinde ich sie als sehr laut und sehe den Fokus auf einigen wenigen Personen, den Gründern oder Initiatoren. Vielleicht ist das ein erfolgreicher Weg, um Aufmerksamkeit für das Thema zu erzielen. Die SHERO.community agiert aber anderes. Wir wollten die Frauen in der Pandemie nicht allein lassen. Entstanden ist eine kleine, feine und sehr aktive Online-Community. Hier geht um Kooperation, voneinander lernen, sich aktiv austauschen. Diese Community lebt vom Engagement und der Hilfsbereitschaft jeder einzelnen. Es ist, so sagte eine SHERO kürzlich, eine einzigartige Gemeinschaft, die es so kein zweite Mal auf der Welt gibt.

Danke für das offene Gespräch, liebe Melanie. Ich trauere noch um Women & Work, kann eure Entscheidung jedoch nachvollziehen. Und zum Schluss bitte ich dich noch um einen Song für unsere Rocking Sales Playlist. Welcher Song baut dich auf, inspiriert dich, macht dir gute Laune oder mit welchem Song verbindest du ein besonderes Erlebnis? Ich bin gespannt, worauf ihr beiden tanzt.

Ich tanze im Regelfall allein, aber das mit Begeisterung. Wenn ich einen richtigen Energie- und Gute-Laune-Kick brauche, höre ich „Dancing Queen“ von ABBA.

Liebe Rocking Sales Leser, hier könnt ihr mehr über Melanie Vogel erfahren. Ihren Song findet ihr in unserer Spotify-Playlist. 
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Hermina Deiana
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Hermina Deiana | Public Relations Consultant MarketDialog GmbH
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