SALES ROCKER BLOG

In dieser Kategorie finden sich Interviews sowohl mit unseren Mitarbeitern als auch mit unseren Kunden, die wertvolle vertriebliche Insights liefern.

Sie bringt Menschen und Räume zusammen ​

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Neben den Airports Heathrow London und Charles de Gaulle Paris, gehört der Frankfurter Flughafen, mit seinen bald drei Terminals, zu den größten und bedeutendsten in Europa. Wie vermarktet man VIP-Lounges, Konferenzzentren und ein Besucherzentrum mitten in einem internationalen Drehkreuz wie dem Frankfurter Airport? Darüber habe ich mit Verina Zimmermann, Verantwortliche für Vertrieb und Vermarktung von Eventlocations bei der Fraport AG, gesprochen.

Liebe Verina, wie schön, dass du Zeit gefunden hast für unser Gespräch. Du bist seit 26 Jahren in unterschiedlichen Positionen bei der Fraport AG, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens, tätig. Ich gehe mal davon aus, dass der Vertrieb nicht von Beginn an auf deiner Wunschliste stand, oder?

Keineswegs. Als Jugendliche wollte ich Kinderärztin werden. Aber als es Richtung Abitur ging, habe ich mich informiert und war ernüchtert angesichts der sehr langen Studienzeit bis zum Facharzt und der Zulassungsvoraussetzung. In jener Zeit begann mich das Thema Journalismus zu reizen und Politik fand ich auch sehr spannend.

Das führte dazu, dass ich während meines Deutsch, Politik und Soziologie Studiums für eine Zeitung arbeitete. Als Studentin habe ich nicht die spannenden Themen ergattern können, sondern habe eher über das 50-jährige Jubiläum des Angelvereins oder den neuen Kindergarten geschrieben. Es war klar, dass es lange dauert, bis man endlich als Redakteur mit spannenden Themen tätig werden kann. Also habe ich davon Abstand genommen und habe auf Lehramt studiert. Während des Studiums bin ich als Werkstudentin bei Fraport im Konzernmarketing gelandet und geblieben.

Wow! Und wie bist du vom Konzernmarketing im Vertrieb eurer Veranstaltungsflächen gelandet?

1999 bin ich über eine Freundin zu Fraport gekommen. Zuerst habe ich für die Kundenzeitschrift geschrieben, dann andere kleinere Projekte eigenständig betreut. Der Job gefiel mir und ich war froh, als mir gegen Ende meines Studiums ein Job im Marketing angeboten wurde.

Wie cool! Wie lange warst du bereits bei der Fraport AG am Ende deines Studiums?

Fast drei Jahre waren es. Sie sind verflogen. Ab 2002 war ich Vollzeit bei der Fraport im Marketing und habe dort alles gemacht, Website Relaunches, Kommunikations- und Marketingkonzepte und Vieles mehr. Nach sechs Jahren hatte ich das Gefühl, dass ich bereit war für eine neue Herausforderung. 2008 bin ich in die Shop-Vermietung und damit in den Vertrieb der Einzelhandelsflächen und Akquise neuer Mieter gewechselt.

„In meinem Werdegang war nichts wirklich geplant.

Es haben sich Chancen ergeben, die ich beherzt ergriffen habe.”

Das hört sich nach einem bedeutenden Wechsel in ein ganz neues Aufgabengebiet an. Was genau waren deine neuen Anforderungen?

Ich habe den gesamtem Vermietungsprozess betreut. Von der Akquise, zur Ausschreibung der Flächen, was am Flughafen erforderlich ist, über die Angebotseinholung, das Zusammenstellen aller relevanten Unterlagen, Facts and Figures, inklusive der Vertragsverhandlungen. Im Team wurde entschieden, welcher Marke oder welchem Betreiber der Zuschlag erteilt wurde. Hinzu kam die Betreuung der bereits vorhandenen Mieter, also Bestandskunden.

Dieser Karriereweg war so nicht geplant, oder?

Nein, in meinem Werdegang war nichts wirklich geplant. Es haben sich Chancen ergeben, die ich beherzt ergriffen habe und ich hatte ein Netzwerk, das an mich glaubte und mir Türen öffnete, durch die ich dann gegangen bin.

Vom Marketing bist du in den Vertrieb gewechselt. Was war das Besondere für dich in deiner neuen Position?

Der Wechsel vom Marketing in den Vertrieb war kein Bruch, sondern eine Erweiterung, es war der nächste Schritt in meiner beruflichen Entwicklung. Im Marketing habe ich gelernt, wie man Marken auflädt. Im Vertrieb habe ich gelernt, wie man Angebote konkretisiert. Beide Welten zu kennen, ist von Vorteil, insbesondere bei komplexen B2B-Angeboten. Wer den Markenkern versteht, kann ihn auch im Verkauf überzeugend vertreten und die Vorteile von Services und Produkten authentisch vermitteln. Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen Strategie, Kreation und operativer Umsetzung.

Am Airport spürst du Vorfreude auf bevorstehende Reisen,

Trauer bei Abschieden, Wiedersehensfreude.“

Was war in der Vermietung besonders reizvoll für dich?

Ich war mit allen vernetzt und in Kontakt, vom Shop Manager und den Store-Mitarbeitern, über den Area Manager, Geschäftsführer, CEO, Expansionsmanager quer durch alle ansässigen nationalen und internationalen Brands. Was ich seit jeher besonders liebe, sind die Rundgänge am Flughafen, um die Flächen zu zeigen. Heute noch bin ich begeistert von diesem internationalen Flair und der Emotionalität, die am Flughafen herrscht. Hier spürst du Vorfreude auf bevorstehende Reisen, Trauer bei Abschieden, Wiedersehensfreude.

Es ist nicht nur ein Ort wo Flüge starten und landen, der Flughafen erzählt Geschichten. Es fiel mir nicht schwer, Kunden davon zu überzeugen, dass der Flughafen der beste Ort ist, um ihren Shop dort zu eröffnen, weil ich davon überzeugt bin. Und das gleiche gilt in meiner jetzigen Position.

Schön, sehr schön, stell ich mir das vor, weil du ja von A bis Z im Projekt involviert bist, und irgendwann ist Shop Opening und du hast den ganzen Prozess begleitet. Das muss ein großartiges Gefühl sein. Bei deiner Beschreibung der Emotionalität am Flughafen, musste ich gerade an den Weihnachtsfilm „Tatsächlich Liebe“ denken. Wie lange warst du in der Vermarktung der Retail Flächen tätig?

2020 stand für mich der nächste Wechsel an. Zuvor war ich 12 Jahre für einen Portfolio-Bereich unserer Einzelhandelsobjekte verantwortlich. Seit jetzt fünf Jahren erstreckt sich mein Aufgabenbereich vom exklusiven VIP-Service über das Besucherzentrum bis zum Fraport Conference Center – alles Locations mit enormem Potenzial, aber sehr unterschiedlichen Zielgruppen. Der Flughafen ist eine besondere Welt für sich und das macht unsere Arbeit so spannend. Während der VIP-Service in erster Linie Businesskunden und Prominente anspricht und für das Protokollgeschäft verantwortlich ist, geht es im Besucherzentrum eher um Markeninszenierung und Familienfreundlichkeit im B2C Bereich.

Unsere Flächen sind Orte für Business Events, Tagungen und hybride Formate. Ich fühle es nicht als völlig anderen Geschäftsbereich. Ob ich Marken betreue oder echte Räume mit Leben fülle, für mich war es immer wichtig, dass Emotionen transportiert werden. Gerade im Rückblick wird deutlich, dass sich meine Stationen zusammenfassen lassen zu meinem Wunsch, Räume zu gestalten – inhaltlich wie physisch sowie Menschen und ihre Bedürfnisse bei uns zu verbinden.

Es ist ein sehr breites Portfolio an Räumlichkeiten, die du mit deinem Team betreust. Gibt es einen Schwerpunkt?

Ich habe 2020 in der Corona Zeit in dieser Position angefangen. Damals war es wichtig hybride Events und neue Formate zu entwickeln, um in der Pandemie bestehen zu können. So haben wir zahlreiche neue Wege eröffnet. Das hat in jeglicher Hinsicht zu einem Modernisierungsschub geführt, und zwar in allen Bereichen, technisch, konzeptionell und organisatorisch. 

Wir haben Formate entwickelt, die über das klassische Event hinausgehen, wie zum Beispiel hybride Konferenzen, Livestreams mit Studioqualität, individuelle Besuchererlebnisse trotz Abstand.

„Was all diese Locations eint, ist der Anspruch an hohe Qualität

und exzellente Customer Experience.”

Wie gewinnt ihr Kunden?

Natürlich arbeiten wir auch mit klassischen Vertriebsmethoden, aber immer gepaart mit einem tiefen Verständnis für unsere Marken- und Unternehmenskommunikation und der des Kunden. Statt im Baukastensystem Leistungen abzubilden, setzen wir auf individuelle Erlebnisse. Unser Ziel ist nicht, Räume zu vermieten, sondern mit und für unsere Kunden Räume zu gestalten und Erlebnisse zu kreieren, die in Erinnerung bleiben. Was all diese Locations eint, ist der Anspruch an hohe Qualität und exzellente Customer Experience, an einem der besten Standorte in Deutschland.

Wie präsentiert ihr euer Angebot potenziellen Kunden?

Ein entscheidender Faktor ist die Visualisierung. Ich nehme potenzielle Kunden gedanklich mit in den Raum. Ich erzähle, was wir in der Vergangenheit dort für andere Kunden umgesetzt haben und mit welchen Ergebnissen. Mein Motto ist „weniger Schublade, mehr Gespräch“. Wir hören zunächst zu, verstehen und bieten dann erst an. Ich versuche immer herauszufinden, was das eigentliche Ziel eines Events ist. Geht es um Impact? Sichtbarkeit? Austausch? Nur wenn ich das verstehe, kann ich ein wirklich passendes Angebot machen.

Menschen kaufen keine Quadratmeter, sie kaufen Möglichkeiten. Was könnte in diesem Raum passieren? Wie könnte der geplante Event hier realisiert werden? Wenn der Funke überspringt, dann ist der Weg zur Buchung nicht mehr weit. Dabei nehmen wir uns auch viel Zeit, unseren Partnern alle Räumlichkeiten und die Vielfalt vor Ort zu zeigen, Atmosphäre ist digital nicht vermittelbar!

Du arbeitest auch viel mit internationalen Kundinnen und Kunden, die eure Locations für Events oder Konferenzen buchen. Worauf kommt es in diesem Kontext besonders an?

Wir müssen Kundinnen und Kunden mitnehmen und nicht überfordern. Dafür braucht es gute Kommunikation, aber auch ein feines Gespür, um zu erkennen, wo Kunden stehen. Manche wünschen sich Inspiration, andere nur konkrete Zahlen und ein sachliches Angebot. Die Kunst liegt darin, beide Ebenen punktgenau zu bedienen. Gerade im internationalen Kontext erfordert das Fingerspitzengefühl. Kulturelle Unterschiede, Erwartungen an Service oder Geschwindigkeit, all dies fließt in die Verkaufsgespräche mit ein. Es geht immer um das richtige Maß. Und wie bereits erwähnt, darum zuzuhören.

„Ich vertrete die Überzeugung, dass Beziehungen nicht durch Pitches entstehen,

 

sondern durch echte Begegnungen, am besten auf Augenhöhe.“

Wie setzt ihr euch gegen den Wettbewerb durch?

Ich würde sagen, dass wir zum einen sehr gut vernetzt sind. Networking ist ein wichtiger Teil unserer Strategie und darunter verstehe ich weit mehr als Visitenkarten oder Follower zu sammeln.

Ich liebe es, mich mit Menschen zu verbinden, nicht nur mit dem Ziel, etwas zu verkaufen, sondern um zu verstehen, wie sie ticken. Diese Authentizität ist ein echter Türöffner, gerade in Branchen, in denen Vertrauen alles ist. Ich vertrete die Überzeugung, dass Beziehungen nicht durch Pitches entstehen, sondern durch echte Begegnungen, am besten auf Augenhöhe. Ein besonderes Highlight ist unsere enge Zusammenarbeit mit dem Marketing Club Frankfurt. Da entstehen echte Synergien. Events, Vorträge, Austausch, das bringt Menschen zusammen, die ähnliche Herausforderungen leben. Nicht selten ergeben sich daraus neue Geschäftskontakte oder Kooperationsmöglichkeiten.

„Ein Event bei uns ist mehr als eine Raumbuchung – es ist ein Statement.“

Was unterscheidet die Fraport Locations von klassischen Eventflächen in der Frankfurter City?

Es gibt in Frankfurt keine Locations, in denen das Flair internationaler oder weltoffener ist als am Flughafen. Der Frankfurter Flughafen, als einer der bedeutendsten in Europa, ist das Tor zur Welt, das ist etwas Besonderes. Hier geht es nicht nur um Raumgrößen, sondern um Konzepte und Botschaften, die Du als Unternehmen senden möchtest.

Was die Infrastruktur angeht, sind wir High-End aufgestellt, dazu gehören Technik, Service und Sicherheit. Mehr geht nicht. Wir organisieren Abholungen am Gate, Parkplätze, Catering, alles nach den Wünschen unserer Kunden.

Am Airport ist der direkte Zutritt für internationales Publikum. Man kann Menschen aus der ganzen Welt zu einem Event einladen und sie direkt vor Ort am Flughafen begrüßen, bewirten und verabschieden. Welche Location kann dies in dieser Form anbieten? Ein Event bei uns ist mehr als eine Raumbuchung – es ist ein Statement. Und es bleibt in Erinnerung!

Was für eine schöne Beschreibung, liebe Verina! Ich spüre in jedem Wort von dir deine große Leidenschaft. Zum Schluss unseres Gesprächs möchte ich gerne ein Statement von dir zum Thema Female Leadership im Sales und ich möchte noch wissen, gibt es etwas Konkretes, das dich antreibt?

Frauen bringen oft eine andere Tonalität in den Vertrieb, denke ich, weniger Push, mehr Dialog, weniger Härte, mehr Haltung. Ich bin der Meinung, dass sich das Verständnis von Führung im Sales insgesamt verändert hat. Vertrieb ist so viel mehr als Verkaufen. Es herrscht weniger Mikromanagement, stattdessen mehr Vertrauen und Verantwortung. Ich glaube, das tut dem Vertrieb gut und macht ihn menschlicher.

Ich liebe es, Menschen und Räume zusammenzubringen und Lösungen zu bieten, Dinge zu ermöglichen. Ich mag den Moment, wenn jemand sagt: Das ist genau das, was ich gesucht habe. Es geht mir nicht nur um Abschlussquoten, sondern um Wirkung. Und darum, echte Mehrwerte zu schaffen. Dann kann es passieren, dass ein Kunde beim ersten Mal absagt, aber beim zweiten Mal überzeugt zu uns kommt.

Vielen Dank liebe Verina für diese wunderbar offene Gespräch. Jetzt wünsche ich mir einen Song von dir für unsere Rocking Sales Playlist.

Sehr gerne, Hermina. Mein Song ist “Rockin’ all over the world” von Status Quo. Wie es auch der Claim von Fraport beinhaltet, liebe ich es, Menschen zu connecten, um zu sehen, was morgen daraus werden kann. Daher vielen Dank, dass ich dein Gast sein durfte!

Liebe Rocking Sales Leser, Ihr möchtet mehr über Verina Zimmermann und Fraport AG erfahren?
Dann besucht sie doch gerne hier. 
Ihren Song findet ihr übrigens in unserer Spotify-Playlist.
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Ich brenne darauf eure Expertise und Erfahrungen im Vertrieb zu erfahren und auf unserem Rocking Sales Blog zu veröffentlichen. Nach einem kurzen Kennenlerntelefonat vereinbaren wir einen Termin für einen Video-Call und führen ein entspanntes, einstündiges Gespräch. Anschließend schreibe ich euren Beitrag und wir posten diesen über unsere Social Media Kanäle.

Ich freue mich auf dich.

Hermina Deiana | Public Relations Consultant MarketDialog GmbH
hermina.deiana@marketdialog.com
+49 (0) 6196-7695-183

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Sales Ride, bunt und kurvig wie das Leben

Sales Ride, bunt und kurvig wie das Leben

Sales Ride, bunt und kurvig wie das Leben

Sales Ride, bunt und kurvig wie das Leben

Dennis Schröter, seit acht Jahren Vertriebsleiter bei Bosch Rexroth, ist überzeugt: „Manchmal führen die verrücktesten Wege zu den besten Ergebnissen.“ So ein Spruch kann eigentlich nur von einem Vollblut-Vertriebler und Lebenskünstler kommen, oder? Wir haben ein inspirierendes Gespräch geführt über eiskalte Baustellen, Glücksfälle und erfüllte Träume, lebensverändernde Erfahrungen, die viel Mut erforderten und darüber, dass es für erfolgreichen Vertrieb mehr braucht als Kekse im Konfi.

Dennis, wie schön, dass du heute mein Rocking Sales Gast bist – willkommen! Ich beginne direkt mit meiner Lieblingsfrage: Wie hat es dich in den Vertrieb verschlagen?

Ich sag’s mal so, als andere in der Schule davon geträumt haben, Astronaut oder Feuerwehrmann zu werden, habe ich gesagt: Ich werde Verkäufer! (lacht) Nein, das ist natürlich Nonsens. Du hast recht, kaum jemand startet mit dem Ziel „Ich will in den Vertrieb“. Ich auch nicht. Mein Weg war eher bunt und kurvig.

Erzähl uns mehr. Wo hat deine Reise begonnen?

Nach der Realschule hatte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr auf Schule. Ich habe eine Ausbildung zum Energieelektroniker für Anlagentechnik bei Siemens in Düsseldorf gemacht. Industriebau und Montage haben mir gefallen. Nur hatte ich die naive Vorstellung, dass man im Winter nicht draußen arbeitet …

„Junge, da musst du noch mal über dein Leben nachdenken.“

Irrtum?

Und wie! Wir hatten ein Projekt bei den Martinswerken. Da stand ich irgendwann im Schnee auf einer Baustelle, ein paar Meter über dem Boden, eisiger Wind pfiff mir um die Ohren und dann fuhr der Bauleiter im warmen Auto vor, kurbelte das Fenster runter und rief: „Jungs, macht mal schneller, ich will nach Hause“, kurbelte das Fenster wieder hoch und fuhr weg. In dem Moment war mir klar: Junge, da musst du noch mal über dein Leben nachdenken.

Manchmal braucht es wohl solche Schlüsselerlebnisse als Tritt. Jetzt bin ich gespannt, wozu dieses Erlebnis bei dir geführt hat.

Dann habe ich Elektrotechnik studiert. Die Technik hat mich wirklich fasziniert, aber ich habe gemerkt, dass ich nicht der klassische Entwickler bin. Ich wollte mein Wissen weitergeben, Menschen begeistern, Themen greifbar machen. Deshalb habe ich noch meinen Master als Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Elektrotechnik angehängt.

„Ich hatte das große Glück, ein Traineeprogramm bei Rockwell Automation

bekommen zu haben, inklusive USA-Aufenthalt.“

Du bist also tief aus der Technik in Richtung Kommunikation und Sales gewechselt? Wie ging’s dann weiter?

Mein Traum war es schon als Kind, einmal in den USA zu leben. Ich hatte das große Glück, ein Traineeprogramm bei Rockwell Automation ergattert zu haben, inklusive USA-Aufenthalt.  Zuerst hatte ich eine Absage bekommen und dann ist jemand, der eine Zusage hatte, kurzfristig abgesprungen und ich bin nachgerückt. Rockwell ist ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Milwaukee.

Dann ist dein Traum in Erfüllung gegangen – was für eine großartige Chance, lieber Dennis! Erzähle mir von dieser Erfahrung.

Das Programm war der Hammer: Technik- und Vertriebstraining, Verhandlungsgespräche vor der Kamera, nicht nur Lob, sondern knallhartes Feedback und das Aufzeigen der Schwächen, damit man weiß, woran man arbeiten muss.  Parallel gab es echtes Coaching, Mentoring, sogar der CEO hat sich Zeit für uns genommen. Dort wurde man für die Realität richtig fit gemacht.

„Wir bekamen Karten für die NBA-Basketballspiele der Milwaukee Bucks, 

das war für uns der Wahnsinn.“

In den USA hat die Position Sales einen höheren Stellenwert als in Deutschland. So wie du es beschreibst wurde bei Rockwell Vertrieb von der Pike auf gelehrt. Wie lang ging das Programm und was hast du für dich persönlich mitnehmen können?

Das Programm ging insgesamt neun Monate, jedoch nicht am Stück. Nach drei Monaten kam ich zurück nach Düsseldorf, um das Gelernte anzuwenden. Dann ging es wieder zurück nach Milwaukee zum nächsten Kapitel. Es gab mehrere Wechsel bis zum Abschluss Assignment.

Es ist nicht nur das Lernprogramm, das großartig ist, sondern auch die Motivation. Wir bekamen Karten für die NBA-Basketballspiele der Milwaukee Bucks, das war für uns der Wahnsinn. Natürlich war man dafür bereit die Extrameile zu gehen.

Dort habe ich auch einen meiner immer noch besten Freunde kennengelernt. Alejandro ist Argentinier und wir stehen regelmäßig in Kontakt. Auch waren wir auf seine Hochzeit in Argentinien eingeladen, fernab von Tourismus, mitten in der Pampa – ein unvergessliches Erlebnis. Wir denken häufig Europa sei der Mittelpunkt der Welt, aber es ist so wichtig sich international zu öffnen, zu sehen wie die Welt auf Europa schaut und selbst mit dem Blick von außen draufzuschauen.

Super Story, lieber Dennis. Ich bin echt begeistert. Und dann?

Zurück in Deutschland ging’s dann direkt in die Kaltakquise. Zunächst viele geschlossene Türen, viele Neins, aber es war extrem lehrreich. Später kamen Bestandskunden hinzu, dann erste Führungserfahrung als stellvertretender Vertriebsleiter. Schließlich wurde ich von Bosch Rexroth abgeworben, erst als Vertriebsleiter für zwei Standorte, mittlerweile betreue ich fast ganz Deutschland, alles außer Bayern und Baden-Württemberg.

Wahnsinn – und wie lange bist du jetzt bei Bosch Rexroth?

Seit acht Jahren.

„Es war so ernst, dass mein Arzt mir riet, ich solle “meine Sachen regeln.”“

Dennis, ich weiß, dein Weg war nicht nur beruflich bewegend. Du hast auch gesundheitlich einiges erlebt.

Ja, das stimmt. Ich war schwer krank, zeitweise im Rollstuhl. Ich musste eine Stammzelltransplantation machen. Es war so ernst, dass mein Arzt mir riet, ich solle „meine Sachen regeln“. Das war natürlich ein Schock. Manchmal kommen im Leben unvorhergesehene Dinge dazwischen. Aber ich habe überlebt, bin heute autark, aktiv und voller Dankbarkeit.

„Der Vertrieb hat mir geholfen, nicht nur “der Kranke” zu sein.”

Und trotz deiner schweren Krankheit warst du weiter aktiv im Job?

Ja. Ich habe aus dem Homeoffice gearbeitet. Mir kam der Corona Lockdown damals entgegen, da ich meine Kunden digital betreuen konnte und es zur Normalität wurde über Video-Calls zu kommunizieren. Mein damaliger Chef hat mich unterstützt und hat die Termine vor Ort für mich wahrgenommen.

Der Vertrieb hat mir geholfen, nicht nur „der Kranke“ zu sein. Ich konnte trotz meiner Krankheit Mehrwert liefern, gestalten, da sein. Ich hab’s einfach geliebt, weil es mir Halt gegeben hat.

Jetzt habe ich Gänsehaut. Das ist sehr beeindruckend. Hast du nie mit deinem Schicksal gehadert? Ich nehme an, Du hast durch die Arbeit deine Krankheit phasenweise ausblenden können. Du klingst wahnsinnig positiv und stark.

Danke. Weißt du, ich habe eine kleine Tochter. Sie war zwei Jahre alt, als ich krank wurde. Für sie wollte ich da sein. Das war mein Motor. Und heute sage ich: Einer muss den Traum leben – ich lebe jetzt meinen. Jeden Tag starte ich voller Dankbarkeit und positiver Energie. Es ist gut gegangen und das weiß ich sehr zu schätzen.

„Jetzt will ich junge Leute für den Vertrieb begeistern, Mut machen.“

Du bist erst 42 Jahre alt und hast schon einen bewegenden Weg hinter dir. Hast du berufliche Visionen?

Absolut. Ich möchte etwas zurückgeben. Ich hatte Menschen, die mich gefördert haben. Jetzt will ich junge Leute für den Vertrieb begeistern, Mut machen. Zeigen, dass Vertrieb keine Notlösung ist, sondern eine richtig coole Karrierechance.

Und was macht für dich richtig guten Vertrieb aus?

Zuhören. Wirklich verstehen, was den Kunden bewegt. Und ehrlich sein: Wenn meine Lösung passt – super. Wenn nicht, bin ich der Erste, der sagt: Bleiben Sie bei Ihrer Lösung, die passt perfekt. Vertrauen entsteht durch Ehrlichkeit. Vertrieb ist so viel mehr als seinen Kunden Kekse anzubieten (lacht).

„Vertrieb heute ist für mich digital UND menschlich.“

Wie siehst du die Zukunft des Vertriebs – überwiegend digital oder eher persönlich?

Hybrid. Vertrieb heute ist für mich digital UND menschlich. Klar wird vieles digitalisiert: Lead-Generierung, Zielkundenanalyse, digitale Funnel. Aber echte Beziehungen entstehen nur im persönlichen Kontakt. Wenn ich beim Kunden vor Ort bin, an der Pforte ein kurzes Gespräch führe, den Spirit im Unternehmen spüre, das kann kein digitales Tool ersetzen.

Was liefert ihr konkret und wie ist dein Team aufgestellt?

Wir liefern Automatisierungstechnik, wie Motoren, Steuerungen und Software an Kunden aus den Branchen Automobil, Lebensmittel, Maschinenbau, Pharma und anderen. Aktuell führe ich elf Mitarbeiter direkt. Dazu kommen Techniker und der Innendienst. Wir arbeiten eng im Netzwerk.

Also ihr liefert das, was der Endverbraucher selten sieht, was aber unsere Welt am Laufen hält?

Genau. Unsere Kunden haben das Prozess-Know-how, wir liefern die Technik dazu. Immer öfter geht es auch um Daten- und Schnittstellen-Integration. Die Systeme werden zwar offener, aber auch komplexer. Und genau da kommen wir ins Spiel.

„Wenn du weißt, was du willst, öffnet das Leben dir Türen.“

Gibt es ein Motto, das dich im Job oder Leben begleitet?

Ja gibt es und das passt zu allem, was wir besprochen haben: „Wenn du weißt, was du willst, öffnet das Leben dir Türen.“

Da stimme ich dir zu hundert Prozent zu. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Danke für diesen wunderschönen Schlusssatz. Was ist dein persönlicher Soundtrack für unsere Rocking Sales Playlist auf Spotify?

Mein Song für die Rocking Sales Playlist ist Safe and Sound von Capital Cities.

Cool, die positiven Vibes passen gut zu dir. Lieber Dennis, danke für dieses ehrliche, offene und inspirierende Gespräch. Ich freue mich sehr, deinen Beitrag für den Blog schreiben zu dürfen. Du bist definitiv ein Sales Rocker mit Herz und Haltung.

Danke dir, Hermina. Es war mir ein Fest!

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Ich freue mich auf dich.

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Karate und klare Kante im Sales

Karate und klare Kante im Sales

Karate und klare Kante im Sales

Karate und klare Kante im Sales

Sven Buick, Vertriebsleiter bei SmartDocuments Deutschland, steht für klare Ansage. Er lebt nach einem Wertekompass, der auf seine über 40-jährige Liebe zu Karate zurückgeht. In seiner heutigen Position ist eines seiner Ziele, im öffentlichen Sektor durch Technologie echte digitale Verwaltung zu implementieren, um bürokratische Prozesse zu beschleunigen. Ich habe mit Sven ein spannendes Gespräch geführt über Kindheitsträume, Klarheit, Werte und wie man als Führungskraft Haltung bewahrt in einer Welt, die sich dynamisch verändert.

Sven, du hast einen außergewöhnlichen Werdegang. Ich sag nur 3K: Karate, Kaserne, Kundenorientierung. Wo hat deine berufliche Reise begonnen?

Wenn man ganz ehrlich ist, schon als Kind oder besser gesagt als TKKG-Fan. Ich war begeistert von Tarzan, heute heißt er Tim. Er hat Judo gemacht, und das fand ich total cool. Also wollte ich das auch. Bei uns im Ort gab’s aber keinen Judoverein, und so bin ich beim Karate gelandet. Das hat mich sofort fasziniert. Ich wusste, das ist meins.

„Ich sehe Karate nicht als Sport, sondern als Lebensschule.“

Wie alt warst du, als du mit Karate angefangen hast?

Ich habe mit 10 Jahren angefangen und bin bis heute – also seit 44 Jahren – aktiv. Ich sehe Karate nicht als Sport, sondern als Lebensschule. Mein erster Trainer hat mir früh Werte vermittelt, die mich geprägt haben: Ordnung ist das halbe Leben. Mach es von Anfang an richtig. Solche Sätze bleiben hängen. Und sie helfen im Leben und im Business.

Du bist nach der Schule zur Bundeswehr gegangen. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Hat deine Karate-Passion in irgendeiner Form dazu beigetragen?

Ich wollte Verantwortung übernehmen und Menschen beschützen. Damals stand nicht das Thema Kriegsführung im Vordergrund, sondern einzig und allein der Schutz und die Verteidigung von Menschen. Dieser Gedanke hat mir gefallen, weil er für etwas Sinnvolles stand. Also habe ich die Offizierslaufbahn eingeschlagen. Ich war zwölf Jahre dabei und habe dann Sportwissenschaft an der Bundeswehr-Universität in München studiert. Das war ein ausgesprochen intensiver Studiengang im Trimestersystem. Wir hatten ein hohes Lernpensum und waren komplett durchgetaktet. Auch hier habe ich wieder ähnliche Werte gelebt wie bereits seit meiner Kindheit beim Karate: Struktur und Disziplin. Hinzu kam bei der Bundeswehr das Thema Menschenführung.

„Du lernst, dass du glaubwürdig sein musst, 

wenn du willst, dass andere dir folgen.“

Was genau hast du dort über Führung gelernt?

Zunächst, dass Führung nichts mit Lautstärke oder Dominanz zu tun hat. Es geht um Klarheit, Konsequenz und das Vorleben von Werten. In der Bundeswehr übernimmt man früh Verantwortung für Menschen. Du lernst, dass du glaubwürdig sein musst, wenn du willst, dass andere dir folgen. Du musst wissen, was du tust, und du musst zuverlässig kommunizieren. Punkt.

Und das funktioniert heute noch im zivilen Leben?

Absolut. Gerade im Projektmanagement sehe ich viele Parallelen. Um es in Militärsprache auszudrücken: Wenn du einen Zugriff planst und einer deiner Leute ist nicht da oder nicht bereit, scheitert der gesamte Einsatz. Im Projektgeschäft ist das ähnlich. Wenn ein Meilenstein nicht eingehalten wird und niemand informiert wird, kracht es früher oder später. Alle müssen gemeinsam am gleichen Strang ziehen.

Wie kam im Anschluss an dein Studium der Übergang in die Wirtschaft?

Bei der Bundeswehr war ich zuletzt in der IT-Verwaltung tätig und verantwortlich für Netzwerke, Meldesicherheit und Fernmeldewesen. Das war mein Einstieg. Nach meinem Abschied habe ich mehrere Microsoft- und HP-Zertifizierungen gemacht und bin als IT-Trainer gestartet. Parallel habe ich mich zum Lerntherapeuten und Budo Pädagogen weitergebildet. Budo ist ein japanischer Begriff, der die Gesamtheit der japanischen Kampfkünste und -wege bezeichnet, wie Judo, Karate, Aikido, Kendō und viele mehr. Er umfasst nicht nur Kampfsporttechniken, sondern auch eine innere Philosophie und spirituelle Entwicklung. Budo kann als „Weg des Kriegers“ oder „Kriegskunstweg“ übersetzt werden und betont die Bedeutung von Disziplin, Respekt, Selbstbeherrschung und Charakterbildung.

„Viele Sales-Leute wirken unsicher, weil sie sich 

ihrer Körpersprache nicht bewusst sind.“

Das ist spannend. Wie passt das mit IT zusammen?

Mehr, als man denkt. In der Lerntherapie habe ich Bewegungsprogramme entwickelt, die Konzentration und Koordination fördern. Das funktioniert bei Kindern und bei Erwachsenen gleichermaßen, bei Letzteren insbesondere im Sales. Viele Sales-Leute wirken unsicher, weil sie sich ihrer Körpersprache nicht bewusst sind. Ich habe Trainings entwickelt, die genau da ansetzen.

Persönlichkeitsentwicklung durch Bewegung und Körpersprache?

Genau. Der Körper ist der Spiegel deiner Haltung. Wenn du im Gleichgewicht bist, körperlich wie mental, strahlst du das auch aus. Und das ist im Vertrieb entscheidend. Die besten Präsentationen bringen nichts, wenn die Körpersprache dem Inhalt widerspricht.

Heute bist du Vertriebsleiter bei SmartDocuments. Wo liegt der Schwerpunkt eurer IT-Expertise und Tätigkeit?

Wir automatisieren Dokumente. Unsere Software zieht sich Daten aus unterschiedlichen Systemen und erstellt automatisch ein vollständiges, rechtssicheres Dokument, wie zum Beispiel ein Angebot, einen Bescheid, eine Urkunde, und das alles im Corporate Design des Kunden und ohne Copy & Paste oder Formatierungsstress.

„Alle, die regelmäßig viele Dokumente erzeugen, profitieren von

unserer Dienstleistung und sparen viel Zeit und Aufwand.”

Wo liegt euer Zielgruppen-Fokus?

Hauptsächlich im öffentlichen Sektor, auf Städten, Kommunen, Landesbehörden. Aber wir arbeiten auch mit Unternehmen: Versicherungen, Baukonzerne, Sportvereine. Alle, die regelmäßig viele Dokumente erzeugen, profitieren von unserer Dienstleistung und sparen viel Zeit und Aufwand.

Kannst du mir ein konkretes Beispiel aus der Praxis nennen?

Gerne. Die Stadt Kiel hatte folgenden Prozess für Halteverbotszonen bei Umzügen:

  1. Antrag wird von Bürgern gestellt,
  2. dieser wird von der Stadtverwaltung geprüft,
  3. es folgt die Genehmigung,
  4. der Bescheid wird erstellt.

Dieser Bearbeitungsvorgang dauerte 7–9 Minuten pro Fall. Wir haben das mit unserer Software – inklusive Genehmigung – auf unter eine Minute gedrückt. Bei 7000 Anträgen im Jahr ist das eine massive Entlastung.

„Digitalisierung funktioniert nur mit Augenmaß – 

erfolgreich und mit Menschen im Mittelpunkt.“

Viele fürchten, dass Digitalisierung Jobs kostet. Gehen wir von 8 ersparten Minuten im Durchschnitt aus, ergibt das 56.000 Minuten, 933 Stunden Ersparnis. Mit der Zeitersparnis durch eure Software – ausschließlich für den Bereich Halteverbotszone – macht das 23 Wochen einer Arbeitskraft mit 40-Stunden-Woche. Und das ist nur ein Bereich. Wie siehst du das?

Das Gegenteil ist der Fall. Viele Verwaltungseinheiten sind unterbesetzt, der Generationenwechsel steht bevor. Es fehlen Fachkräfte. Unsere Software übernimmt Routinetätigkeiten, so können Mitarbeitende sich wieder auf anspruchsvolle Aufgaben konzentrieren. Und ganz wichtig: Wir begegnen den Menschen auf Augenhöhe, holen sie mit ins Boot. Digitalisierung funktioniert nur mit Augenmaß erfolgreich und mit Menschen im Mittelpunkt.

Wie akquiriert ihr eure Kunden?

Wir setzen auf einen Mix aus Veranstaltungen, Fachmessen, Netzwerken wie Silicon Valley Europe, klassische Ansprache per Brief und Telefon, aber mit Professionalität und Haltung. Ich will keine Termine „auf Teufel komm raus“. Lieber wenige, gute Gespräche als viele nutzlose.

Per Brief? Habe ich dich richtig verstanden? Ihr sendet als IT-Unternehmen noch Briefe aus?

Genau. Ein Brief ist heutzutage etwas Besonderes, Außergewöhnliches, Überraschendes und ein Zeichen von hoher Wertschätzung. Digital kann jeder (lacht). Wichtig ist doch, dass man mit seinen Akquise-Maßnahmen aus der Masse hervorsticht und ins Erstgespräch kommt. Bei uns funktioniert es gut.

Du klingst sehr klar in deinen Prinzipien. Wie führst du dein Team?

Wir arbeiten ausschließlich mit Teamzielen. Interne Konkurrenzkämpfe gibt es bei uns nicht. Jeder hat Stärken, jeder hat Schwächen, und es gilt, uns gegenseitig zu unterstützen. Wenn’s mal nicht klappt, wird ehrlich analysiert. Woran lag es? Kein strafender Fingerzeig, sondern Weiterentwicklung und aus Fehlern lernen.

„Ehrlichkeit ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit.“

Es gibt keine Konsequenzen bei Fehlern?

Fehler sind erlaubt, wenn man daraus lernt. Was ich nicht mag, sind Ausreden. Wenn ich etwas verbockt habe, stehe ich dazu. Das hat etwas mit Respekt zu tun, gegenüber sich selbst und anderen. Und es schafft Vertrauen. Und es muss auch Konsequenzen geben, wenn der gleiche Fehler zur Gewohnheit zu werden droht.

Hast du ein konkretes Beispiel dafür?

Klar. Nehmen wir die Zielerreichung. Wenn wir ein Quartalsziel nicht erreichen, dann frage ich nicht „Wieso hast du’s nicht gepackt?“, sondern „Was war los, und was können wir besser machen?“ Einer gesteht vielleicht: „Ich war nicht präsent genug.“ Okay, das ist ehrlich. Dann bitte ich, das in Zukunft zu ändern. Fertig. Kein Drama. Tut er das jedoch nicht, obwohl er es zugesagt hat, dann ist es der Spiegel seiner Persönlichkeit. So eine Person kannst du nicht ewig mitziehen, denn es reflektiert sich negativ auf das restliche Team.

Wann hast du gemerkt, dass du im Vertrieb angekommen bist?

Das war vor über 20 Jahren. Ich habe gemerkt, dass ich nicht nur Produkte verkaufe, sondern auch meine Persönlichkeit. Nicht im Sinne von „sich anbiedern“, sondern wohlwissend, dass, wenn ich überzeugend, ehrlich und präsent bin, der Rest oft fast von allein folgt.

„Ich will keine schnellen Abschlüsse – ich will langfristige Partnerschaften.“

Was macht für dich guten Vertrieb aus?

Zuhören. Verstehen. Ehrlich beraten. Nicht versprechen, was man nicht halten kann. Und: nachhaltig arbeiten. Ich will keine schnellen Abschlüsse, ich will langfristige Partnerschaften.

Viele sagen, der Ton in der Geschäftswelt wird rauer. Wie empfindest du es?

Ich sehe das auch so. Es wird viel versprochen, wenig gehalten, ganz besonders im Online-Bereich. Automatisierte Messages und leere Floskeln nerven mich. Und es schadet dem Ruf des Vertriebs, das ärgert mich.

Was ist dein Gegenrezept?

Authentizität. Menschen merken, ob du echt bist. Ich will keinen Schein-Vertrieb und kein Sales-Drama. Ich will klare Aussagen, Verlässlichkeit und Substanz. Das schätzen sowohl meine Kunden wie auch mein Team. Und ich schätze es bei unseren Kunden auch sehr.

Das klingt nach Karate, Klarheit und Kundenbindung.

Stimmt (lacht). Wie ich sagte: Die Weichen für meine Persönlichkeit wurden durch Karate in meiner frühen Jugend gestellt.

„Es geht um Selbstkontrolle, Respekt, Klarheit, Entwicklung.“

Du hast den Begriff Budo Pädagogik mehrfach erwähnt. Was genau verbindest du damit im Business?

Es geht um Selbstkontrolle, Respekt, Klarheit, Entwicklung. Wenn ich im Karate eine Schwachstelle beim Gegenüber erkenne, nutze ich sie nicht aus, sondern ich helfe ihm, sich zu verbessern. Genauso arbeite ich im Team. Und genauso gehe ich mit Kunden um.

Wenn du einen Wunsch frei hättest: Was würdest du in der Businesswelt verändern?

Ich wünsche mir mehr Haltung und Konsequenz. Mehr echtes Interesse. Wir brauchen keine perfektionierten Pitches, sondern echte Verbindungen. Und wir müssen wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen für unser Tun, unsere Worte und unsere Wirkung.

Kommen wir zum präferierten Soundtrack deines Vertriebslebens (lacht).

„Paradise City“ von Guns N’ Roses. Sinngemäß bedeutet der Songtext: „Lasst uns gemeinsam einen besseren Ort schaffen.“ In meinem Fall steht das für eine funktionierende digitale Verwaltung. Ich grüße damit alle Verwaltungen, die schon mit uns arbeiten und die, die noch kommen.

Sven, du rockst wirklich! Danke, dass ich heute von dir sehr viel lernen durfte.

Ich danke dir, Hermina. Das Gespräch hat wirklich Spaß gemacht, auch weil ich zeigen wollte, dass ehrlicher Sales immer noch rockt.

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Empathie ist kein Nice-to-have

Empathie ist kein Nice-to-have

Empathie ist kein Nice-to-have

Empathie ist kein Nice-to-have

Nein, auch Martin Zimmermann hat nicht von einer Karriere im Vertrieb geträumt. Der Vertriebschef von Imendo Österreich ist wie fast alle meine Gesprächspartner in den Bereich Sales „hineingeschlittert“. Seine Vorgesetzten bei Microsoft, wo er seine Business Vita mit einem Traineeprogramm startete, haben sein Vertriebstalent entdeckt, das ihm selbst zu jener Zeit noch nicht bewusst war. Nach 18 Jahren bei Microsoft, wechselte er zu einem Partner, der Imendo GmbH, mit der er bereits mehrere Jahre erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Ich habe mit ihm über seinen Weg vom Weltkonzern zum Mittelstand gesprochen.

Lieber Martin, wie schön, dass du Zeit für unser Gespräch gefunden hast. Was genau sind deine Aufgaben als Vertriebsleiter bei Imendo Österreich?

Ich bin verantwortlich für den gesamten Vertrieb bei der Imendo GmbH. Wir sind ein inhabergeführtes IT-Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Klagenfurt und einem weiteren Standort in Wien. Unsere Schwerpunkte liegen auf Datenlösungen, Collaboration Systemen, Softwareentwicklung, alles rund um die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Wir betreuen Kunden aus dem öffentlichen Bereich, aus der Industrie ebenso wie aus dem Mittelstand. Ich selbst sitze in Wien, bin aber gebürtiger Kärntner.

Welche Kunden betreut ihr? Gibt es einen Schwerpunkt und seid ihr hauptsächlich in Österreich aktiv?

Ja, unser Fokus liegt klar auf dem österreichischen Markt. Wir betreuen viele Kunden aus dem öffentlichen Bereich wie Ministerien, die Stadt Wien, Bundesländer und Energieversorger. Dazu kommen Projekte für globale Technologieunternehmen und die Pharmaindustrie. Deutschland ist zwar interessant, aber wir konzentrieren uns derzeit stark auf die heimische Digitalisierung.

„Wir haben eine Plattform für Impf- und Testbuchungen 

für die Stadt Wien entwickelt.“

Das sind große Namen im öffentlichen Bereich. Wie viele Mitarbeiter seid ihr?

Wir sind während Corona stark gewachsen – von 35 Mitarbeiter auf knapp 100. Dieser große Zuwachs entstand durch das Projekt, das während der Pandemie entstanden ist. Wir haben eine Plattform für Impf- und Testbuchungen für die Stadt Wien entwickelt. Daraus wurde inzwischen eine zentrale Gesundheitsplattform, auf der heute alle städtischen Impfungen organisiert werden – von Tetanus bis Grippe. Das zeigt, was möglich ist, wenn man Digitalisierung wirklich durchdenkt und nutzerzentriert umsetzt.

Spannend wie ihr diese Chance ergriffen und zu einem erfolgreichen Projekt umgesetzt habt. Und wie ist euer Vertriebsteam aufgestellt? Eher regional oder nach Portfolio?

Ein Mitarbeiter ist spezialisiert auf den Finanzbereich und auf Datenlösungen. Eine Kollegin betreut die Bundesländer, die Wirtschaftskammer und die Österreichische Bahn. Zwei Kolleginnen sind für öffentliche Ausschreibungen verantwortlich. Diese sind mit sehr komplexen Herausforderungen verbunden. Eine Kollegin kümmert sich um den Ausbau kleinerer Bestandskunden. Hinzu kommt unser Geschäftsführer, der seit jeher die größten Kunden betreut. Das ist für uns sehr gut, denn so können wir uns auf die Akquise neuer Kunden fokussieren. Wir wachsen organisch, aber ambitioniert.

War es ursprünglich dein Wunsch im Vertrieb tätig zu sein?

(lacht) Ich bin da eher so reingerutscht.

Ach neee (lacht). Ich warte immer noch auf den Tag, an dem mir jemand sagt „Es war mein großer Wunsch im Vertrieb zu arbeiten“. Erzähl mir bitte deine Story und wie es dich in den Vertrieb verschlagen hat.

Im Microsoft-Trainee-Programm gab es eine Aufgabe im Assessment Center – ein Sales-Rollenspiel. Ich war darin furchtbar. Damals dachte ich: „Gut, dass ich ins Marketing gehe.“ Jahre später kamen zwei Manager auf mich zu und meinten: „Du solltest Sales ausprobieren.“ Ich war natürlich von ihrem Vorschlag nicht begeistert. Aber siehe da – es hat funktioniert.

„Sales ist die Welt der Einzelschicksale.“

Du warst lange bei Microsoft tätig.

 Ja, 18 Jahre in verschiedenen Marketing- und Sales-Rollen. Ich habe 2006 im Produktmarketing für Datenbanklösungen und Entwicklerwerkzeuge begonnen. Das Lustige ist: Das sind heute auch zentrale Themen bei Imendo. Insofern schließt sich ein Kreis. 2010 bin ich dann zunächst widerwillig in den Vertrieb gewechselt.

Kannst du mir näher erläutern, was du am Vertrieb nicht mochtest oder woher der Widerwille kam?

Ich hatte ein völlig falsches Bild von Vertrieb und ich glaube, dass auch heute noch Vertrieb häufig fehl eingeschätzt wird. Immer noch denken viele, es gehe nur darum Kunden zu überreden etwas zu kaufen.  Aber dann habe ich durch einen Perspektivwechsel gemerkt, dass Sales vor allem bedeutet zuzuhören, zu verstehen und Lösungen anzubieten. Meine damaligen Manager bei Microsoft haben diese Skills in mir erkannt, bevor ich es selbst gesehen habe. Dafür bin ich bis heute dankbar. Ich sage immer: Sales ist die Welt der Einzelschicksale. Jeder Termin ist anders und in jedem kannst du etwas lernen.

„Empathie ist im Vertrieb kein Nice-to-have, sondern ein Muss.“

Was war deine bedeutendste Lernerfahrung im Sales?

Dass Empathie kein Nice-to-have ist, sondern ein Muss. Menschen kaufen nicht nur ein Produkt oder eine Lösung, sondern auch Vertrauen. Wenn man das verstanden hat, wird Sales etwas sehr Menschliches. Und genau das gefällt mir daran. Jedes Gespräch ist anders, jedes Projekt hat seine eigene Geschichte. Ich liebe diese Vielfalt.

Und wie kam dann der Wechsel zu Imendo?

Ich habe Imendo bei meiner Arbeit bei Microsoft kennengelernt. Sie waren Partner von uns im öffentlichen Bereich. Schon damals war mir klar: Das ist ein spannendes Unternehmen. Irgendwann kam der Punkt, als Imendo stark gewachsen ist und ein strukturiertes Vertriebsteam aufbauen wollte. Die Chance habe ich genutzt und seit eineinhalb Jahren bin ich nun Sales Lead bei Imendo.

„Bei Microsoft konnte ich als Teil eines globalen Systems wirken,

 hier gestalte ich direkt mit.“

Cool, ihr kanntet euch bereits! Dann wusstest du gut, worauf du dich einlässt. Was ist heute anders für dich? Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Sales im Konzern und im mittelständischen Unternehmen?

Alles ist viel unmittelbarer. Wenn unser Vertrieb funktioniert, können wir neue Entwickler und Entwicklerinnen einstellen sowie in neue Projekte investieren. Wenn nicht, merken wir das sofort. Das heißt: Vertrieb hat hier eine sehr direkte Auswirkung. Bei Microsoft konnte ich als Teil eines globalen Systems wirken, hier gestalte ich direkt mit. Zudem: Bei uns gibt’s kein reines Zuhör-Meeting, bei dem einer spricht und Hunderte Mitarbeiter aus unzähligen Ländern verfolgen es. Jedes unserer Meetings hat ein konkretes Ergebnis zum Ziel. Das macht die Arbeit sehr effektiv und fordert jeden einzelnen natürlich auch mehr.

„Ich kann Ideen einbringen und sehe, wie sie binnen 

Tagen Realität werden können.“

Was reizt dich besonders an deiner aktuellen Rolle?

Die Mischung: Strategie und Umsetzung. Ich arbeite mit einem Team zusammen, das sehr engagiert ist, und gleichzeitig bin ich eng im Austausch mit unseren Geschäftsführern. Ich kann Ideen einbringen und sehe, wie sie binnen Tagen Realität werden können. Diese Umsetzungsnähe ist etwas, das ich sehr schätze, vor allem nach vielen Jahren in einer Konzernstruktur.

Wie würdest du deine Führungsphilosophie beschreiben?

Ich will Freiräume schaffen und zugleich Orientierung geben. Ich bin kein Fan von Mikromanagement. Ich frage Mitarbeiter: Was brauchst du, um erfolgreich zu sein? Und dann versuche ich, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Ich will ermöglichen, nicht kontrollieren. Wir haben auch Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen im Team, Menschen, die selbst überrascht waren, dass ihnen Sales liegt. Diese Entwicklung zu begleiten, ist echt großartig.

Hast du ein konkretes Beispiel für einen erfolgreichen Quereinstieg?

Wir haben erst kürzlich eine Kollegin eingestellt, die ursprünglich aus dem Einkauf kommt. Sie war sehr strukturiert, analytisch, aber eben ohne Vertriebserfahrung. Wir haben ihr die Chance gegeben, sich im Sales auszuprobieren. Sie hat die Motivation und Energie mitgebracht, um uns und unsere Kunden zu begeistern. Darauf kommt es letztendlich an, denn die „harten“ Sales Skills kann man lernen. Sie hätte selbst nie gedacht, dass das „ihr Ding“ ist. Solche Entwicklungen machen mich stolz.

„Nicht das eigene Produkt ins Zentrum stellen, 

sondern den Nutzen für den Kunden.

Was macht für dich ein gutes Sales-Talent aus?

Zuhören können. Sich wirklich für das Gegenüber interessieren. Nicht das eigene Produkt ins Zentrum stellen, sondern den Nutzen für den Kunden. Und: Resilienz. Es läuft nicht immer alles glatt. Aber wer dranbleibt, lernt und wächst.

Du sprichst viel von Team und Verantwortung. Was zeichnet Imendo noch aus?

Wir sind trotz Wachstum von 35 auf fast 100 Mitarbeitende in nur wenigen Jahren, ein Unternehmen geblieben, das offen kommuniziert. Bei uns herrscht Transparenz. Es gibt keine starren Prozesse, sondern Gestaltungsfreiraum. Wer eine gute Idee hat, kann sie umsetzen. Wer Verantwortung übernehmen will, bekommt sie. Und ich sehe es als meine Aufgabe, nicht nur Deals zu holen, sondern auch mein Team zu entwickeln.

„Derzeit ist das Marktumfeld nicht einfach. 

Wirtschaftlich spüren wir eine gewisse Zurückhaltung.

Wie geht ihr mit den aktuellen Herausforderungen am Markt um?

Derzeit ist das Marktumfeld nicht einfach. Wirtschaftlich spüren wir eine gewisse Zurückhaltung. Das betrifft besonders große Investitionen. Für uns heißt das: Wir müssen noch präziser sein in der Ansprache, neue Use Cases identifizieren und Mehrwerte klarer kommunizieren. Gleichzeitig nutzen wir die Zeit, um neue Branchen zu erschließen und unsere Vertriebsstruktur strategisch weiterzuentwickeln.

Was sind deine nächsten Ziele?

Ich will mit Imendo den Vertrieb strategisch weiterentwickeln in neuen Märkten und Branchen Neukunden gewinnen. Und ich möchte weiter mitgestalten. Ich liebe es, Dinge aufzubauen und ich weiß, dass ich mit meinem Hintergrund aus dem Konzern und meiner jetzigen Erfahrung beides gut verbinden kann. Ich bin gespannt, wohin die Reise noch geht. Aber ich weiß: Es ist der richtige Weg, für Imendo und für mich persönlich.

Und wie motivierst du dich?

Durch Menschen. Durch Gespräche. Durch kleine Fortschritte. Ich bin kein Fan von überhöhten Visionen. Aber ich glaube daran, dass man täglich Wirkung erzielen kann, im eigenen Team, beim Kunden, in der Art, wie man zuhört und antwortet. Wenn ich sehe, dass jemand über sich hinauswächst oder ein Projekt richtig gut läuft, dann weiß ich: Genau deshalb mache ich das.

Lieber Martin, vielen Dank für dieses persönliche und spannende Gespräch.

Ich danke dir, Hermina.

Abschließend wie immer meine letzte Frage: zu welchem Song rockst Du Sales? Was ist Dein Beitrag zur MarketDialog Rocking Sales Playlist auf Spotify?

Bei Musik bin ich fest im Rock-Genre verankert. Mein Song ist „Everlong“ von den Foo Fighters.

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Rocking Sales klein

Zwischen Technik und Menschlichkeit

Rocking Sales Gross

Zwischen Technik und Menschlichkeit

Von Funkmasten in der Ukraine bis zur Beratung für Cyber-Security deutscher Automobilzulieferer:  Martin Nachtigalls Werdegang vom Telekom-Lehrling zum Vertriebsleiter mit internationaler Erfahrung ist genauso facettenreich wie die unterschiedlichen Branchen, in denen er tätig war. Was zunächst nach einer klassischen Karriere klingt, ist hingegen eine Reise voller Wendungen, Neuanfänge und Mut zur Veränderung. Der heutige Vertriebsprofi der Firma systemworkx, begeisterte sich zunächst für Technik und entdeckte erst im zweiten Schritt seine Leidenschaft für Vertrieb. Warum der Kontakt zu Menschen für ihn essenziell ist und warum Informationssicherheit heute ein entscheidender Wachstumstreiber ist, erzählt er im Interview.

Martin, schön, dass du heute beim Rocking Sales Interview dabei bist. Was war deine Motivation, bei diesem Format mitzumachen?

Sichtbarkeit. Ich bin zwar nicht auf Jobsuche, fühle mich bei systemworkx sehr wohl, aber ich möchte für potenzielle Geschäftspartner sichtbar sein. Ich hoffe, wenn jemand nach vertrieblicher Expertise sucht, stolpert er über mich und denkt: Der könnte passen.

Wo hat deine berufliche Reise begonnen?

Ich bin im Landkreis Günzburg zwischen Stuttgart und München aufgewachsen. Technik hat mich schon als Kind fasziniert. 1987 habe ich bei der Deutschen Post eine Ausbildung zum Telekommunikationselektroniker begonnen. Das war spannend, aber ich merkte schnell, dass ich mehr will als nur Telefone anschließen, sondern verstehen, wie alles zusammenhängt.

„Ich wollte nie der Entwickler im stillen Kämmerlein sein, 

ich wollte mit Menschen arbeiten.“

Also hast du eine Weiterbildung begonnen?

Genau. Ich habe mein Fachabitur gemacht und anschließend Elektrotechnik mit Schwerpunkt Telekommunikation studiert. Mein Ziel war, Technik mit Sinn zu verbinden. Ich wollte aber nie der Entwickler im stillen Kämmerlein sein, ich wollte mit Menschen arbeiten.

Wie ging es nach dem Studium weiter?

Der Einstieg war nicht leicht. Es gab damals kaum offene Stellen. Durch Zufall bin ich bei Alcatel SEL in Stuttgart gelandet und habe dort in der Angebotsabteilung für Mobilfunknetztechnik angefangen. Die Projekte waren international: Polen, Ukraine, Tschechien. Ich habe komplexe Angebote erstellt und gemerkt, wie spannend die Mischung aus Technik und Wirtschaft ist.

Die meisten meiner Gäste im Interview sind mehr oder weniger in den Vertrieb hineingerutscht, wie sie es selbst sagen. Wie war es bei dir? Wann hast du gemerkt, dass du im Vertrieb gelandet bist?

Als ich immer öfter die Rolle des Vermittlers eingenommen habe – zwischen Kundenanforderung und internen Möglichkeiten. Ich habe schnell gelernt, dass Vertrieb nicht nur Verkaufen bedeutet, sondern auch Zuhören, Verstehen, Übersetzen und Vertrauen schaffen.

„Vertrieb lebt von Flexibilität und Vertrauen.“

Hast du ein unvergessliches Erlebnis im Vertrieb? Manchmal ergeben sich Schlüsselmomente, die man nie mehr vergisst.

Einer war definitiv eine mehrtägige Verhandlung mit T-Mobile. Wir dachten, es wird ein Tagestrip, aber abends war klar: Wir brauchen einen zweiten Tag. Ohne Gepäck sind wir im Hotel geblieben. Am nächsten Nachmittag war der Deal perfekt. Solche Erfahrungen bleiben. Sie zeigen: Vertrieb lebt von Flexibilität und Vertrauen.

Das sind die Storys, die ich meine. Wo du nur noch das Ziel vor Augen hast und alles tust, um den Deal nicht platzen zu lassen (lacht). Wie ging dein Weg weiter?

Ich wurde Account Manager für T-Mobile Deutschland, später ging es für 1,5 Jahre in die Schweiz, wo ich Account Manager für Swisscom wurde. Dort war ich für die Festnetzinfrastruktur zuständig. Das war auch eine wichtige Station für mich, wenn auch herausfordernd mit Familie. Ich fuhr an den Wochenenden nach Hause oder sie kamen mich übers Wochenende besuchen. Zunächst war das alles schön. Dann habe ich entschieden: Nach über 16 Jahren bei Alcatel ist es Zeit für Veränderung.

Ohne Anschlussjob? Das nenne ich mutig.

Ja. Ich habe die Abfindung genutzt, um mir Klarheit zu verschaffen. Meine Kinder waren damals acht und zehn und endlich konnte ich Zeit mit der Familie verbringen. Parallel habe ich mich branchenfremd beworben und bin schließlich über einen früheren Kollegen in die Welt von PLM und CAD-Software gekommen.

„Die Prozesse waren viel dynamischer als in Konzernen 

und das hat mir gefallen.“

War das ein harter Wechsel? Du hattest bislang mit diesen Themen nichts zu tun, oder?

Ja und nein. Du hast natürlich Recht. Ich musste mich in ganz neue Themen einarbeiten wie CAD, Simulation, Product Lifecycle Management. Aber ich hatte die Chance, meine Vertriebsstärke einzubringen. Ich konnte Kunden akquirieren, Beziehungen aufbauen, Mehrwert schaffen. Und ich hatte direkten Zugang zu Entscheidern, die Prozesse waren viel dynamischer als in Konzernen und das hat mir gefallen.

Wann kam systemworkx ins Spiel?

Nach der Pandemie wurde mein vorheriger Arbeitgeber umstrukturiert, und ich war betroffen. Durch Kontakte kam ich mit systemworkx in Verbindung und im Oktober 2020 bin ich hier an den Start gegangen. Das Gute war, dass meine Kunden mir gefolgt sind, weil sie weiterhin von mir betreut werden wollten. Das war ein schöner Vertrauensbeweis. Schnell habe ich die Verantwortung für zwei Geschäftsbereiche, PLM und Informationssicherheit, übernommen.

Informationssicherheit klingt nach einem komplexen Feld. Was genau machst du da?

Vor allem beraten wir Automobilzulieferer bei der TISAX-Zertifizierung. Das ist ein Branchenstandard zur Informationssicherheit, den OEMs wie VW, BMW und Daimler fordern. Es geht um Schutz von Daten, Infrastruktur, Abläufen. Ohne Zertifizierung gibt’s keine Aufträge mehr für Automobilzulieferer. Wir helfen dabei, die Anforderungen zu verstehen und umzusetzen.

„Viele Kunden unterschätzen, wie gefährdet sie sind. 

Cyberangriffe können existenzbedrohend sein.“

Das klingt nach einem echten Zukunftsthema.

Absolut. Ich sehe, wie groß das Bedürfnis ist. Viele Kunden unterschätzen, wie gefährdet sie sind.  Cyberangriffe können existenzbedrohend sein. Dennoch warnen wir vor dem Panikmodus und beraten auf Augenhöhe individuell und gründlich.

Wie sieht dein Alltag bei systemworkx aus?

Ich arbeite eng mit Kunden, begleite Projekte, unterstütze bei der Akquise und Strategie. Besonders spannend finde ich, dass ich nicht nur Automotive-Kunden betreue, sondern auch andere Branchen kennenlerne wie Medizintechnik, Handel und Bauwesen.

Was macht für dich einen guten Vertriebler aus?

Zuhören. Ehrlich sein. Versprechen halten. Und nicht immer sofort verkaufen wollen, sondern gemeinsam Lösungen finden. Kunden merken sehr schnell, ob du es ernst meinst oder nur etwas loswerden willst.

„Wenn ich eines Tages gehe, dann mit dem Gefühl: 

ich habe etwas aufgebaut, was bleibt.

Schöne Einstellung. Was sind deine Ziele für die nächsten Jahre?

Ich bin angekommen und fühle mich in meiner Rolle und Position richtig gut. Ich will gestalten, Themen vorantreiben, junge Kolleginnen und Kollegen unterstützen. Wenn ich eines Tages gehe, dann mit dem Gefühl: ich habe etwas aufgebaut, was bleibt.

Was treibt dich persönlich an? Was macht dich glücklich?

Neugier. Der Wunsch, Dinge besser zu machen. Und Wertschätzung. Wenn man spürt, dass der eigene Beitrag einen Unterschied macht.

Das hast du sehr schön zum Ausdruck gebracht. Und zum Schluss: Dein Song für unsere Rocking Sales Playlist?

If You Knew Me Better von Head East ist mein Song. Er ist nicht sehr bekannt. Manchmal läuft er auf Rock Antenne, aber mich begleitet er seit Jahren.

Vielen Dank, Martin, für dieses authentische und sehr sympathische Gespräch. Es war mir eine Freude!

Ebenso, Hermina. Vielen Dank für die Einladung!

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Enfant terrible des Sales​

Enfant terrible des Sales

Enfant terrible des Sales​

Enfant terrible des Sales

Sascha Albrink klingt in unserem Gespräch wie ein Enfant terrible des Sales. Im Alter von neun Jahren begann er seine Vertriebskarriere auf Wochen- und Trödelmärkten. Während seiner Ausbildung zum IT-Systemkaufmann baute er als Vertriebs-Autodidakt seinen Ausbildungsbetrieb mit auf und brachte ihn von drei auf 36 Mitarbeiter. Bei der Citibank perfektionierte er sein Verkaufstalent, und seit 2008 unterstützt der Gründer und Geschäftsführer der sixclicks GmbH Unternehmen erfolgreich mit der Methode, die manche eher oldschool finden –  “Frage deine Kunden.”

Schön, dass du Zeit für unser Gespräch gefunden hast, lieber Sascha. Erzähle mir von deinem Werdegang.

Ich wurde mit neun Jahren zum Vertriebler (lacht). Mein Vater handelte mit Comics auf dem Wochenendmarkt. Ich habe die Comics der Kinder auf Trödelmärkten eingekauft und sie dann meinem Vater verkauft – und beim Ein- und Verkauf gut verhandelt (lacht). Das waren meine ersten Schritte im Vertrieb. Mit 13 Jahren hatte ich meinen eigenen Stand auf einem Trödelmarkt. Natürlich hatten meine Eltern diesen Stand. Aber sie haben es sich so anfühle lassen, als wäre es mein eigener.

Cool. Dann warst du schon früh ein kleiner Unternehmer.

Das hat mich natürlich geprägt, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Wie ging es weiter?

2001 habe ich eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann begonnen. Dort begann ich, Websites für unsere Kunden zu erstellen. Das lief so gut, dass ich mich noch während der Ausbildung (2002) selbstständig gemacht habe. Zu dieser Zeit habe ich die Websites pauschal für 250 Euro an meinen Arbeitgeber verkauft, und er hat sie dann für 2.500 Euro an seine Kunden weiterverkauft.

Wie alt warst du zu dieser Zeit?

Ich war 21. Neben der Erstellung der Websites habe ich den Vertrieb in meinem Ausbildungsbetrieb ausgebaut. Als wir gestartet sind, waren wir zu dritt: die Mutter meines Arbeitgebers, mein Arbeitgeber und Ausbilder und ich. Ich war bei unseren Kunden vor Ort, habe Potenziale entdeckt und ihnen verkauft, was aus meiner Sicht fehlte. Als ich 2004 meine Ausbildung abgeschlossen habe, waren wir auf 36 Mitarbeiter gewachsen. Scheinbar habe ich gute Verkaufsskills (lacht).

Hat dein Arbeitgeber deine Leistung honoriert und geschätzt?

Ich habe meine Ausbildung dort abgeschlossen. Das Angebot, das mir daraufhin unterbreitet wurde, war richtig hanebüchen – vor allem in Anbetracht dessen, dass ich das Unternehmen mit aufgebaut hatte. Ich wollte Geld verdienen, und da meine Cousine damals Bankdirektorin war, hat sie mir einen Job bei der Citibank im Credit Card Sales angeboten. Dort habe ich Umschuldungen von Kreditkarten am Telefon verkauft. Da habe ich wirklich verkaufen gelernt.

„Einwandbehandlung, Vorwandbehandlung, Gesprächspsychologie,

 Fragetechniken, Alternativfragen, Suggestivfragen – das sollte jeder, der im 

Vertrieb arbeitet, mal gemacht haben.“

Hattet ihr Coaches?

Wir hatten immer einen Side-by-Side-Coach. In Echtzeit haben sie regelmäßig in die Calls mit reingehört. Danach wurde man zum Coaching geholt, und die Gespräche wurden ausgewertet. Einwandbehandlung, Vorwandbehandlung, Gesprächspsychologie, Fragetechniken, Alternativfragen, Suggestivfragen – alles, was nötig war, um die Mitarbeiter top für den Telefonverkauf auszubilden. Das sollte jeder, der im Vertrieb arbeitet, mal gemacht haben.

Was ist aus deinem Webseiten-Business geworden?

Ich habe es wieder aufgenommen, nachdem ich die Citibank verlassen hatte – mit einer weiteren neuen Idee: kaufe-dein-logo.de kam dazu, denn ich hatte immer schon ein Faible für Design. Ich habe mir Hunderte von Logo-Vorlagen gebaut, die ich kleinen und mittelständischen Unternehmen angeboten habe. An guten Tagen habe ich über 15–20 Logo-Aufträge am Tag über logo.de realisiert.

Wow! Business fließt durch deine Venen (lacht). Es macht mir gerade richtig viel Spaß, dir zuzuhören.

Parallel zu dieser Phase habe ich noch ein zweites Unternehmen gegründet – zusammen mit einem meiner besten Freunde. Wir haben eine digitale Bewerbungsmappe entwickelt. Die Idee war super, aber wir wollten alles bootstrapped machen und haben mangels Kapitals das Unternehmen vor die Wand gefahren.

Wann hast du sixclicks gegründet?

Die sixclicks gibt es seit 2008. Zu dieser Zeit war Onlinemarketing fast ausschließlich Suchmaschinenoptimierung. Social Media, Displaywerbung, Retargeting, CRM- und Affiliate-Marketing wurden seit 2008 Stück für Stück, zumindest in Deutschland,ausgebaut.

Wie hast du die neuen Entwicklungen und Produkte gelernt?

Ich folge intensiv 3–4 Business-Influencer aus dem amerikanischen Markt, die aus meiner Sicht Vorreiter sind und für Google, Microsoft und sehr große Companies arbeiten. Sie kommunizieren und erarbeiten Frameworks. Ich habe diese neuen Entwicklungen für den deutschen Markt adaptiert. Vor zwei Jahren habe ich mein eigenes Revenue- Marketing-System entwickelt, das im B2B-DACH-Markt wunderbar funktioniert. Dazu habe ich mir die Rosinen aus mehreren Frameworks herausgepickt und stelle sie KMUs zur Verfügung.

Gib mir mal bitte einen Case von dem, was du heute machst.

Ein klassischer Case ist, dass ein Unternehmen zu uns kommt, weil es mit seinen Marketingmaßnahmen keinen Erfolg hat. Es investiert hohe Summen in Werbung – ohne Return on Investment.

Von welcher Art Werbung sprechen wir konkret?

Google- oder Facebook-Ads oder LinkedIn. Wir machen dann zuerst ein sogenanntes Audit, schauen, was in den Werbesystemen los ist. Schnell stellen wir fest, dass die Unternehmen auf Zielgruppen werben, die überhaupt nicht zu ihrem Unternehmen passen. Sie buchen Keywords ein, die so weit vom Produkt entfernt sind, dass es einfach Geld-Verbrenner-Kampagnen sind. Auf die Frage, ob sie ein ideales Kundenprofil definiert haben, hören wir Antworten wie: “Wir möchten Unternehmen ab einem Umsatz von 1 Mio. Euro erreichen.”

„Wenn du alle erreichen willst, erreichst du gar keinen.“

Sind ja nur ein paar (lacht).

Wenn du alle erreichen willst, dann erreichst du gar keinen. Unser Ansatz basiert eben nicht darauf 100.000 Euro Werbebudget für post & pray Spiele in die Hand zu nehmen (lacht). Wenn wir nur genug Geld in Werbung investieren, wird schon irgendwann Umsatz herauskommen. So denken erstaunlich viele. Wir hingegen sprechen persönlich mit den Kunden unserer Kunden und erstellen ein tragfähiges Fundament, indem wir O-Ton Aussagen über ihre Pain Points, Wünsche und Einkaufsstrategien liefern.

„Jeder verkauft oder wendet vornehmlich an, was 

er vermeintlich am besten kann.“

Das interessiert mich. Erzähl mir bitte mehr dazu.

Normalerweise ist es so, dass Menschen, die im Marketing arbeiten, auf Basis ihrer eigenen Skills Kampagnen entwickeln. Das heißt, wenn du gut telefonieren kannst und gut Briefe schreiben kannst, dann würdest du wahrscheinlich viel Telefonie und viel Briefe in deine Strategie einbauen, weil du deine Skills benutzen würdest. Das passiert nicht nur in Firmeninternen Marketingteams, sondern auch bei Agenturen. Jeder verkauft oder wendet vornehmlich an, was er vermeintlich am besten kann.

Du meinst, man verkauft einfach das, was man am besten kann, nicht was sich am besten eignet?

Die meisten vermuten nur, wo ihre potenziellen Kunden sein könnten. Unser Ansatz startet mit Kundengesprächen. Wir wollen wissen: wo konsumierst du bisher? Wie willst du konsumieren? Liest du gerne Blogbeiträge? Schaust du gerne Videos? Welche Formate interessieren dich? Wie kommunizierst du am liebsten? Bist du gerne auf LinkedIn unterwegs? Auf Auswertung dieser Informationen, bauen wir ein System, das die Kundenwünsche erfüllt und suchen uns dann die Leute, die dieses System am besten bedienen können.

Wir reden hier von B2B und ihr sprecht mit den Kunden eures Kunden, richtig?

Genau. Wenn du jetzt beispielsweise Kunden hast, würde ich mit deinen Kunden sprechen und sie fragen, wie sie am liebsten deine Leistungen einkaufen.

OK und das machst du mit welchen Tools? Online? Am Telefon?

Das machen wir per Video-Calls.  Die Basis ist, sprich mit deinen Kunden. Das ist die ganze Story.

„Alle suchen nach dem nächsten geilen Hack, wie sie 

ihr Sales verbessern können.“

Das ist aber nicht wirklich neu. Ohne überheblich wirken zu wollen, das haben wir schon vor über 30 Jahren so gemacht.

Ja, richtig, es ist nicht neu. Neu ist nur, dass es niemand mehr macht (lacht). Alle suchen nach dem nächsten geilen Hack, wie sie ihr Sales verbessern können. Der beste Hack ist einfach mit deinem Kunden zu sprechen, wie er eigentlich dein Produkt kaufen will. Aus welchem Grund auch immer, denkt da niemand dran, weil die Agenturen und Dienstleister, die Vertrieb- und Marketingmaßnahmen verkaufen, nur mit ihrem eigenen Skill Set unterwegs sind.

Sie haben im Vorfeld für den Kunden entschieden, und Vertriebswege definiert, ohne ihn, den eigentlichen Protagonisten, zu fragen. Und jetzt hat der Kunde sich an sie anzupassen, statt umgekehrt. Auf dieser Ausgangssituation basiert euer Ansatz, richtig?

Genauso. Wir analysieren in unseren Projekten wie dein Kunde kaufen möchte. Wenn dabei herauskommt, dass wir mit sixclicks die Anforderungen deiner Kunden nicht erfüllen können, dann müsst ihr im Nachgang andere Experten beauftragen. Es ist schon vorgekommen, dass unser Kunde fragte, was mit uns nicht stimmen würde, dass wir ihm nichts weiterverkaufen möchten.

Wenn das Ergebnis unserer Analyse besagt, dass wir die benötigte Leistung nicht im Portfolio haben, weil der Zielkunde Videos auf Youtube, die das Produkt erklären für seine Kaufentscheidung bevorzugt oder gerne auf Messen kauft, weil er den persönlichen Kontakt braucht oder die Produkte live sehen möchte, dann brauchen sie eine Videoagentur und eine Messeagentur. Wir können bloggen, wir können Content Marketing, wir können LinkedIn, wir können Google Ads, die spielen aber keine Rolle im bevorzugten Kaufprozess bei deinem Kunden. Dann höre doch auf dein Geld zu verbrennen in einem Kanal, wo wir jetzt wissen, dass dein Kunde sich nicht aufhält.

Cooler Ansatz ich muss sagen. Nichts Neues, aber doch ganz neu. Habt ihr ein konkretes Fragekonzept?

Das Modell ist die Kundenreise, also Customer-Journey. Auch nichts Neues. Wir arbeiten mit den zwei Frameworks „Jobs to be done“ von Tony Ulwick und „Five rings of buying insight“ von Adele Revella, der godmother of buyer personas, wie ich sie gerne nenne. Sie schafft es mit 12 Kundengesprächen alle entscheidenden Fragen zu beantworten. Ich habe es in keinem Projekt mit 12 geschafft, in der Realität machen wir bis zu 36 Interviews. Adeles Buch ist 15 Jahre alt und die B2B Komplexität hat stark zugenommen.

Ich habe Adele Revellas Buch nicht gelesen. Um welche Fragen geht es konkret.

In ihrem Buch geht es um die 5 relevanten B2B Ringe: Investitionsauslöser, Erfolgsfaktoren, typische oder wahrgenommene Hürden, Weg der Kaufentscheidung und Entscheidungskriterien. Nach 36 Kundengesprächen auf Basis dieser 5 Ringe wird schnell klar, wo sich die Leute informieren, was sie benötigen, um eine Entscheidung zu treffen, wer bei Entscheidungen mit am Tisch sitzt, mit welchen Problemen sie konfrontiert sind und wie derjenige, der die Lösung initial ins Unternehmen bringen möchte, die Mitarbeiter und Entscheider überzeugen kann.

„Häufig ist der Wunschkunde unseres Kunden, gar nicht ihr Idealkunde.“

Clever. Und dein Kunde trifft eine Auswahl an mindestens 36 Kunden, mit denen ihr das Gespräch für ihn führt.

Der Kunde stellt uns 100 seiner Wunschkunden für die Gespräche zur Verfügung. Wir unterbreiten im Gegenzug unseren Vorschlag für die ersten 12 Calls und das sind meistens nicht jene, die der Kunde gerne hätte. Häufig ist der Wunschkunde unseres Kunden, zum Beispiel großes Logo, viel Umsatz, superkomplexe Produkte, etc. Das ist aber meistens gar nicht ihr Idealkunde. Sehr oft ist der weniger komplexe Kunde viel besser, weil mit ihm der Deckungsbeitrag höher liegt und es bis zur Kaufentscheidung nicht so unglaublich lange Prozesse erfordert.

Unsere Aufgabe besteht darin, gemeinsam das ideale Kundenprofil zu erarbeiten. Konzerne drehen jeden Cent dreimal um, alles muss auf Effizienz getrimmt sein, ein großes Team entscheidet in mehreren Stufen und allein die Zeit, die du investierst, bis es endlich zum Abschluss kommt, hat deinen Gewinn fast schon gefressen. In der Zwischenzeit hättest du mehrere mittelständische Unternehmen gewinnen können, weil dort die Entscheider pragmatischere Ansätze verfolgen. Wir setzen dieses Projekt in 12-er Schritten um, gleichen die Gespräche miteinander ab, bis wir 36 Kundengespräche geführt haben. Damit haben wir für den ersten Step ausreichend Insights gewonnen.

Was ist, wenn sich die Wünsche der Kunden sehr stark differenzieren?

Das Interessante ist, wenn du vorher ein ideales Kundenprofil definierst, ist die Differenzierung in den Gesprächen gar nicht mehr groß. Die Menschen unterscheiden sich nicht großartig, im Prinzip ticken alle ähnlich und kaufen auch ähnlich ein. Nehmen wir zum Beispiel ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitern mit einem Jahresumsatz von 50.000.000 Euro. Dieses Unternehmen hat eine Sales-Organisation und eine Marketing-Organisation mit im Schnitt 10 Mitarbeitern, die in immer gleichen Prozessen ihre Dienstleister einkaufen.

Wie reagieren deine Kunden, wenn die Ergebnisse aus euren Gesprächen ganz anders ausfallen als erwartet?

Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. So bescheuert dieser Spruch auch sein mag, er passt einfach. Wenn herauskommt, dass der Kunde mit der Webseite nicht zurechtkommt, diese aber grundsätzlich gerne nutzt, dann erreichen uns Argumente wie, wir haben doch gerade das Design optimiert, wieso sollen wir jetzt die Webseite nach dem Kunden ausrichten, sollen wir jetzt etwa von vorne anfangen, das ist doch voll oldschool was der Kunde will, das passt nicht zu unserem Image, etc. Es gibt nur eine Antwort darauf: möchtet ihr Umsatz machen oder nicht? Versteht, dass da ein Mensch sitzt, der eine Entscheidung trifft. Zumindest noch (lacht).

Sascha, vielen Dank, ich hatte richtig Spaß mit dir. Das war ein tolles Gespräch. Zum Abschluss wünsche ich mir noch deinen Sales Rocker Song bitte.

Danke dir Hermina für die Einladung. Mein Song ist von Sarah Connor „Hör auf deinen Bauch“.

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Die diplomatische Strippenzieherin ​

Die diplomatische Strippenzieherin

Die diplomatische Strippenzieherin ​

Die diplomatische Strippenzieherin

Sarah Schlosser widerlegt die These, dass man alle zwei Jahre den Arbeitgeber wechseln sollte, um die Karriere zu fördern und beruflich aufzusteigen. Seit 8 Jahren begleitet sie den rasanten Aufstieg des IT-Unternehmens netgo. Angefangen hat sie dort als erste duale Studentin der Wirtschaftswissenschaften. Heute zieht Sarah als Head of Marketing erfolgreich die Strippen zwischen der Entwicklung innovativer Produkte, der Vermarktung eines breiten Portfolios, der Führung von 14 Marketing-Mitarbeitenden und der Koordination mit dem Vertrieb.  

Herzlich willkommen, liebe Sarah. Erzähle mir ein bisschen von dir und deinem Werdegang.

Ich bin Sarah Schlosser, 30 Jahre alt. Nach dem Abitur ging es mir wie vielen anderen: Ich wusste nicht, was ich machen soll. Das Ausbildungsangebot war wirklich riesig, was einerseits schön ist, aber ich war nicht so weit, mich festzulegen. Also habe ich nach dem Abi erst einmal viele Praktika in sehr unterschiedlichen Bereichen gemacht. Ich war in einem Hotel tätig, bei einem Logistiker, bei einem Anwalt und natürlich auch in einem Krankenhaus, da meine Eltern aus der Medizin kommen. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt, und diese Erfahrungen haben mir zumindest deutlich gezeigt, was ich nicht möchte. Ein Beruf, der mir Spaß machen würde und den ich ein ganzes Leben lang gerne ausübte, war nicht dabei.

Wie schwierig war es direkt nach dem Abitur, diese vielen Praktikumsplätze zu ergattern? Das stelle ich mir auch nicht so einfach vor.

Zum Teil habe ich die Kontakte meiner Mutter genutzt, aber auch ohne Vitamin B habe ich keine Absagen bekommen und wurde überall genommen. Das kann auch daran liegen, dass alle meine Praktika ohne Vergütung waren. Ich glaube, inzwischen müssen Praktikanten vergütet werden. Das Einzige, das mir zu diesem Zeitpunkt klar war, war, dass ich mein Englisch unbedingt verbessern wollte.

Lass mich raten: Du bist ins Ausland gegangen?

Ja, genau. Mein Englisch war sehr schlecht, und in der Schule hatte ich mich durchgequält, um eine schlechte Note zu vermeiden. Also bin ich als Au-pair in die USA gegangen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Dort habe ich anderthalb Jahre lang auf vier Kinder aufgepasst, was eine große Herausforderung war.

Dort hast du nicht nur Englisch, sondern auch gehobenes Management gelernt (lacht).

Stimmt, nach anderthalb Jahren war ich zwar viel reicher an Erfahrung, aber ich dachte nur: „Mist, einen richtigen Berufswunsch hast du immer noch nicht.“ Ich hatte seit dem Abitur so viel gemacht, ohne etwas Berufliches auch nur angefangen zu haben. Die Zeit war reif für eine Ausbildung oder ein Studium. Ich entschied mich dazu, mich auf duale Studienplätze zu bewerben, um Theorie und Praxis zu kombinieren. Und so bin ich bei netgo gelandet. Am 01.01.2017 habe ich eine Ausbildung zur Marketingkauffrau gestartet und parallel das Wirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Marketing aufgenommen.

„Als ich vor acht Jahren angefangen habe, war netgo viel kleiner als jetzt.“

Wie cool! Netgo ist dein erster Arbeitgeber, mal abgesehen von deinen Praktika, und du bist dem Unternehmen seit acht Jahren treu.

Als ich vor acht Jahren angefangen habe, war netgo viel kleiner als jetzt. Ich war auch die erste duale Studentin, viele weitere folgten. Da durfte ich ein bisschen die Weichen stellen und anderen Studierenden den Weg ebnen. 2021 habe ich mein duales Studium abgeschlossen.

Wie viele Tage die Woche hast du während des Studiums gearbeitet?

Die ersten zwei Jahre war ich anderthalb Tage in der Uni und den Rest im Office. Während der Semesterferien habe ich voll gearbeitet. Ab dem dritten Studienjahr war ich dreieinhalb Tage an der Uni.

Hattest du Kolleginnen und Kollegen, die das zeitgleich mit dir gemacht haben, oder bist du während deiner Studienzeit die Einzige geblieben?

Ich war damals die Einzige. Wir waren zu der Zeit bei netgo 150 Mitarbeitende, und in der Marketingabteilung war ich die dritte Mitarbeitende.

„Ich habe von Tag eins an viel Verantwortung übernehmen dürfen.“

Was hat dich veranlasst, nach Abschluss deines Studiums bei netgo zu bleiben? Hattest du nicht Lust, neue Erfahrungen zu sammeln?

Es gibt ja den Spruch: „Einmal Azubi, immer Azubi“, der besagt, dass man in dem Unternehmen, in dem man ausgebildet wurde, niemals Karriere machen kann. Dieses Gefühl hatte ich bei netgo nie. Ich habe von Tag eins an viel Verantwortung übernehmen dürfen, konnte viel lernen und mich weiterentwickeln. Das hat mich motiviert, bei netgo zu bleiben.

Du hast das Wachstum und den Erfolg von netgo in all den Jahren mitbegleitet. Wie hast du diese Dynamik empfunden?

netgo hat in den letzten zehn Jahren eine Wahnsinnsentwicklung hingelegt. Für mich fühlt es sich an, als hätte ich in drei verschiedenen Unternehmen gearbeitet, weil ich so unglaublich viel Erfahrung sammeln durfte und musste. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass ich mich in einem anderen Unternehmen persönlich besser entwickelt hätte, denn die Möglichkeiten, die mir netgo bisher geboten hat, sind großartig. Ich bekomme alles, was ich brauche, und ich habe ein fantastisches Team.

„Und ich durfte diesen rasanten Aufstieg miterleben.“

Großartig, dass du bei deinem Arbeitgeber so happy bist. Erzähle mir bitte etwas mehr über netgo.

netgo ist ein deutsches Unternehmen und hat seine Wurzeln in einem kleinen Dorf im Westmünsterland. Sie haben ihr Business nicht, wie man es von zahlreichen Start-up-Geschichten kennt, in einer Garage gegründet, sondern in einer Getränkehalle. netgo ist extrem schnell gewachsen und hat mittlerweile deutschlandweit 1.500 Mitarbeitende an 35 Standorten. Und ich durfte diesen rasanten Aufstieg miterleben, sehen, wie Firmen dazugekauft wurden und die Integration dieser begleiten. Das alles führt zu einer engen Bindung zu Kollegen und Kolleginnen und dem Unternehmen selbst.

Das klingt schön, dass du dich als Teil von netgo identifizierst. Und jetzt bist du mit 30 Jahren Head of Marketing und führst 14 Personen, liebe Sarah. Wahnsinn, was für eine tolle Karriere!

Diese neue Position kam überraschend für mich. Obwohl ich seit acht Jahren im Marketing dabei bin, hatte ich noch nicht damit gerechnet. Als ich bei netgo anfing, war ich die dritte Mitarbeitende in unserem Marketingteam. Ich war die letzten acht Jahre am Aufbau beteiligt, kenne alle Produkte, Hersteller und alle Facetten unseres Business – von der Planung über Social Media, Online-Marketing und Produktmarketing – das habe ich alles von der Pike auf gelernt. Mein Vorgänger hat im Sommer netgo verlassen. Bevor er ging, teilte er mir mit, dass sie mich auserwählt hatten, interimistisch seine Position weiterzuführen. Da bin ich ehrlich gesagt fast vom Stuhl gefallen, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Heute sind wir mit mir 15 Kolleginnen, die vier unterschiedliche Bereiche betreuen.

Welche sind diese vier Bereiche?

Das Online Marketing, Media Design, Marketing Management sowie interne und externe Kommunikation.

„Seit drei Jahren arbeiten wir mit Marketing Automation.“

Toll, dass du diese Chance ergriffen hast. Wie unterstützt ihr mit euren Marketing-Maßnahmen den Vertrieb? Und natürlich interessiert mich ganz besonders, wie der Vertrieb eure Konzepte annimmt, denn wir wissen ja, dass es durchaus Reibung geben kann, nach dem Motto „Das, was ihr euch für uns ausdenkt, brauchen wir nicht!“ (lacht).

Auch in diesem Bereich haben wir eine unglaubliche Entwicklung vollzogen. Vor der Corona-Pandemie haben wir zahlreiche Kundenevents veranstaltet, um die Kundenbindung zu stärken, aber natürlich auch zur Neukundengewinnung. Für diese Veranstaltungen haben wir eng mit dem Vertrieb zusammengearbeitet, waren damals jedoch auch viel kleiner, von daher war die Organisation dieser Veranstaltungen einfacher realisierbar. Während der Corona-Pandemie und vor allem danach haben wir uns auf das Digital Marketing fokussiert und spezialisiert. Seit drei Jahren arbeiten wir mit Marketing Automation. Vorher war es Microsoft Dynamics, jetzt ist es Hubspot und es ist eng verknüpft mit Salesforce, womit wiederum der Vertrieb arbeitet.

Das heißt, ihr generiert die Leads rein über eure Digital Tools. Sind eure Produkte nicht erklärungsbedürftig?

Nicht nur digital, aber zu einem großen Teil. Unsere Aufgabe ist es, dem Vertrieb eine entsprechende Anzahl an Marketing Qualified Leads zur Verfügung zu stellen und sie bei der Generierung von Neukunden zu unterstützen. Zugleich betreiben wir auch Cross Selling, besonders bei Kunden, mit denen die Zusammenarbeit gut läuft. Wir haben ein sehr breites Portfolio, was natürlich auch eine Challenge ist. Die Produkte sind sehr komplex und erklärungsbedürftig. Zu unseren Aufgaben im Marketing gehört es, im Vorfeld zu analysieren und zu schauen, wie wir die richtige Zielgruppe erreichen bzw. diese adressieren.

Kannst du mir euer Leadgenerierungskonzept etwas näher erläutern?

Für unsere Online-Marketing-Kampagnen setzen wir u. a. auf Google Ads und zielgruppenspezifischen Content, sodass die Interessentinnen und Interessenten über die Anzeigen auf eine entsprechende Landing Page gelangen und sich dort beispielsweise ein Whitepaper oder E-Book herunterladen können, das ihre aktuelle Herausforderung adressiert. Dafür hinterlassen sie ihre Kontaktdaten und starten die Customer Journey, in der sie verschiedene Touchpoints durchlaufen. Wenn sie bei einem Portfoliobereich mehrfach interagieren, werden sie an den Vertrieb übergeben, der die potenziellen Kunden kontaktiert und ihren  Bedarf genau analysiert.

„Wir erreichen mit unserer Strategie die gesamte Bandbreite an

Unternehmen, von klein bis ganz groß.“

Funktioniert eure Strategie gleichermaßen für kleinere und größere Unternehmen bzw. Kunden?

Wir erreichen mit unserer Strategie die gesamte Bandbreite an Unternehmen, von klein bis ganz groß.

Und wie verhält es sich mit preissensitiven Produkten? Gewinnt ihr potenzielle Kunden für hochpreisige Produkte oder Dienstleistungen auch ausschließlich digital?

Nicht ausschließlich. Veranstaltungen wie Messen oder Kongresse sowie Empfehlungen bzw. Referenzmarketing spielen hier auch eine wichtige Rolle. Doch insbesondere in unseren digitalen Marketingmaßnahmen gilt: Wir kommunizieren in unseren Kampagnen in der Regel keine konkreten Preise, sondern versuchen so viele standardisierte Produkte wie möglich einzubinden. Jeder Kunde hat individuelle Bedürfnisse und es ist mitunter eine wichtige Aufgabe des Vertriebs diese zu erkennen und das passende Lösungsportfolio anzubieten – insbesondere im B2B-Umfeld.

Dann bin ich ja beruhigt, dass der Mensch doch noch gebraucht wird (lacht). Wir sind bei MarketDialog für sehr viele IT-Unternehmen tätig. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass das Nachtelefonieren der Interessentinnen und Interessenten, die durch digitale Kampagnen gewonnen wurden, wertvolle Informationen liefert und damit die Abschlussquote steigert. Insbesondere bei sehr innovativen oder erklärungsbedürftigen Produkten, für die es noch keine hohe Nachfrage gibt, ist ein persönliches Gespräch sehr effizient.

Das Miteinanderreden fördere und fordere ich vor allem inhouse, wenn es um die Portfolio-Erweiterung geht. Das Portfolio Management möchte neue Produkte entwickeln und es kam schon vor, dass der Vertrieb der Meinung war, dass diese nicht gebraucht werden oder sich nicht verkaufen lassen. Klar prallen da auch mal Welten aufeinander. Da muss man erst einmal intern miteinander reden und wir vom Marketing hängen genau dazwischen.

„Der Vertrieb spiegelt uns wider, was Kunden wollen.

Uns zwei trennen altersmäßig 30 Jahre. Liegt es an meinem Alter, dass ich häufig das Gefühl habe, dass im digitalen Bereich alles immer komplexer wird? Ist das noch Anwenderfreundlich? Hinzu kommt der KI-Hype, der vor allem auf LinkedIn so fancy kommuniziert wird. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die meisten nur an der Oberfläche kratzen oder mit Halbwissen versuchen zu glänzen. Wie siehst du das?

Ja, ich gebe dir recht, es wird alles viel komplexer. Generell finde ich die Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und natürlich auch beim Thema KI vom Tempo und von den Möglichkeiten her erstaunlich. Wir haben ein sehr breites Portfolio und unser Portfolio Management sagte im letzten Jahr, dass wir im Bereich KI ebenfalls innovative Lösungen entwickeln werden. Natürlich reicht uns diese Aussage im Marketing zunächst nicht. Wie du schon gesagt hast: Wir brauchen einen Use Case zusätzlich zur neuen Produktidee und können damit dann arbeiten. Bevor wir dem Kunden nicht die Vorteile für ihn transparent herauskristallisieren können, brauchen wir mit Marketing gar nicht erst anfangen. Schon deshalb ist es essenziell, dass wir mit dem Portfolio Management und dem Vertrieb in regelmäßigem Austausch stehen. Der Vertrieb spiegelt uns wider, was Kunden wollen. Natürlich betreiben wir auch Market Research, um herauszufinden, wie der Markt sich entwickelt. Aber der Vertrieb kämpft sozusagen an der Front und bringt wertvolle O-Töne mit.

Klar, sie stehen in permanentem Dialog und bauen die Brücke zu Usern. Es kann schnell passieren, dass man am Kunden vorbei entwickelt und das kann richtig teuer werden.

Wissen, was Kunden wollen, ist essenziell, von ihnen bekommt man Informationen aus erster Hand.

Du sprichst von einem sehr breiten Portfolio. Handelt es sich dabei um sehr viele komplett unterschiedliche Produkte oder eher um Line Extensions bestehender? Kannst du etwas näher darauf eingehen?

Wir bieten alles von klassischen IT-Dienstleistungen bis zu hochspezialisierten Softwareprodukten. Groß geworden sind wir mit dem klassischen Systemhaus-Geschäft, wie man es früher nannte. Inzwischen haben wir uns natürlich weiterentwickelt im Bereich Cloud und Data Center sowie in den Bereichen Security und Remote Workplace, aber wir haben auch eigene Softwareprodukte im Portfolio. Auch bieten wir Competence Center mit spezifischen B2B-Branchenlösungen, wie zum Beispiel für Steuerberater*innen und Wirtschaftsprüferkanzleien, für den Bereich HealthCare oder für den öffentlichen Sektor, wo es um Regularien geht und spezialisierte Teams benötigt werden. Im Public Sector gewinnt man die Kunden über Ausschreibungen. Die Herausforderung im Marketing liegt darin, all diese Felder und die verantwortlichen Menschen zusammenzuführen.

Unterschiedliche Menschen zusammenzuführen ist eine große Herausforderung und anspruchsvolle Führungsaufgabe. Hast Du aktuell Wünsche?

Es ist mir sehr wichtig, dass sich im Team alle wohlfühlen und Spaß an der Arbeit haben.  Das Zwischenmenschliche werte ich als ausschlaggebend für den gemeinsamen Erfolg. Die letzten Monate war unglaublich viel los und das Team war mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Aber gut – wir arbeiten in der IT-Branche, die ist ständig in Bewegung.

Ich wünsche dir, deinem Team und netgo das Allerbeste und danke dir für dieses interessante Gespräch. Jetzt möchte ich nur noch wissen, welcher Song dich inspiriert oder motiviert, was ist dein Song für unsere Rocking Sales Playlist?

Mein Song ist Don’t Stop Believin’ – Journey. Herzlichen Dank für das tolle Gespräch.

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Simplifiziererin redet Klartext​

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Mein letzter Sales Rocker Gast im Jahr 2024 ist Alexandra Schrödel, Head of Marketing & Communication des Software- und IT-Unternehmens Copa-Data in Ottobrunn. Sie kennt das Unternehmen seit der Gründung von Copa-Data Deutschland im Jahr 1999 und ist seit über 25 Jahren in unterschiedlichen Funktionen für das Unternehmen tätig. Ihre Aufgabe besteht unter anderem darin, das hochkomplexe technische Produkt Zenon leicht verständlich zu kommunizieren.

Liebe Alexandra, bei uns regierte schon im ersten Kennenlerntelefonat die gegenseitige Sympathie. Wie schön, dass ich dich jetzt näher kennenlernen darf. Du hast Copa-Data bereits vor 25 Jahren kennengelernt, weil dein damaliger Ehemann, heute Ex-Mann, seither Geschäftsführer der Copa-Data Deutschland ist. Heute bist du für das Marketing und die Kommunikation für den deutschen Markt verantwortlich. Das heißt ihr arbeitet für das gleiche Unternehmen?

Ja, er ist mein Chef (lacht).

Ohhh, jetzt muss ich mitlachen. Eine bemerkenswerte Konstellation. Lass uns zu unverfänglicheren Themen übergehen (lacht). Wie landet eine Verlagskauffrau, diesen Beruf hattest du ursprünglich erlernt, als Marketingverantwortliche in der IT-Branche?

Ich komme aus einer kreativen Familie, mein Vater war Grafiker und ich hatte große Lust auch in einer Werbeagentur zu arbeiten, entschied mich dann aber zur Ausbildung zur Verlagskauffrau. Schon während dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich das Texten und Schreiben zwar sehr liebe, aber es reichte mir nicht. Ich wollte mit Kunden arbeiten und in die aktive Kommunikation einsteigen. Über die Jahre bin ich dann von der Redaktion ins Anzeigenmarketing gewechselt. Als ich meinen späteren Ehemann kennenlernte, zog ich der Liebe wegen nach München und war dort für Publikumszeitschriften im Mediageschäft sehr erfolgreich in Führungsposition tätig.

Und dann bist du deinem Mann zu Copa-Data gefolgt.

Ja das war sehr spannend. Es fühlte sich wie Pionierarbeit an und ich habe in unterschiedlichen Funktionen für das Unternehmen gearbeitet. Damals wurde mein heutiger Ex-Mann Geschäftsführer. Das hat mir ermöglicht von Anfang an nah dabei zu sein, zu sehen, wie das Unternehmen wächst, wie Strukturen entstehen und sich Märkte entwickeln. Neben meiner Freelancer Tätigkeit für Copa-Data habe ich zahlreiche KMUs in den Bereichen Marketing- und Social Media beraten. Die Summe dieser Erfahrungen und Einblicke ist ein großartiges Fundament für meine heutige Rolle als Marketingverantwortliche.  Seit ein paar Jahren bin ich nun Vollzeit in meiner heutigen Position dabei.

Copa-Data ist ein im Jahr 1987 in Salzburg gegründetes Unternehmen. In wie vielen Ländern außer in Österreich und Deutschland ist Copa-Data noch tätig und wie viele Mitarbeiter seid ihr in Deutschland?

Insgesamt sind wir weltweit 14 Tochtergesellschaften mit über 500 Mitarbeitern. In Deutschland haben wir drei Standorte in Ottobrunn, Köln und Ludwigshafen mit insgesamt 42 Mitarbeitern.

Welche konkreten Produkte bietet Copa-Data an?

Wir haben ein Kernprodukt, das ist die Softwareplattform Zenon. Ein Produkt, das branchenübergreifend genutzt wird: in der Automobilproduktion, in der Energieinfrastruktur, der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, wie im Bau- und Facilitymanagement. Die Herausforderung liegt darin, ein derart komplexes technisches Produkt für unterschiedliche Zielgruppen und Anwendungsmöglichkeiten verständlich und ansprechend zu kommunizieren. Jede Branche hat ihre eigenen Besonderheiten und unsere Aufgabe ist es, diese zu verstehen und unsere Lösung adäquat auszuarbeiten, anzupassen und zu präsentieren. Es gibt immer wieder Neues zu lernen, neue Trends sowie neue Technologien.

Zenon ist sehr komplex und kann unglaublich viel, von der Steuerung und Überwachung von Produktionsprozessen bis hin zur Energieoptimierung in Gebäuden. Wir müssen uns immer wieder fragen: Wie bringen wir diese Komplexität so rüber, dass sie verständlich wird – ohne dabei zu oberflächlich zu sein? Es erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Vertrieb und Technik.

„Die interne Kommunikation sorgt dafür, dass drei Standorte in 

Deutschland mit 42 Mitarbeitern gut vernetzt sind.“

Erzähle mir bitte etwas mehr über die Herausforderungen in deiner Position.

Zum einen ist da die interne Kommunikation – wir haben drei Standorte in Deutschland und insgesamt 42 Mitarbeiter, die gut vernetzt sein müssen. Zum anderen liegt eine große Herausforderung in der B2B-Kommunikation. Unsere Software ist technisch komplex, und es erfordert viel Fingerspitzengefühl, diese Komplexität so herunterzubrechen, dass sie auch für Entscheider verständlich wird, die nicht aus der Technik kommen.

Wie wirst du dem Anspruch an die interne Vernetzung gerecht?

Gerade bei unserer geografischen Verteilung ist es wichtig, klare Strukturen und Prozesse für die interne Kommunikation zu schaffen. Wir arbeiten viel mit digitalen Tools, aber ich bin ein großer Fan von persönlichen Gesprächen und kurzen Wegen. Deshalb bin ich auch lieber im Büro als im Homeoffice.

Das ist interessant, denn viele schätzen das Homeoffice sehr. Was gefällt dir am Büroalltag?

Der direkte Austausch. Im Büro kannst du spontan mit Kollegen sprechen, Ideen diskutieren oder einfach mal gemeinsam einen Kaffee trinken. Diese informellen Gespräche sind oft unglaublich produktiv. Während der Corona-Zeit war Homeoffice natürlich notwendig, aber ich habe gemerkt, dass ich den persönlichen Kontakt zu meinen Kollegen sehr vermisst habe.

„Wir entwickeln maßgeschneiderte Inhalte, die auf die Bedürfnisse 

der jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten sind.“

Wie sieht es mit der externen Kommunikation aus? Wie schaffst du es, so viele unterschiedliche Branchen und Zielgruppen zu bedienen?

Hier kommt der Marketing-Mix ins Spiel. Wir sprechen unsere Zielgruppe über verschiedene Kanäle wie beispielsweise E-Mail-Marketing an. Linkedin ist ebenso ein wichtiger Kanal in der Ansprache unserer Ansprechpartner.  Instagram nutzen wir für Employer Branding.  Wir entwickeln maßgeschneiderte Inhalte, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten sind, zum Beispiel Webinare aber auch E-Books und White Paper. Die klassische PR nutzen wir, um Pressemeldungen, Fachbeiträge und Anwenderberichte zu platzieren. Die Teilnahme als Aussteller auf Messen ermöglicht es uns, mit Interessenten und Kunden persönlich ins Gespräch zu kommen. Essenziell ist, die Kunden wirklich zu verstehen: Wo liegen ihre Herausforderungen, und wie können wir ihnen mit unserer Software eine Lösung bieten?

Wie sieht es mit der Zusammenarbeit zwischen Marketing und Vertrieb aus? Läuft das immer reibungslos?

Nein, natürlich nicht (lacht). Aber es ist viel besser geworden. Früher wurde Marketing oft nur als „Support-Abteilung“ gesehen. Der Vertrieb sagte uns, was gebraucht wird, und wir haben geliefert. Heute verstehen immer mehr Vertriebler, dass Marketing ein strategischer Partner sein sollte. Wir arbeiten enger zusammen, tauschen uns regelmäßig aus, und es gibt auch mehr Verständnis dafür, wie viel Arbeit in unseren Projekten steckt. Trotzdem wünsche ich mir manchmal noch mehr Input aus dem Vertrieb, um noch besser zu wissen, wie wir sie unterstützen können.

„Ein Highlight war unsere Kampagne zur SPS – Messe in Nürnberg. 

Die Organisation war eine Mammutaufgabe“

Gibt es ein Beispiel für ein besonders gelungenes Projekt, das ihr gemeinsam umgesetzt habt?

Ein Highlight war sicherlich unsere Kampagne zur SPS-Messe in Nürnberg. Die Organisation war eine Mammutaufgabe – von der Planung des Messestands über die Einladung von Kunden bis hin zur Nachbereitung. Aber es hat sich gelohnt. Wir hatten großartige Gespräche, viel positives Feedback und konnten einige spannende Leads generieren. Das zeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen Vertrieb und Marketing ist.

Vor deiner Festanstellung bei Copa-Data hast du viele Projekte selbständig im Bereich Social Media, Content Erstellung und kreativem Schreiben betreut. Schreibst du noch viel selbst?

Leider immer weniger. Früher habe ich auch Blogbeiträge geschrieben, sowohl für Copa-Data als auch andere Kunden und selbstverständlich auch für meinen eigenen Blog. Heute übernehme ich mehr koordinierende Aufgaben und lasse Texte oft von unserer PR-Agentur erstellen. Aber ich liebe es nach wie vor, kreative Projekte umzusetzen – sei es ein Newsletter, ein Mailing oder eine Kampagne. Was immer unterschätzt wird ist der Zeitaufwand, der nötig ist, um anspruchsvollen Content zu erstellen. Du brauchst Zeit für die Recherche, das Schreiben, die Überarbeitung, das Lektorieren. Diese Zeit habe ich nicht mehr, was ich bedaure.

Wo siehst du Copa-Data in den nächsten Jahren?

Wir wachsen schnell, sowohl in Deutschland als auch international. Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren noch stärker im Bereich Nachhaltigkeit und Digitalisierung wachsen werden. Unsere Software bietet viele Möglichkeiten, Prozesse effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten, und das wird in Zukunft immer wichtiger.

Gibt es berufliche Ziele, die du noch erreichen möchtest?

Ich bin grundsätzlich angekommen, aber ich würde gerne noch stärker im Bereich Employer-Branding arbeiten. Employer-Branding geht weit über Marketing hinaus. Es ist eine Gelegenheit, die Unternehmenskultur aktiv mitzugestalten und Menschen für unser Unternehmen zu begeistern. Gerade in einer dezentralen Organisation wie unserer ist es essenziell, ein starkes Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Ich finde es unglaublich bereichernd, Teil dieses Prozesses zu sein. Die Entwicklung von Menschen und die Förderung einer positiven Unternehmenskultur sind Themen, die mir sehr am Herzen liegen. Außerdem könnte ich mir vorstellen, irgendwann mehr im Bereich Coaching oder Mitarbeiterentwicklung zu machen. Menschen zu fördern und ihnen zu helfen, ihr Potenzial zu entfalten, ist etwas, das mich sehr erfüllt.

Vielen Dank, liebe Alexandra, für das inspirierende Gespräch! Jetzt brauche ich zum Abschluss noch einen Song von dir für unsere Rocking Sales Playlist.

Bei der Musik wird’s schwierig, da es zu viele Titel gibt, die ich sehr mag. Ich entscheide mich für Robbie Williams „The 80`s“, da ich 1970 geboren und in den 80ern aufgewachsen bin.

Danke dir für die Einladung Hermina.

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IT mit Human Touch​

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Eigentlich ist Dr. Jörg Stein promovierter Chemiker. Da das Timing für die Ausübung seines Berufs mangels Nachfrage nach Chemikern schlecht war, machte er kurzerhand eine 180 Grad Wende und startete seine unkonventionelle Karriere statt im Labor als Werkstudent bei Siemens in der Geschäftssparte Kommunikation. Seit sieben Jahren ist Jörg Stein beim Weltkonzern Atos beschäftigt und seit März 2023 verantwortlich in der Atos Tech Foundations als Head of Atos German Markets und Senior Vice President.

Lieber Jörg, ich freue mich sehr, dass du Zeit für unser Gespräch gefunden hast. Ich möchte alles über dich wissen, fühle dich somit bitte frei und fange am besten an, mir von deiner frühen Jugend oder Schulzeit zu erzählen. Was wolltest du mal werden?

Mein Lebenslauf ist unkonventionell und von vielen Zufällen geprägt. Während Gleichaltrige von Berufen wie Pilot oder Raumfahrer träumten, liebäugelte ich mit dem Beruf des Försters. Ich kann heute gar nicht mehr erklären, warum das so war, aber vielleicht gab es schon damals die Liebe zur Natur, die letztendlich dazu geführt hat, dass ich heute in Nordhessen, in einer ruhigen Ecke mit viel Wald und wenig Mensch lebe. (lacht).

Nach dem Abitur fragte ich mich, was mich wirklich interessiert. Um es gleich mal vorwegzunehmen, weil die Vermutung naheliegen könnte, es war weder IT noch Betriebswirtschaft. Ich liebte Chemie und entschied, dieses Fach zu studieren. 1995 habe ich promoviert und war bereit für eine großartige Karriere als Chemiker und war überzeugt, dass die Welt da draußen auf mich warten würde. Nun, leider war dem nicht so, denn es herrschte gerade eine sehr geringe Nachfrage nach Chemikern. Folglich gab es nur zwei Möglichkeiten: auf einer Position als Chemiker zu beharren und gegebenenfalls ewig auf einen Job zu warten oder mich zu öffnen für andere Möglichkeiten.

So bin ich auf Siemens aufmerksam geworden. Sie boten eine Stelle an als Praktikant oder Werkstudent. Als promovierte Fachkraft bin ich ein paar Schritte zurückgegangen und habe diese Stelle angenommen, weil sie interessant klang und ich bereit war loszulegen. Ich landete in der Geschäftssparte Kommunikation bei Siemens in Frankfurt und fand es sehr spannend. Damals liefen die meisten Kollegen mit Anzug und Krawatte herum und als junger Mann begegnete ich allen mit Hochachtung.

„Bei meiner Diplom- und Doktorarbeit habe ich die Grafiken 

noch alle ausgeschnitten und per Hand eingeklebt.“

Das war noch unter Heinrich von Pierer, nicht wahr?

Ja. Zu dieser Zeit war Heinrich von Pierer noch aktiv. Ich bin in die Siemens Kommunikationssparte hineingerutscht und bin dann bei der Siemens Sparte Enterprise Networks Private Netze, dem Call Center-Business, gelandet. Das war unglaublich spannend, das Geschäft ging durch die Decke und das Team wuchs rapide. Ich war Applikationsspezialist, dann Portfoliomanager und schließlich Business Development Manager. Die Ereignisse und Entwicklungen überschlugen sich 1997 förmlich.

Im nächsten Schritt bin ich als Business Development Manager ins Stammhaus nach München gegangen. Damals bauten wir das Customer-Relationship-Management auf. Wenn man heute den jungen Menschen erzählt, dass wir das alles ohne Laptops und Computertechnologien, wie wir sie heute kennen, entwickelt haben, können sie sich das gar nicht vorstellen. Bei meiner Diplom- und Doktorarbeit habe ich die Grafiken noch alle ausgeschnitten und per Hand eingeklebt. (lacht).

An diese alten Zeiten erinnere ich mich ebenfalls sehr gut. Spannende Geschichte, lieber Jörg. Du scheinst einen rasanten Aufstieg hingelegt zu haben. Als Doktor der Chemie in einem fremden Umfeld so erfolgreich durchzustarten, war sicherlich herausfordernd.

Ich habe bei Siemens mehrere Abteilungen erfolgreich durchlaufen und habe alles von der Pike auf gelernt. Nach sechs Jahren fragte ich mich, wie es für mich beruflich weitergehen könnte. Mehrere Einflüsse haben mich bewogen, zu einem mittelständischen Unternehmen, mit dem Standort in Aachen zu wechseln. Nach Frankfurt und München, hatte ich einen Arbeitgeber in Aachen. Das war ein Wechsel mit großer Veränderung. Wobei ich erwähnen muss, dass ich meinen Lebensmittelpunkt immer behalten habe. Egal wo ich beruflich tätig war oder bin, mein Zuhause ist in der Nähe meiner Heimat. Dort habe ich ein Haus gebaut und das ist mein Ort, an dem ich die Hektik des Geschäftslebens ablegen und Energie tanken kann. Das ist sehr wichtig und wird von vielen immer noch unterschätzt.

„Meine Karriere war nicht durchgeplant, sie hat sich entwickelt.“

Nach welchen Jobs hattest du gesucht und als was hattest du dich beworben, nachdem du so viele unterschiedliche Stationen bei Siemens durchlaufen hattest?

Ich habe mich nicht beworben, ich bin über einen Zufall und eine Empfehlung zu meiner neuen Position gekommen. Meine Karriere war nicht durchgeplant, sie hat sich entwickelt. So bin ich bei einem Softwareentwicklungsunternehmen in Aachen gelandet, wo ich eine sehr spannende, aber auch sehr anstrengende Zeit verlebte. Für dieses Unternehmen habe ich den Service international aufgebaut, neben Deutschland, in Italien, Spanien und Frankreich. Ich hatte gerade ein Haus gebaut, meine Tochter war zu der Zeit erst zwei Jahre alt und ich war kaum zu Hause. Wenn du am Sonntag weißt, dass du am Montag in den Flieger steigst und nach Frankreich fliegst, von dort nach Italien und dann nach Spanien, um im best case ab Freitagabend mit meiner Frau und Tochter zwei Tage zu Hause zu sein, ist das nicht immer einfach. 

Aber der Job war wirklich spannend und ich war ja auch noch jung. Diese Erfahrung möchte ich auf keinen Fall missen, denn ich war in den verschiedenen Ländern als Mitarbeiter tätig, was meine interkulturelle Kompetenz enorm gefördert hat. Sechseinhalb Jahre, bis 2009, war ich bei diesem Unternehmen. Dann kam wieder der Zufall ins Spiel (lacht).

Jetzt bin ich gespannt!

Ein Aufsichtsrat Mitglied unseres Unternehmens war ein Serviceleiter bei Siemens. Ich begegnete ihm auf unserer Hauptversammlung. Wir kannten uns vom Sehen aus der Vergangenheit, hatten vielleicht mal ein paar Worte in der Vergangenheit gewechselt. Er kam auf mich zu und sprach mich direkt an, ob ich nicht wieder zurück wollte zu Siemens. Es waren der passende Zeitpunkt und das passende Angebot. Ich ging zurück in die Kommunikationssparte von Siemens. Dort habe ich zunächst mehrere Teams geleitet im Bereich Professional Services und bekam dann die Verantwortung für Teile der Siemens Enterprise Communications, später Unify. Vielleicht kennst du die Firma noch dem Namen nach.

„Ich kam mit ca. 800 Mitarbeitern in ein komplett neues Unternehmen,

 in dem wir zunächst als Fremdkörper wahrgenommen wurden.“

Ja, Unify sagt mir etwas.

Unify ging 2017 mit Atos zusammen und ich habe den Prozess begleitet und habe quasi die Unify in die Atos integriert. Das war mein spannendster Job. Ich kam mit ca. 800 Mitarbeitern in ein komplett neues Unternehmen, in dem wir zunächst als Fremdkörper wahrgenommen wurden.

Wie viele Mitarbeiter hatte Atos zu dieser Zeit?

Es waren über 10.000 Mitarbeiter in Deutschland.

Wo lagen die größten Herausforderungen bei der Integration?

Für mich persönlich war es zunächst die Verantwortung. 800 Mitarbeiter haben sich auf mich verlassen, dass die Integration funktioniert. Es hat sich alles viel länger gezogen als ursprünglich angenommen, was verständlich ist. Auf der einen Seite stand Atos, der Großkonzern, und auf der anderen Seite Unify, das Unternehmen, das bereits mehrere Restrukturierungen hinter sich hatte. Unify Mitarbeiter standen ehrfurchtvoll vor Atos. Es brauchte von beiden Seiten viel Überzeugungsarbeit bei der Zusammenführung. Es gab, um nur ein Beispiel zu nennen, neue Portfolio Elemente und die Fragen wie integrieren wir diese in den Atos Vertrieb standen im Raum. Im Wechsel mit meinem Kollegen teilte ich mir für zwei Jahre die CEO-Position. Nach diesen zwei Jahren hatte ich große Lust, Atos richtig kennenzulernen.

Welcher Zufall war es dieses Mal? (lacht)

Zu dem Zeitpunkt kam man auf mich zu und bezog sich auf das frühere Leben des Chemikers Jörg Stein und vertraute mir die Branche Healthcare & Lifescience an, also das Pharmageschäft und das Health-Care Business.

„Mit dieser neuen Position bei Atos schien sich der Kreis zu schließen.“

Wow! Finally kam dein Studium doch noch ins Spiel oder zumindest zum Teil.

Ja, der Kreis schien sich ein bisschen zu schließen. Ich hatte zwei Positionen inne, die neue Position für Zentraleuropa plus Unify nach wie vor. In dieser Aufgabe haben wir das Geschäft in 14 Ländern betreut. Natürlich DACH als Hauptregion, aber darunter waren auch die Schweiz, Israel, Rumänien, Bulgarien, Polen und Tschechien. Es waren superspannende Begegnungen und Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Dort bin ich auch heute noch Branchenverantwortlicher, obwohl wir uns in einer neuen Aufstellung befinden.

Was genau waren oder sind deine Aufgaben in dem beschriebenen Bereich?

Wir betreuten sechs Industrien innerhalb der Atos. Eine ist Healthcare & Life Science. Für diese war ich gesamtverantwortlich. Von Go to Market über die Fragen: Wie wollen wir in den Markt hineingehen, mit welchem Portfolio wollen wir starten bis zu, wie überzeuge ich Kunden, dass ich der Beste bin im Markt für ihr Geschäft. Es ging von Sales bis hin zur Serviceverantwortung.

Das stelle ich mir sehr herausfordernd vor, allein die unterschiedlichen Kulturen und jedes Land hatte sicherlich einen anderen Status Quo.

Es war sehr herausfordernd, aber meine Erfahrung in Aachen hat mir sehr geholfen. In Frankreich, Italien und Spanien hatte ich bereits berufliche Erfahrung gesammelt. Ich war auch ein Jahr Geschäftsführer bei der Cycos AG in Madrid. Ich stelle mich schnell auf neue Begebenheiten und Themen ein.

Bei unterschiedlichen Kulturen muss ich mich natürlich anpassen. Der Deutsche ist ja recht direkt und in vielen Fällen eher einfach aufgestellt. Wenn ich in der Schweiz bin, muss ich etwas vorsichtiger sein, denn dort sollte man nicht zu direkt oder forsch auftreten. Man kommuniziert schließlich auf CEO- oder CTO-Ebene. In Österreich ist es wieder anders. hier redet man mehr und die Anbahnung dauert etwas länger. In Ländern wie Polen, Tschechien, Rumänien und Bulgarien machte es Sinn, lokale Kollegen einzubinden. 

Es war für mich teilweise ein neues Geschäft und aufregend, weil wir mit großen Pharmafirmen, die dir sicherlich bekannt sind, Business gemacht haben und weiterhin machen. Auf jeden Fall war es eine sehr schöne Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte. Unify ist aus der Atos an Mitel übergegangenen und seit letztem Jahr im März bin ich verantwortlich für die Kunden der Atos Tech Foundation in Deutschland über alle Industrien und Branchen hinweg.

„Meine Karriere ist nicht immer gerade verlaufen, aber auf 

ungeraden Wegen lernt man sehr viel mehr. “

Glückwunsch, lieber Jörg. Eine schöne Karriere.

Meine Karriere ist nicht immer gerade verlaufen, aber man lernt auf ungeraden Wegen sehr viel mehr. Wenn alles gerade funktioniert, wird es ja schon fast langweilig. Und irgendwie war immer der Zufall mein Begleiter und Menschen, an denen ich mich orientieren konnte.

Als Außenstehende sehe ich es weniger als Zufall. Ich würde deine Geschichte eher so interpretieren, dass dir Chancen geboten wurden und du sie ohne langes Zögern mehrfach ergriffen hast.

Ja, das stimmt schon. Es gehört auch Mut dazu, die gebotenen Chancen zu nutzen und sich immer wieder auf Neues einzulassen. Andererseits passt dies auch zu meinem Naturell. Ich würde mich langweilen, wenn ich zehn Jahre den gleichen Job machen würde. Das Salz in der Suppe ist immer die Veränderung, auch wenn im Grunde genommen die Basis des Jobs immer gleich ist. Es geht um Kunden, Zahlen und um das Ergebnis.

Liegt in deiner Aussage nicht ein Widerspruch?

Nein, denn es gibt unzählige Facetten, diese Ziele zu erreichen. Ich finde den Dialog mit den Kunden spannend, weil ich Menschen sehr spannend finde, da sie alle unterschiedlich ticken. Darauf musst du dich einlassen. Dann gibt es noch Unterschiede in den jeweiligen Branchen. Bei Finance geht es meistens immer noch etwas formeller zu als bei der Industrie. Genauso spannend sind Kollegen und unsere Beziehungen untereinander. Diese so aufzubauen, dass man einander vertraut und sich aufeinander verlassen kann, das ist eine große Herausforderung, die sich lohnt, weil sie Zufriedenheit schenkt und einem jeden Tag zeigt, wofür man das alles macht. Ich kann mich auf meine Kollegen zu 100 % verlassen, und das ist ein sehr gutes Gefühl und essenziell für unser Handeln nach außen.

„Natürlich führen die Presseberichte über unsere Lage 

bei Kunden zu Verunsicherungen.“

Wie begegnen euch Kunden angesichts der Presseberichte über die finanziellen Herausforderungen von Atos? Wie treu sind Kunden vor solch einem Hintergrund und wie geht ihr mit dieser Problematik um?

Atos hat ein langfristig angelegtes Geschäftsmodell. Unser Service Approach basiert auf langfristigen Partnerschaften mit unseren Kunden. Wir haben die Aufgabe, Qualität sicherzustellen und Service zu liefern. Das machen wir sehr fair und sehr gut und dafür wertschätzen uns unsere Kunden.

Es ist auch Teil meiner Aufgabe, mit den Kunden zu kommunizieren und ihnen die Entwicklung von Atos zu erklären. In den Gesprächen gilt es, menschlich und ehrlich zu agieren. Es ist wichtig, diese Art der Unterhaltung mit den Kunden proaktiv zu suchen. Am Ende des Tages verkauft man immer mit seiner Persönlichkeit und seiner Glaubwürdigkeit.

Die meisten schätzen meine direkte Ansprache und bringen es auch zum Ausdruck, indem sie sich für meine Offenheit bedanken. Mit diesen Kunden fühlt es sich an, als würde die Beziehung gestärkt werden durch den Zusammenhalt in herausfordernden Situationen. Ja, als würde man enger zusammenrücken. Wir rufen uns auch mal außerhalb der Themen unserer Zusammenarbeit zum Austausch an, und das schätze ich sehr.

Ich finde den menschlichen Ansatz nicht nur gut, sondern sehe ihn als einzig validen.

Du hast es gerade richtig gesagt, dass die Menschlichkeit eine bedeutende Rolle im Vertrieb spielt. Wenn ich da an früher denke, kann ich verstehen, dass Vertrieb in der Vergangenheit ein eher negatives Image hatte. Ich habe den smarten Vertriebsmann vor Augen, der den schnellen Deal macht und verbrannte Erde hinterlässt. Die gab es wirklich (lacht). Das funktioniert in unserem Geschäft nicht mehr. Es geht um das gemeinsame Erarbeiten von langfristigen Lösungen.

Atos ist eines der führenden IT-Unternehmen in Europa und auch weltweit hoch im Ranking. Bei unserer Größenordnung kommt man leicht in die Situation, sich auf die ganz großen Kunden zu fokussieren. Das ist jedoch ein Geschäft, das sehr stark vom Wettbewerb geprägt ist. Wenn es eine Ausschreibung im dreistelligen Millionenbereich gibt, dann stürzen sich alle darauf. Die Angebote laufen über Portale und es spielt sich alles sehr anonym ab. Dieses Geschäft ist auch wichtig und selbstverständlich müssen wir es machen. Wenn wir in die Zukunft schauen, insbesondere in Deutschland, dann ist und bleibt aber der Mittelstand die tragende Säule.

„Wir geben unserem Vertrieb jetzt ein regionales Gesicht.“

Wie definiert Atos den Mittelstand in Deutschland und welche neuen Konzepte habt ihr für die Zukunft von Atos Deutschland?

Ein neuer Fokus wird auf dem Mittelstand liegen. Wir definieren den Mittelstand nicht über Umsatzgrößen. Es geht darum, wie Unternehmen geführt werden. Wir möchten Unternehmen ansprechen, in denen die Geschäftsführung, der Inhaber oder der CEO, seit Jahren dieses Unternehmen aufgebaut haben. Für diese Menschen geben wir unserem Vertrieb ein regionales Gesicht. Wir möchten damit Vertrauen aufbauen.

Wie wollt ihr das umsetzen?

Wir gehen in eine regionale Vertriebsaufstellung und haben Deutschland geografisch in acht Regionen aufgeteilt. Im zweiten Schritt schauen wir, welche unserer Kollegen in diesen Regionen sitzen, bzw. dort beheimatet sind. Dazu bilden wir Sales-Squads, die aus einem Team aus regionalem Sales-Mitarbeitern/-innen, Service-Kollegen/-innen, Account Executives und weiteren After-Sales-Kollegen/Kolleginnen bestehen, die über die gesamte Vertragslaufzeit die Komplettverantwortung für den Kunden übernehmen. Für den zukünftigen Kunden hat dies den Vorteil, dass die Durchgängigkeit in der Betreuung vom ersten Tag gewährleistet wird.

Für dieses neue Konzept betreiben wir auch viel Verbandsarbeit und arbeiten eng mit den regionalen Industrie- und Handelskammern zusammen. Über alle relevanten Kanäle bauen wir eine ausgewogene Marktstrategie aus.

„Es gibt in jeder Beziehung gute und schlechte Zeiten. 

Die guten muss man feiern und in den schlechten muss man zusammenstehen, 

und das geht per Videokonferenz nicht so gut.“

Wenn euch die Realisierung dieses Konzepts gelingt, erschließt ihr euch einen großen Wettbewerbsvorteil aus meiner Sicht. Ich bin begeistert, denn ich höre von mittelständischen Unternehmen vermehrt, dass sie sich den zunehmenden technologischen Anforderungen ausgeliefert fühlen und den Service im After Sales beanstanden. Ihnen werden Lösungen verkauft, die sie im Nachgang ohne Support nicht handeln können.

Das ist genau das, was wir spüren. Nehmen wir z. B. Unternehmen des Mittelstands mit 1.000 bis 3.000 Mitarbeitern. Wie groß ist ihr IT-Department bei dieser Größenordnung? Wie begegnen diese Unternehmen der Herausforderung der gesamten Regulatorik bei Themen wie Datenschutz, Cyber-Security, ESR-Umweltschutz, Dekarbonisierung – das ist doch Wahnsinn, womit sie sich alles herumschlagen müssen. Diese Themen sind nicht simpel. Insofern macht es überhaupt keinen Sinn, einem Kunden ein Operations Security Center zu verkaufen, um ihn anschließend damit allein zu lassen. Mit diesen halben Lösungen ist niemandem geholfen. Der Kunde/die Kundin benötigt eine ganzheitliche Beratung und einen Service-Partner, der langfristig mit der notwendigen Kompetenz an der Seite der Unternehmen steht.

Der Mensch kann mit dem Tempo der technologischen Entwicklungen kaum mithalten, obwohl die meisten es sicherlich möchten. Die gebotenen Möglichkeiten werden nur zum Bruchteil angewandt, weil man sie nicht alle kennt. So erlebe ich es in meinem Umfeld und Netzwerk. Jemand zur Seite zu haben, der diesbezüglich in der Anwendung unterstützt, ist aus meiner Sicht sehr wertvoll. Letztendlich werden diese technischen Möglichkeiten ja für Menschen, die sie anwenden, entwickelt. Das sollte immer im Vordergrund stehen.

Ja, der Mensch muss absolut im Vordergrund stehen. Es gibt den Ausdruck menscheln und das muss es auch im Geschäft. Ich mache morgen persönliche Kundenbesuche in Norddeutschland, weil mir das sehr wichtig ist. Man kann viel über Teams machen und das ist hilfreich, es fehlt aber dieses Gefühl, im Raum zu sein, zu spüren, wie das Gegenüber tickt, zu erahnen und reagieren zu können, wenn es Fragen oder gar ein Missverständnis gibt. Persönlich über ein Problem zu sprechen und sich dabei in die Augen zu schauen oder auch auf Erfolg anzustoßen, dafür gibt es noch keine Alternativen. Es gibt in jeder Beziehung gute und schlechte Zeiten. Die guten muss man feiern und in den schlechten muss man zusammenstehen, und das geht per Videokonferenz nicht so gut. Sie wird nie echte persönliche Treffen ersetzen können.

Was für ein schönes Schlussplädoyer für Menschlichkeit, lieber Jörg. Ich habe viel gelernt in unserem Gespräch und freue mich, aus erster Hand Vieles über Atos und über dich erfahren zu haben. Vielen Dank für deine offene Art, es hat mir viel Freude bereitet.

Auch vielen Dank von meiner Seite für Deine Offenheit und das sehr angenehme und kurzweilige Gespräch.

Zum Abschluss habe ich noch eine letzte Frage: Zu welchem Song rockst du am liebsten?

Mein liebster Song dafür ist «Rehab» von Amy Winehouse.

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Der Tausendsassa im Sales

Der Tausendsassa im Sales

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Tom Finks Vita liest sich wie eine Berg- und Talbahnfahrt. Die Konstante im Leben des Marketing Direktors der Quantum Digital AG in der Schweiz sind seine Neugierde und sein steter Drang Neues zu lernen. Wen wundert es, dass er dabei auch das Scheitern von der Pike auf kennengelernt hat, denn nur wer nichts wagt, steht auf der sicheren Seite im Leben.

Lieber Tom, Grüezi in die Schweiz und ganz herzlich Willkommen bei Rocking Sales. Du liebst es zu lernen, hast du mir im Vorgespräch gesagt. Erzähle uns bitte Beispiele dazu.

Ich wollte als fünfjähriger lesen lernen und habe meine Mutter gebeten, es mir beizubringen. Sie stimmte zu und begann zunächst das Alphabet mit mir zu lernen. Ich wollte aber so schnell wie möglich lesen können. Also habe ich mit dem Buchstaben A begonnen und habe diesen in Zeitungsartikeln gesucht und ausgesprochen. Das Gleiche habe ich mit dem B wiederholt. Nach ein paar Tagen und weiteren Buchstaben trat der Beschleunigungseffekt ein und nach vierzehn Tagen konnte ich lesen. Selbst wenn ich wirklich jeden Tag nur einen Buchstaben genommen hätte, hätte ich mir nach maximal 26 Tagen selbst das Lesen beigebracht. 

Wie war es für dich im Kindergarten und in der Schule, wenn du so weit voraus warst im Vergleich zu deinen Mitschülern?

Ich konnte meinen Mitschülern im Kindergarten bereits Bücher vorlesen. In der Schule war es für mich langweilig, denn einen großen Teil des Schulstoffs der ersten Schuljahre kannte ich bereits. Ich hatte immer gute Noten, denn das Auswendiglernen ist mir nicht schwergefallen. So habe ich mich durch die Schulzeit gemogelt.

Hattest du einen Berufswunsch?

Insgeheim wollte ich immer Raketen und Mondlandefähren bauen. Als Berufsberater in unsere Schule kamen, sollten es zumindest Flugzeuge sein. „Das können sie in der Schweiz nicht,“ war ihre Antwort. Das war mir auch klar, aber ich wollte nach Toulouse in Frankreich zu Airbus oder in die USA nach Washington zu Boeing. Mein Vater war Anfang der 60er Jahre Austauschschüler in den USA gewesen und hat sogar in seiner Jugend John F. Kennedy die Hand geschüttelt. Das fand ich beeindruckend. Vielleicht von ihm inspiriert, wollte ich ebenfalls ein Jahr in den USA verbringen. Dann kann ich sehr gut Englisch lernen und bin vorbereitet für meinen zukünftigen Job bei Boeing, dachte ich mir.

Wohin ging es in die USA?

In the middle of nowhere in Nebraska. Das hat mit dem pulsierenden Leben von der Ost- oder Westküste oder auch Texas nichts zu tun. Der Vater meiner Gastgeberfamilie sagte zu mir: Thomas, this is not the end of the world, but you can see it from here (lacht), hier ist nicht das Ende der Welt, aber du kannst es von hier sehen, bedeutet das.

Wie hast du dein Auslandsjahr in Nebraska erlebt?

Es war eine großartige Zeit. Ich konnte Kurse wählen und habe in der Marching Band mitgemacht und im Chor mitgesungen, Chemie und einen Debate Kurs gewählt, in dem Debattieren nach altem Muster gelehrt wurde. Das war eine prägende Erfahrung. Vom Chor wurde ein Musical veranstaltet und ich habe mich sofort für eine Rolle beworben. Nach meinem Vorsingen haben sie sich gegen mich entschieden und ich war sehr enttäuscht. „Thomas, du hast Talent, aber im Vergleich zu anderen reicht es nicht.“ Es war alles leistungsbezogen und nur, wer die beste Performance im Casting lieferte, wurde genommen. Aber schlussendlich habe ich doch noch eine Rolle für einen Zweizeiler ergattert, weil mein ausländischer Akzent gewünscht war.

Auch für eine Rolle in einem Theaterstück habe ich vorgesprochen und wieder wurde ich nicht genommen und war riesig enttäuscht. Auch in diesem Fall habe ich andere Aufgabe angeboten bekommen, nämlich für das Licht verantwortlich zu sein. Ich war glücklich wenigstens in irgendeiner Form dabei sein zu können.

Zurück in der Schweiz war ich 27 Jahren im Vorstand unseres Theaters Einhorn hier vor Ort, davon 12 Jahre als Präsident. Ich habe das Theater immer geliebt.

Im Austauschjahr habe ich festgestellt, dass die Kommunikation meine Stärke ist. Ich lerne sehr schnell Sprachen, sogar Dialekte und ich bin wie du auch, immer neugierig auf Menschen.

Was hast du aus dieser Erkenntnis gemacht?

Nach dem Militärdienst habe ich mich an der Universität eingeschrieben. Aber da habe ich mich mehr schlecht als recht durchgekämpft, auch weil ich mehr Party und Frauen im Kopf hatte. Ich habe das Studium abgebrochen und wollte arbeiten. Ich wusste nicht, was ich wollte, sondern nur, dass ich Geld verdienen wollte und musste. Ich bekam eine Stelle bei einer Bank im Backoffice für Edelmetalle, Platin, Gold und Silber. Viel verdient habe ich dort zwar nicht, aber dafür hatte ich viel Freizeit, die ich in Zürich am See verbringen konnte.

„Nach anderthalb Jahren war klar, dass ich diese geschauspielerte,

 akademisierte Pseudo Intellektualität nicht ertrug.“

Chilliges Leben würde man heute dazu sagen (lacht).

Stimmt, ich habe es genossen. Dann habe ich mir einen Ruck gegeben und doch ein Wirtschaftsstudium begonnen. Nach anderthalb Jahren war klar, dass ich diese geschauspielerte, akademisierte Pseudo Intellektualität nicht ertrug. Ich war eher praktisch orientiert und wollte umsetzen. Auch dieses Studium habe ich abgebrochen. Meine Eltern waren natürlich geschockt und in großer Sorge. Was macht der Bub jetzt? Er hatte doch so gute Voraussetzungen….

Darf ich ehrlich sein? Ich wäre als Mutter auch beunruhigt gewesen…Wie ging es weiter?

Ende der 80er Jahre bin ich in einem Unternehmen gelandet, das individuell bedruckte T-Shirts vertrieb. Das war zu der Zeit sehr in. Für jedes Dorffest, jede Party, jedes Konzert wurden passende Druckvorlagen erstellt. Ich arbeitete im Innendienst, somit auch in der telefonischen Bestellannahme. Dort machte ich meine ersten Schritte im Vertrieb. Wieder wurde ich mir meiner Kommunikationsstärke bewusst, denn ich lernte mit Leichtigkeit Menschen kennen und baute Beziehungen auf.  

Meine nächste Station war die Werbeartikelfirma eines Bekannten, wo ich nur auf Provision arbeitete. Bei solchen Konditionen bist du verdammt zum Verkaufen, denn ohne Erfolg kein Geld. Und weißt du was? Ich hatte keinen Erfolg. Und wenn du so schlecht verdienst, sinkt natürlich auch die Motivation. Das Kapital, das ich mir sukzessive aufgebaut hatte, war mein Netzwerk, das stetig wuchs, denn ich ging gerne auf Menschen zu.

„Ich war, wie sehr viele andere auch, dem Irrglauben aufgesessen, 

dass jemand, der gut redet, ein guter Verkäufer ist. 

Was für ein Nonsense!“

Was hat dieses Kapital dir konkret gebracht?

Meinen nächsten Job bei Cricket, einer schwedischen Firma für Zündhölzer und Feuerzeuge. Bei Cricket habe ich den Händlerring in der Schweiz erfolgreich aufgebaut. Eine wichtige Zielgruppe waren Restaurants und Hotels, die Zündhölzer und Feuerzeuge mit Werbeaufdruck bestellten. Ich war ziemlich erfolgreich, aber ich habe damals das Potenzial nicht vollends ausgeschöpft, da mir das wichtigste Learning im Vertrieb noch fehlte. Ich war, wie sehr viele andere auch, dem Irrglauben aufgesessen, dass jemand, der gut redet, ein guter Verkäufer ist. Was für ein Nonsense!

Du bist ein guter Verkäufer, wenn du gut zuhören kannst und dafür sorgst, dass dein potenzieller Kunde oder Kunde gerne erzählt. Wenn du das Problem deines Gegenübers verstehst, kannst du eine viel bessere Lösung für ihn erarbeiten, denn nur darum geht es im Verkauf. Wenn du einen Kunden überreden musst, kann das auch mal funktionieren. Die so gewonnenen Kunden sind jene, die nach spätestens 3-4 Monaten unzufrieden sind, denn sie haben sich nicht eigenständig für das Produkt entschieden, sondern wurden dazu gedrängt.

Wo hast du dieses Wissen erlangt?

Ich habe mich immer weitergebildet auch international. Meine Stärke ist nicht nur die Kommunikation, sondern meine natürliche Neugierde und ich bin ein Learner. Bei Cricket wurden uns zahlreiche Sales Seminare angeboten, an denen ich teilnehmen durfte und ich habe alle Chancen genutzt. Der Eindruck, dass ich nicht so abschlussstark bin, wie ich sein möchte, war an manchen Tagen frustrierend. Du bist zwar müde am Abend, hast keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen, bist aber hunderte Kilometer gefahren. 

Ich wusste, dass ich noch besser sein könnte, dass ich noch mehr aus mir herausholen wollte, noch immer fand ich mich nicht gut genug. Als ich 30 Jahre alt wurde, war mir bewusst, dass ich überhaupt keine Ausbildung hatte. Ich war im Prinzip ein Maturand, ein Schulabgänger mit Abitur. Und zwei abgebrochene Studien machten sich im CV auch nicht so gut. Also habe entschieden eine berufsbegleitende Ausbildung an einer privaten Akademie zu machen mit dem Schwerpunkt Verkauf und Verkaufsadministration.

Hast du dich mit der Ausbildung besser gefühlt?

Ich habe mich danach zum zweiten Mal selbständig gemacht mit meiner Firma FINK – wie mein Nachname. Fink stand für future – information – networking – know-how.  Das erste Jahr lief super, das zweite Jahr leider nicht gut.

Woher hattest du das Know-How für dieses Unternehmen? Das war nicht Teil deiner Ausbildung.

Bei Cricket, der schwedischen Firma, für die ich zuvor tätig war, haben wir neu das Internt und die Workstations mit einem Ethernet-Netzwerk neu eingerichtet und ich das alles vom Sohn des Patrons gelernt. Wir haben eigenhändig alle notwendigen technischen feature inklusive der Kabelinstallationenverlegt und implementiert.

Und weil du mit dem Sohn alles verlegt hast, reichte das Know-How für eine eigene Firma in diesem Bereich?

Manche sagen zu mir, ich sei kein echter digital native. Ich habe die ersten Tage des Internets mit allergrößter Neugier begleitet und habe gelernt und gelernt und gelernt, und zwar nicht nur in der Theorie, sondern ich habe gemacht. Deshalb verfüge ich über mehr praktische Erfahrung als viele, die sich digital native nennen.

„Die Grundsatz Fragen sind: Wer bist du? Bist du einer von uns? 

Kann ich dir vertrauen? Das ist die Basis für jegliche Kontaktanbahnung.“

Ich finde dich mutig. Du hast dich an vieles herangewagt, einfach gemacht. Nicht alles war von Erfolg gekrönt, aber du bist immer wieder aufgestanden oder hast weitergemacht. Das bewundere ich.

Wer weiß, vielleicht wurde ich dafür mit einem glücklichen Zufall belohnt, der mich für die nächsten zehn Jahre zu Microsoft in der Schweiz führte. Über das gute Netzwerk, das ich mir mittlerweile aufgebaut hatte, wurde ich mit dem Verkaufsleiter von Microsoft Schweiz vernetzt, der in meiner Nachbarschaft wohnte. Er suchte einen Marketingleiter für die Einführung der Xbox in der Schweiz und ich habe die Stelle bekommen.

Das war ein Glücksfall für mich. Plötzlich war ich im Marketing bei Microsoft gelandet – das war ein Traum. Alles, was es an Marketingmaßnahmen gibt, durfte ich umsetzen. Von der Organisation der Händlertagung, zur Pressekonferenz, zu Kooperationen mit Fußballspielern, UEFA, WM, Events alles durfte ich ausprobieren.

Marketing und Sales bilden heute noch in den meisten Unternehmen nicht die Einheit, die sie bilden sollten. Ständig finden dort Kämpfe statt, anstatt eine Einheit zu bilden und an einem Strang zu ziehen. Ich habe es geschafft ein homogenes Team zu bilden. Sie wussten, dass mein Ursprung im Sales und nicht im Marketing war und brachten mir dafür Respekt entgegen, was dazu führte, dass ich für den Channel Games Specialists  Key Account Manager wurde. Ich war der einzige Gamer unter den Kollegen und wusste, dass du in dieser Community nicht mit Krawatte daherkommen kannst.

Weißt du Hermina, wir Menschen reagieren unterbewusst auf fremde Menschen. Die Grundsatz Fragen sind: Wer bist du? Bist du einer von uns? Kann ich dir vertrauen? Das ist die Basis für jegliche Kontaktanbahnung. Wenn du kein Vertrauen aufbauen kannst, wirst du nicht einmal eine Schraube verkaufen. Es geht nicht um dich, ob du gut aussiehst, dich als super Redner präsentierst oder mit Titeln dekoriert bist. Wenn du kein Vertrauen aufbauen kannst, wirst du nicht erfolgreich werden. Bei Microsoft habe ich mir einen unfassbar großen Erfahrungsschatz aufgebaut. Die andere Seite der Medaille war jedoch, dass ich mich zum Workoholic entwickelt hatte.

Ist deine Begeisterung für den Job mit dir durchgegangen?

Ja, so war es. Ich habe in einem Assessment mal eines der stärksten Tools für Teambuilding und Organisationsentwicklung kennenlernen dürfen. Der Strength Finder hat mich beeindruckt und geprägt. Laut dem Strength Finder, dem Stärke-Finder, soll man aufhören seine Energie in die Verwandlung der persönlichen Schwächen in Stärken zu verschwenden. Was für ein unnötiger Kraftakt! Stattdessen soll man sich auf seine Stärken fokussieren, das bringt Spaß und Freude an der Arbeit und damit auch Erfolg.

Wenn du das arbeitest, worin du gut bist, bist du ein glücklicher Mensch. Und ich war glücklich bei Microsoft, obwohl ich zu viel gearbeitet habe. Und ich habe mich immer mit großer Freude weitergebildet, im Key Account Management und im Projektmanagement ebenfalls. Nach Microsoft habe ich mich wieder selbständig gemacht.

„Man will uns immer vorgaukeln, dass Kaufentscheide rational getroffen werden.“

Was hast du gemacht?

Ich habe ein Chapter des Business Network International (BNI) in der Schweiz aufgebaut und war permanent unterwegs, als Speaker, zu Präsentationen und zu Mitgliedertreffen. In dieser Zeit habe ich eine Vertriebs-Weiterbildung gemacht, die für mich ein Mind-Changer war. Es war der Kurs „Be a Bestseller“ von Zarko Jerkic und seinem Kundenmagnet. Ein stechend klares Verkaufskonzept mit welchem mir unter anderem die sechs entscheidenden Fragen im Verkauf vermittelt wurden. Man will uns immer vorgaukeln, dass Kaufentscheide rational getroffen werden. Das ist falsch. Jeder Kaufentscheid wird emotional getätigt.

Deshalb ist der Schlüssel zu einem Abschluss immer zuerst das Vertrauen zu gewinnen. Die 3.500 Euro für die Schulung an vier Samstagen waren jeden Cent wert. Und wie ich bereits sagte, das Leben hat immer Überraschungen bereit, mal gute, mal nicht so gute. Am 04.08.2012 habe ich einen schweren Herzinfarkt erlitten und es grenzt an ein Wunder, dass ich noch lebe. Ich habe vier Stents und einen Herzschrittmacher mit Defibrillator eingesetzt bekommen. Das war eine Zäsur in meinem Leben und ich feiere seither zwei Geburtstage im Jahr.

Das tut mir sehr leid lieber Tom. Was für ein Schock und Schreck und danke, dass du so offen darüber sprichst. Vielleicht animieren wir den ein oder anderen Leser mal zum Check-up zum Arzt zu gehen.

Ich habe danach meine Selbständigkeit aufgegeben. Sechs Monate nach meinem Herzinfarkt, im März 2013, habe ich bei Quantum Digital angefangen, bei meinem jetzigen Arbeitgeber. Natürlich habe ich mich gefragt, ob ich mir nach der Selbständigkeit vorschreiben lassen möchte, wie ich zu arbeiten habe. Lange Zeit war ich mein eigener Chef. Zunächst habe ich mit 30% Arbeitszeit als Verkäufer für Websites begonnen. Es hat sich gut entwickelt und auch gut angefühlt und ich wollte mein Arbeitspensum auf 60% erhöhen.

Dann kam die Frage von der Geschäftsleitung, ob ich mir vorstellen könnte, sie im Bereich SEO zu unterstützen. Wir hatten bereits einen Kollegen in Thailand sitzen, der Spezialist für Search Engine Optimization war. Klar, habe ich zugesagt! Wieder etwas Neues lernen, super, waren meine Gedanken. Ich habe mich schon immer für Suchmaschinen interessiert und habe mich schnell eingearbeitet. Heute bin ich ein Google Marketing Expert.

Das ist aber nicht der Fokus von Quantum Digital?

Nein, es ist eine Nische in unserem Unternehmen, die ich als One-Man-Show ausfülle. Unsere Firma besteht aus unfassbar talentierten Nerds. Wir sind Spezialisten für anspruchsvolle und komplexe Systemintegrationen und setzen große Projekte mit namhaften Unternehmen um.

Du hast dir mit der Unterstützung deines Kollegen alles selbst beigebracht, richtig?

Seit ich 16 bin, habe ich immer gearbeitet. Mal auf dem Bau, mal Elektrokabel verlegt. Ich komme aus einer Zeit, in der ich in einer Bank in der Kreditinformationsabteilung auf Olivetti Schreibmaschinen geschrieben habe. Hattest du nur einen Fehler, ist der Chef ausgeflippt und man konnte alles neu schreiben, und zwar so oft, bis es fehlerfrei war. Ich lerne seit 1980 Computertechnologien, weil es mich interessiert und weil ich es liebe. Denke bitte an den Strength Finder (lacht).

Akquirierst du bei Quantum Digital deine Kunden selbst?

Ich akquiriere selbst und ich betreue auch bestehende Kunden. Zuerst hatte ich eine Wettbewerbsanalyse gemacht und festgestellt, dass alle Anbieter mit Mindestvertragszeiten arbeiten. Das mache ich nicht. Bei mir kann der Kunde jederzeit kündigen. Was soll ich mit Kunden, die nicht zufrieden sind? Ich habe dafür zu sorgen, dass der Kunde sich Monat für Monat wieder für uns entscheidet. Sogar während der Pandemie haben mir meine Kunden die Treue gehalten und für diese Vertrauensbeziehungen bin ich sehr dankbar. Innerhalb meines Pensums bin ich sehr erfolgreich und zufrieden.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft, lieber Tom.

Es ist unablässig bestehende Glaubenssätze immer wieder in Frage zu stellen. Die KI kommt mit einer rasanten Geschwindigkeit. Du kannst es verdammen als zu gefährlich, aber wenn du das jetzt nicht lernst, wirst du abgehängt. Gleichzeitig müssen wir aufpassen uns nicht mit einem Dauerblick auf Bildschirme zum Affen zurückzuentwickeln. Vor allem müssen wir bei den jüngeren Generationen darauf achten.

Wir sind alle auf der Suche nach Glück und doch scheinen es nur wenige zu finden. Wir haben steigende Depressions- und hohe Selbstmordraten in der Schweiz und in Deutschland. Das Wichtigste ist im Leben ist, dass wir alle wieder lesen lernen, weil das Lesen die einzige Tätigkeit ist, die die Vorstellungskraft fördert. Die Fantasie entwickelt sich in deinem Gehirn, indem Buchstaben zu Bildern mutieren, und diese Fähigkeit brauchen wir dringend für die Zukunft, weil wir dadurch lernen uns Lösungen für Probleme vorzustellen.  Beim Lesen entwickeln wir unsere Vorstellungskraft und stärken unsere Menschlichkeit, wir agieren lösungsorientiert und nicht problemgesteuert.

Danke lieber Tom, für dieses wunderbare Schlusswort, das mich inspiriert und nachdenklich stimmt. Zum Abschluss habe ich noch eine letzte Frage: Zu welchem Song rockst du am liebsten?

Danke dir ebenfalls. Mein liebster Song dafür ist «Vita spericolata» von Vasco Rossi.

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