Finance – Eine Branche im Wandel Teil 4

Die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit in der Finanzbranche

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Teil 4

Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit in der Finanzbranche und welche Rolle spielen Finanzinstitute bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen?

Wie bereits im ersten Beitrag erwähnt, spielt das Thema Nachhaltigkeit in der Finanzbranche eine sehr große Rolle. Warum das so ist und was das für Finanzinstitute bedeutet, möchten wir im heutigen Beitrag klären.

Grundlage für jegliche Nachhaltigkeitsaktivitäten sind die 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Durch diese besteht seit 2016 ein globaler Handlungsrahmen für Unternehmen, auch in der Privatwirtschaft. Hinter den 17 übergeordneten Zielen verbergen sich 169 Unterziele, die konkrete Zielgrößen definieren.

Für die Zielerreichung ist eine grundlegende Transformation in Unternehmen und der Gesellschaft erforderlich. Bei dieser Transformation kommt die zentrale Bedeutung des Finanzsystems ins Spiel, denn Kapitalströme können eine besondere Hebel- und Lenkwirkung für die Erreichung der Entwicklungsziele bieten. Somit hat die EU-Kommission eine Sustainable-Finance-Strategie entwickelt, mit dem Ziel, Umwelt-, Sozial- und Governance-Erwägungen in die Investitionsentscheidungen in der Finanzbranche zu integrieren. Dies soll beispielsweise zu langfristigen Investitionen in nachhaltige wirtschaftliche Projekte und Aktivitäten führen. Zusätzlich unterliegen alle Akteure in der Finanzbranche durch die Taxonomie der EU der Offenlegungsverordnung, welche für Transparenz sorgen soll. Somit werden insbesondere die Unternehmen finanziell unterstützt, die wichtige nachhaltige Aspekte aufzeigen. Unternehmen, die nicht nachhaltig agieren, wird es hingegen zunehmend schwerer fallen finanzielle Unterstützung zu erhalten. Dies erklärt den starken Einfluss von Finanzinstituten auf die erfolgreiche Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten in der gesamten Wirtschaft.

 

EU-Klimataxonomie

„Die EU-Taxonomie ist ein solides, wissenschaftlich fundiertes Instrument, das für Unternehmen und Anleger gleichermaßen Transparenz gewährleistet. So werden Anleger bei Investitionen in Projekte und Wirtschaftstätigkeiten, die sich deutlich positiv auf Klima und Umwelt auswirken, künftig von der gleichen Grundlage ausgehen können. Darüber hinaus werden Offenlegungspflichten für Unternehmen und Finanzmarktteilnehmer festgelegt.“

Doch was genau bedeutet „nachhaltig investieren“ und „nachhaltig handeln“?

Nachhaltige Investments verfolgen das Ziel, verantwortungsbewusst und gewissenhaft zu agieren. Dabei sollen sie keinen negativen Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft ausüben. Weiterhin müssen Investmentfonds in der Praxis auf tatsächliche Nachhaltigkeitsansprüche geprüft werden, was anhand von verschiedenen Selektionskriterien gelingt. Ob Unternehmen „nachhaltig“ handeln, wird an sechs EU-Umweltziele geknüpft: Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Nachhaltige Nutzung und Schutz der Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung, Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und Ökosysteme. Weiterhin müssen vier Kriterien erfüllt werden, damit Aktivitäten als nachhaltig gelten: die Aktivität leisten einen substanziellen Beitrag zu mindestens einem der Umweltziel, sie fügt keinem anderen Umweltziel erheblichen Schaden zu, sie ist im Einklang mit Mindestanforderungen an Arbeitsstandards und Menschenrechte und sie erfüllt quantitative und qualitative Bewertungskriterien der EU-Kommission.

Übersicht

Blog-Serie Finance

Teil 1

Welche Trends, Entwicklungen und Herausforderungen beschäftigen die Finanzbranche aktuell?

Teil 2

In welchen Bereichen zeigt sich die Digitalisierung und was ist ihr jeweiliger Nutzen?

Teil 3

Welche Erwartungshaltung haben die Kunden an die Customer Experience und wie können Finanzinstitute diese erfüllen?

Teil 4: Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit in der Finanzbranche und welche Rolle spielen Finanzinstitute bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen?

Teil 5 – 12.07.21

Nachhaltigkeit im Trend

Ein Blick auf Google Suchtrends, wie die untenstehende Grafik zeigt, lässt bereits erkennen, dass die Suchanfragen der Deutschen und damit ihr Interesse an nachhaltigen Themen seit 2018 deutlich gestiegen ist. Darüber hinaus wünschen sich Bankkunden von ihrer Hausbank Fortschritte hin zu mehr Nachhaltigkeit. Werden diese Wüsche nicht bedient, sind diese Kunden bereit ihren Finanzpartner schnell zu wechseln.

Darüber hinaus hatte sich das Anlagevolumen von deutschen Privatanlegern 2019 in nachhaltige Öko- und Ethikfonds mit +96 Prozent fast verdoppelt. Zusätzlich ist der nachhaltige Anlagenmarkt mit 37 Prozent mehr als doppelt so schnell gewachsen wie der Gesamtmarkt. Dass auch Investoren zunehmend ESG-Aspekte nachfragen, zeigt die folgende Grafik:

Der Vergleich zwischen den zwei Gruppen zeigt, dass ein ESG-Ansatz Einfluss auf das Rendite-Risiko-Profil haben kann. So schnitten die traditionellen Fonds mit rund 1,4 Prozentpunkten schlechter ab als das obere Viertel der größten Nachhaltigkeitsfonds im selben Zeitraum. Zusätzlich fielen die temporären Werteverluste in der Corona-Phase 2020 bei nachhaltig ausgerichteten Strategien ca. 1,5 Prozentpunkte geringer aus.

Klar ist, Nachhaltigkeit ist im Trend und wird sowohl für Privatanleger als auch für Investoren immer wichtiger.

Chancen von ESG (Environment, Social, Governance Anlagekriterien) in der Finanzbranche

Bereits durch den Trend zur Nachhaltigkeit lässt sich schlussfolgern, dass dieses Thema immer wichtiger wird, auch für die Kunden der Unternehmen in der Finanzbranche. Wer also kundenorientiert handelt und sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen möchte, der sollte dem Trend folgen. Resultierend daraus ist auch mit einem Imagegewinn zu rechnen. Zusätzlich können neue Kundengruppen erschlossen und innovative Finanzprodukte entwickelt werden. All dies kann zu einer deutlichen Absatzsteigerung führen. Auch wirtschaftliche Chancen werden durch das neue Klassifikationssystem der EU erwartet. Diese positive Einstellung spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer Umfrage wider:

Sehen Sie für Ihr Institut strategisches Potenzial durch die EU-Taxonomie?

  • Ja
  • Eher ja
  • Nein
  • Eher nein

Welche Aktivitäten wären aus Ihrer Sicht (wirtschaftlich) interessant?

Abstatzsteigerung durch Entwicklung innovativer Finanzprodukte im Kreditbereich 50%
Absatzsteigerung durch Entwicklung innovativer Finanzprodukte im Wertpapier-Bereich 49%
Maßnahmen zur Bindung von Bestandskunden 43%
Perspektivische Inanspruchnahme besserer Refinanzierungsmöglichkeiten 30%
Perspektivische Effizienzsteigerungen durch ein einheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit innerhalb der EU 27%
Ausweitung eigener Marktaktivitäten auf europäischer Ebene aufgrund einheitlicher Klassifizierung 16%

Nachhaltigkeitsziele umzusetzen bietet Finanzinstituten also viele Chancen und Vorteile, die sie sich zu Nutzen machen sollten.

We Make a Difference

Wie wir unsere Kunden im Vertrieb unterstützen?

Welche Herausforderungen entstehen durch ESG?

Während die EU-Taxonomie einen klaren Rahmen für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen setzt, ist die Umsetzung auch herausfordernd für die Finanzbranche. Insbesondere der zeitliche Rahmen für die Umsetzung stellt eine Herausforderung dar. So muss beispielsweise Phase 1 des verbindlichen Klassifikationssystems bis Ende 2021 umgesetzt sein.

 

Des Weiteren ist die Messung von ESG-Risiken mit verschiedenen Herausforderungen verbunden:

Unsicherheit: Die Auswirkungen und der Zeitpunkt von Transitionsrisiken, sozialen Risiken und Governance-Risiken ist schwer vorherzusagen

Multidimensionale Wirkung: Eine simultane ESG-Wirkung über mehrere Risikoarten ist möglich

Betrachtungszeitraum: Einige ESG-Risiken haben einen erforderlichen Bewertungszeitraum von beispielsweise 30 Jahren, der in klassischen Bewertungstools nicht betrachtet wird

ESG-Daten: Verlässlichkeit, Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit der Daten ist eingeschränkt und die Übersetzung in Finanzkennzahlen herausfordernd

Zukunftsorientierung: Meist werden historische Daten von Risikomodellen genutzt, welche jedoch ESG-Effekte nicht adäquat abdecken und die Übersetzung in traditionelle Risikomaßnahmen ist herausfordernd

Nicht lineare Effekte: Die meisten ESG-Risiken sind nicht-linear, somit sind die Auswirkungen überproportional zum Klimaeffekt

„ESG-Risiken erfordern einen erheblichen Aufbau von methodischen ESG-Know-how in den Instituten. Die Bewertung und das Management von ESG-Risiken gehen mit komplexen methodischen Anforderungen einher. Finanzinstitute sollten sich proaktiv damit befassen, um rechtzeitig richtige Impulse für Strategie, Governance und Risikomanagement zu setzen.“

Jens Keller, Associate Partner Horn Company

Was bedeutet all das für Finanzinstitute?

Fest steht, eine Transformation zur Nachhaltigkeit ist dringend notwendig, um von den vorgenannten Chancen profitieren zu können und um langfristig erfolgreich am Markt zu bleiben. Es gilt also, einige Schritte rechtzeitig einzuleiten. Hierfür werden die folgenden Handlungsschritte empfohlen:

1. Klarheit über Positionierungspotenziale, Betroffenheit und aktuellen Reifegrad schaffen

2. Erarbeitung einer allumfänglichen und individuell glaubwürdigen strategischen Positionierung

3. Aufsetzen einer strategischen Roadmap mit einem individuellen Transformationspfad

Schaffen Unternehmen der Finanzbranche diese Transformation, können sie sich langfristige Ertragsquellen sichern.

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Schöpfen Sie Ihre Potentiale aus?

Alles in allem lässt sich klar sagen, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht nur im Allgemeinen, sondern insbesondere für die Finanzbranche unumgänglich ist. Während Finanzinstitute zum einen dem Trend folgen müssen, um ertragreich zu bleiben, tragen sie zum anderen auch eine große Verantwortung, denn sie können das wirtschaftliche Handeln durch ihre Kapitalströme stark beeinflussen. Somit wird es für jegliche Unternehmen immer wichtiger, Nachhaltigkeitsziele umzusetzen. Was all die Entwicklungen und Trends in der Finanzbranche für den Vertrieb bedeuten, das erfahren Sie in unserem abschließenden Beitrag nächste Woche!

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Hermina Deiana | Public Relations Consultant MarketDialog GmbH
hermina.deiana@marketdialog.com