SALES ROCKER BLOG

In dieser Kategorie finden sich Interviews sowohl mit unseren Mitarbeitern als auch mit unseren Kunden, die wertvolle vertriebliche Insights liefern.

Meike

Selfmade in die Führungsetage

meike gross

Selfmade in die Führungsetage

Meike Nowotny hat meine Einladung zum Interview angenommen, weil sie findet, dass Frauen in der IT mehr Sichtbarkeit und Mut brauchen. Die Vertriebs- und Niederlassungsleiterin von Kendox Österreich bezeichnet sich selbst als Chamäleon, denn ihre Karriere entwickelte sich durch ihr unermüdliches Engagement in diversen Positionen. Egal welche Aufgabe anstand, Meike nahm sie, ohne zu zögern an, freute sich Neues zu lernen und gab 100 %. Vertrieb stand nicht auf ihrer Wunschliste, Erfolg jedoch schon. 

Liebe Meike, ich freue mich sehr, heute mir dir eine Lanze für Frauen in der IT zu brechen und mehr von den Herausforderungen in diesem Bereich zu erfahren. Vertrieb war, wie bei zahlreichen meiner Interviewpartner, zunächst nicht dein Traumjob. Hattest du einen Berufswunsch oder gar Traumberuf?

Mein Traum in meiner Teenagerzeit war Anthropologie und Archäologie zu studieren, denn ich wollte Indiana Jones werden, nur in weiblich. Die Schulzeit ist so schnell verflogen und im Alter von 15 oder 16 Jahren hatte ich keine Lust mehr auf die Schule und wollte lieber arbeiten. Ich mache alles außer Verkaufen, denn ich werde niemals Klinken putzen, war damals noch mein Motto. Ich bin 1977er Jahrgang, da wurde Vertrieb noch mit Staubsaugervertretern in Verbindung gebracht. Also entschied ich erst einmal eine Lehre als Zahnarzthelferin zu machen. Schnell hat sich herauskristallisiert, dass es nicht die richtige Wahl war. Also habe ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg auf dem Kolleg in Oberhausen nachgeholt.

„Ich mache alles außer Verkaufen, denn ich werde niemals Klinken putzen.“

Mit dem Abitur hast Du die Voraussetzung geschaffen für deinen Traum vom Studium der Anthropologie und Archäologie.

Von diesem Traum hatte ich mich schon längst verabschiedet, denn ich wollte Geld verdienen. Ich schwankte zwischen dem Studium der Zahnmedizin, denn da hatte ich bereits hineingeschnuppert und Technik. Mein Interesse für Technik und meine Lust zu arbeiten und praxisnah zu lernen, überwog letztendlich und ich entschied mich für eine zweieinhalbjährige Ausbildung zur Industriefkauffrau bei der Teba GmbH & Co. KG in Duisburg. Die Teba produziert und vertreibt Sicht- und Sonnenschutz für Fenster.

Hast du dich in dieser Ausbildung besser gefühlt, als in der ersten als Zahnarzthelferin?

Es war eine sehr interessante und vielschichtige Ausbildung, da ich in alle relevanten Abteilungen reingeschaut habe wie Produktion, Logistik, Einkauf und Vertrieb. Im Vertrieb habe ich sogar freiwillig zweimal jeweils drei Monate verbracht, weil dort personelle Unterstützung gebraucht wurde und ich meine Kollegen nicht hängenlassen wollte. Zugunsten des zweitens Quartals im Vertrieb habe ich die Abteilung Geschäftsleitung damals ausgelassen.

Hat diese erste Erfahrung im Vertrieb deine Meinung revidieren können?

Es war immer noch nicht mein Traumberuf. Die ersten drei Monate habe ich zunächst fast nur die Ablage gemacht. Das war furchtbar. Ich habe mich beim Vertriebschef darüber beschwert, dass ich nach anderthalb Monaten Ablage machen, darauf bestand ordentlich ausgebildet zu werden. Das hat ihm gefallen. So durfte ich auch mal mit Kunden telefonieren und andere Vertriebstätigkeiten übernehmen.

Die nächsten drei Monate im Vertrieb saß ich in der Datenverarbeitung und gab die Aufträge, die seitens Außendiensts auf Papier eingingen, in unser ERP-System ein. In dieser Abteilung arbeiteten fast ausschließlich Frauen. Ihre Aufgabe war es, die technischen Zeichnungen und Produktionsvorgaben in das System einzugeben. Sehr häufig, waren die Angaben nicht korrekt und wurden von diesen Frauen korrigiert. Sie hatten eine sehr verantwortungsvolle Position im Innendienst, denn die letzte Fehlerkontrolle vor Produktionsbeginn wurde von ihnen vorgenommen. Das hat man ihnen zugetraut, dennoch saßen sie im Innendienst nur im Hintergrund und im Außendienst, also dem Kundenkontakt, arbeiteten fast nur Männer.

Von eben diesen Kolleginnen habe ich damals sehr viel gelernt, von dem ich heute noch profitiere. Sie haben alle versucht mich zu fördern und niemand war stutenbissig, wie es Frauen häufig unterstellt wird. Ich hätte nach Beendigung meiner Ausbildung bleiben können, aber ich war bereit für die nächste Etappe und wollte das Erlernte in einem neuen Tätigkeitsfeld einbringen.

Was war deine nächste berufliche Station?

In bin in einen Betrieb für Industrietechnik gewechselt. Vom Vertrieb als letzte Station meiner Ausbildung, ging es für mich in den Einkauf. Zuerst war ich im Stahleinkauf tätig und wechselte kurze Zeit später in den internationalen Kunststoffeinkauf. Für dieses Unternehmen war ich jedoch nur sechs Monate tätig. In meinem Türkei Urlaub habe ich mich in meinen zukünftigen Ehemann verliebt und bin für die Liebe nach Wien gezogen. 

Wie cool ist das bitte? Das nenne ich mutig.

In Wien bin ich dann im Projektmanagement einer Firma für Medizintechnik im 22. Bezirk in Wien gelandet. Ich habe eine Doppelrolle eingenommen im Projektmanagement und als Assistentin des Geschäftsführers. In meiner Position habe ich mich hauptsächlich mit Ausschreibungen beschäftigt.

In Österreich müssen die staatlichen Krankenhäuser und alle öffentlich-rechtlichen Organisationen für gewissen Bedarf Ausschreibungen machen. Meine Aufgabe war, zu schauen was gerade ausgeschrieben wurde und zu prüfen, ob wir Produkte in unserem Portfolio haben, die wir anbieten können. Falls ja, wurden hierzu entsprechende Angebote erstellt.

Während dieser Tätigkeit war ich auch mitverantwortlich für die Markteinführung der Wirbelsäulen-Implantologie-Systems eines französischen Herstellers als Produktneuheit. Die gesamte Einführungsphase in Österreich habe ich betreut und alle Schritte in Zusammenarbeit und Abstimmung mit Frankreich begleitet. Nach zwei Jahren stand bei mir der nächste Wechsel an.

Jetzt bin ich gespannt für welchen Karriereschritt du dich entschieden hast.

Meine nächste berufliche Station war das österreichische Jugendrotkreuz. Die Stelle reizte mich so sehr, dass ich eingewilligt habe eine Erziehungsurlaubvertretung für zwei bis zweieinhalb Jahre zu übernehmen. Bei uns in Österreich heißt das Karenzvertretung.

„Überall galt es Menschen für meine Anliegen zu gewinnen und 

dafür braucht es Marketing und Vertriebs Know-How.“

Das ist wieder etwas ganz Neues. Was hat dich an der Aufgabe gereizt?

Etwas für und mit Kindern und Jugendlichen zu realisieren fand ich spannend. Mein Aufgabenfeld war die freiwillige Radfahrprüfung in Österreich. Es ist ein Kooperationsprojekt mit der AOVA Versicherungsanstalt, der österreichischen Polizei, dem ÖAMTC, das ist das österreichische Pendant zum deutschen ADAC und vielen anderen. Zu meinen Aufgaben gehörte auch die unterschiedlichen Gremien einzubinden und zu koordinieren.

Das Jungendrotkreuz ist auch Herausgeber der Schulungsunterlagen für die Radfahrprüfung und es war Zeit für einen Relaunch und ein frisches Design. Das war eine fantastische Aufgabe und hat mir sehr viel Spaß gemacht.
 
In diesem Job war alles drin, von Marketing über Projektmanagement bis zum Vertrieb. Rückblickend waren alle meine Tätigkeiten Disziplinübergreifend. Überall galt es Menschen für meine Anliegen zu gewinnen und dafür braucht es Marketing und Vertriebs Know-How. Selbst für ein Bewerbungsgespräch braucht es Vertriebsstärke, denn man muss sein Gegenüber von sich überzeugen. Das wurde in meiner schulischen Laufbahn überhaupt nicht gelehrt.

„Es setzt viel zu spät an, junge Menschen für Sales zu gewinnen.“

Findest du, dass man in den Schulen bereits Vertrieb in einer Form einbinden sollte?

Es setzt viel zu spät an, junge Menschen für Sales zu gewinnen. Hätte es damals zu meiner Realschulzeit schon praxisbezogenen Unterricht gegeben oder hätte man Unternehmen zum Workshop für Schüler eingeladen, wären junge Menschen viel früher an Vertrieb heranführt worden. Ich denke, dass die Schule den großen Herausforderungen unserer Zukunft nicht gerecht wird. In Österreich wird zwar derzeit an der Umsetzung einer Schulreform gearbeitet, aber mir geht diese Reform nicht weit genug. Der Unterricht müsste viel mehr Einblicke in die Praxis ermöglichen.

Kommen wir zurück zum Projekt Fahrradprüfung, liebe Meike. Wie ging es weiter?

Parallel zu unseren vielen Aktivitäten, haben wir uns zusätzlich für das EU Projekt International Road Safety Campaign beworben. 17 internationale Jugendrotkreuz Gesellschaften haben über mehrere Monate an diesem Projekt teilgenommen, mit dem Ziel Awareness für die Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche zu erzielen. Gemeinsam mit relevanten Ministerien hat jedes Teilnehmerland Fahrsicherheitskampagnen erarbeitet, die in Zypern auf dem internationalen Kongress natürlich in englischer Sprache präsentiert wurden.

Abschluss des österreichischen Projekts war eine Veranstaltung im Donau Park in Wien in Kooperation mit 13 Schulen. Die Anreise in Bussen, Teilnahme und Verpflegung waren mit EU-Fördermitteln finanziert. Wir haben verschiedene Verkehrssicherheitsstände entwickelt und aufgebaut, darunter Dummy Crash Tests für Kinder, Gleichgewichtstrainings auf verschiedenen Parcours, erste Hilfe Kurse und vieles mehr. Jedes Teilnehmerland hat eigene Veranstaltungen konzipiert und realisiert.

„Ehrlich gesagt, hatte ich insgeheim die Hoffnung, 

beim Jugenrotkreuz bleiben zu können.“

Waren diese Veranstaltungen explizit für Fahrradfahrer?

Nicht nur, das Thema war Verkehrssicherheit und dazu gehören auch Scooter und auch das Verhalten als Fußgänger im Straßenverkehr. Denke bitte nur an die vielen Schüler, die mit Stöpseln im Ohr unterwegs sind oder mit dem Handy vor den Augen oder am Ohr. Sie sind unkonzentriert bis hin zu völlig abwesend. Wie verhält man sich im Straßenverkehr verantwortungsvoll war die Hauptfrage.

Für Übungen rund um das proaktiv im Verkehr Agieren, haben wir eine Schauspielerin engagiert, die sich als Oma verkleidet hat, um weitere Gefahrensituationen zu simulieren. Die richtigen Reaktionen auf diese Situationen wurden mit den Kindern und Jugendlichen trainiert.

Die Presse und Vertreter relevanter Ministerien waren anwesend und für die teilnehmenden Schulen und Schüler war es ein einzigartiger Event. Für mich war es auf jeden Fall eines meiner beruflichen Highlights. Ehrlich gesagt, hatte ich insgeheim die Hoffnung, dass die Kollegin nicht zurückkommt. Dann hätte ich dort bleiben können. Aber sie kam nach dem zweiten Kind zurück. Somit habe ich schweren Herzens meine Stelle verlassen, wohlwissend, dass es ja von vornherein so vereinbart war.

„Da am Empfang so wenig zu tun war, bat ich Kollegen aus 

unterschiedlichen Bereichen, mir Arbeit zu geben.“

Das macht mich gerade beim Zuhören traurig. Aber da du ja strahlend vor mir sitzt, muss ja etwas Neues Spannendes auf dich zugekommen sein.

Indirekt bin ich danach bei meiner jetzigen Firma gelandet, nur hieß diese damals Infoniqa. Als Office Managerin saß ich zunächst in einem komplett leeren Büro in Wien. Nachdem ich mich zunächst, um alles, was mit Facility Management zu tun hat, gekümmert hatte und die Büros eingerichtet waren, war ich am Empfang chronisch unterfordert.

Die Infoniqa war damals eine Unternehmensgruppe mit Unternehmen in den Bereichen Human Resources Industrietechnik und Dokumentenmanagement. Diese Firmen sollten alle nach und nach in diese Büroräume ziehen, was sich eher schleppend vollzog. Da am Empfang so wenig zu tun war, bat ich Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen, mir Arbeit zu geben, sobald sie das Büro betraten. Egal wem ich zuarbeitete, ob Marketing, Vertrieb oder dem Finanzbuchhalter, sie waren alle zufrieden mit meiner Leistung. Eines Tages bemerkte einer der drei Vorstände, dass ich völlig unterfordert war und ernannte mich zur Vorstandsassistentin. Von da an arbeitete ich viel und gerne. Es galt Meetings vorzubereiten, Berichte zu erstellen, Reisen zu planen, zu Meetings zu begleiten und vieles mehr. Ich habe sehr viel gelernt zu dieser Zeit.

Viele hätten den Job, in dem sie unzufrieden sind verlassen. Was hat dich bewogen zu bleiben?

Die Hoffnung? Das Gefühl, dass etwas Gutes kommt? (lacht) Ich weiß es nicht. Die Expansion von Infoniqa hat sich nicht so entwickelt, wie geplant und sie zogen nach Oberösterreich, boten mir an mitzukommen. Doch dann entschied mein heutiger Chef den Bereich Dokumentenmanagement, die Kendox AG, zu übernehmen. Das war mein Glück, denn ich wurde später Kendox Niederlassungsleiterin Österreich in Wien.

Wow! Was für ein Sprung. Dann hat sich das Durchhalten für dich gelohnt. Was waren deine Aufgaben in der neuen Position?

Am Anfang habe ich mich um das Marketing gekümmert und unsere Verkaufsunterlagen erstellt. Es hat sich jedoch sehr schnell herausgestellt, dass es notwendig ist, das Marketing stärker zu professionalisieren und wir parallel auch den Vertrieb in Österreich aufbauen wollten. Zu dem Zeitpunkt entschied ich mich wieder aktiv für den Vertrieb.

Du bist freiwillig in den Vertrieb gewechselt? Die junge Frau die sagte, ich mache alles, außer verkaufen (lacht).

Ich bin ein Chamäleon, liebe Hermina, das wusste ich damals nur noch nicht. Mein Chef sagt immer, egal welche Aufgabe man mir gibt, ich erfülle sie. Ich gebe immer 100%. Bei jeder neuen Aufgabe habe ich seit jeher gesagt, super, ich kann wieder etwas Neues lernen. Auch wenn ich noch nicht wusste, wie es geht, so hatte ich immer die Bereitschaft schnell zu lernen und mich reinzuknien. So kumuliert man jahrelang Wissen.

„Vor 10 Jahren war Vertrieb für Frauen in der IT-Branche  herausfordernder 

als heute. Zum Glück hat sich in den letzten Jahren einiges 

zum Besseren gewandelt.“

Erzähle mir bitte von deiner Erfahrung im Vertrieb.

Vor 10 Jahren war Vertrieb für Frauen in der IT-Branche herausfordernder als heute. Zum Glück hat sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren gewandelt. Man unterstellte Frauen, kein technisches Verständnis zu haben. Teilweise waren diese Beanstandungen in meinem Fall sogar berechtigt, denn ich musste mir mein Know-How erst erarbeiten und aufbauen.

Dennoch hatten Frauen mit vielen Vorurteilen zu kämpfen und wurden nur bedingt ernst genommen. Der Small Talk nach offiziellen Präsentationen wurde nicht selten missverständlich aufgenommen und ich habe einige Zeit benötigt herauszufinden, was der beste Kommunikationsweg für mich ist.

Du sagst, dass diese Beanstandungen teilweise berechtig waren. Das ist sehr selbstkritisch.

Ich bin jetzt seit dreizehn Jahren bei Kendox. Die ersten beiden Jahre war ich im Marketing tätig. Dann habe ich sofort mit telefonischer Kaltakquise in Pionierarbeit begonnen und habe mein Lehrgeld bezahlt. Es geht nicht, dass man einfach nur anruft und sagt, ich möchte dir etwas verkaufen.

Wie ich sagte, habe ich mir selbst an die Nase gefasst, da ich spürte, dass ich auf manche Kundenfragen keine Antworten hatte. Also habe ich jede technische Schulung mitgemacht, die es gab. Ich habe alles aufgesaugt, alle Lösungen, von der Pike auf neu erlernt. Je besser ich das Produkt kannte, desto besser lief es im Vertrieb. Nach und nach war es auch kein Thema mehr, dass ich eine Frau bin, denn es überwog das „Oh Sie kennen sich aber gut aus.“ Aus diesen Erlebnissen schöpft man Selbstbewusstsein.

Hast du eine schöne Erfahrung im Sales, die du mit uns teilen möchtest?

Mittlerweile gibt es viele, aber eine ist wirklich besonders, weil ich dort bei der ersten Präsentation versagt habe. Es war ein großes Unternehmen und ich war ganz heiß, es als Kunden zu gewinnen. Es war zu früh. Ich war nicht bereit dafür, das musste ich mir einfach eingestehen. Ich konnte nicht flüssig auf alle Fragen antworten, auch weil ich vieles hätte nachlesen müssen. Alles, was ich nicht wusste, habe ich im Nachgang natürlich sofort gelernt. Aber der potenzielle Kunde hatte sich für den Wettbewerb entschieden.

Ein Jahr später habe ich erfahren, dass die Einführung beim Proof of Concept mit dem Wettbewerber nicht erfolgreich war. Selbstbewusst habe ich erneut angerufen, sie darauf angesprochen und um eine zweite Chance gebeten. Dieses Mal habe ich den Kunden gewonnen.

„Just do it ist ok, aber man braucht die Bereitschaft zum Lernen 

und Menschen, die einen fördern.“

Diesen Erfolg hast du dir hart erarbeitet.

Just do it ist ok, aber man braucht die Bereitschaft zum Lernen und Menschen, die einen fördern. Mein Chef ist hier sehr unterstützend. Er ist einer meiner größten Mentoren und Förderer. Auch beurteilt er die Menschen danach, was sie können, und unterstützt sie dabei ihre Schwächen zu Stärken zu verwandeln. Neben der persönlichen Unterstützung hat er es mir ermöglicht Sales Coachings zu absolvieren, bei denen ich viele notwendige Skills erwerben konnte.

Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, ohne diese helfenden Hände, die mich unterstützten. Zum Beispiel meine liebe Kollegin, ich mag den Ausdruck Assistentin nicht, finde es klingt abwertend, steht mir immer zur Seite. Sie unterstützt mich, wo sie nur kann und wenn Menschen sich gegenseitig helfen und unterstützen können sie Unglaubliches leisten. Wertschätzende Mitarbeiter bestimmen den Erfolg eines Unternehmens, nicht der Titel der Führungsposition auf der Visitenkarte.

„Wissen ist immer eine Holschuld, keine Bringschuld.“

Du bist mit Geben in Vorleistung getreten und das was du bekommst, ist deine Ernte. In deiner Geschichte ist nichts vom Himmel gefallen.

Wissen ist immer eine Holschuld, keine Bringschuld. Egal wie gut du bist, kann es dennoch mal passieren, dass gerade im Vertrieb die zwischenmenschliche Chemie nicht passt. Das spüre ich schon im Telefonat.Wir sind Menschen und bestehen nicht aus Algorithmen. Vermutlich könnte ich aufgrund meines Wissens und der Leistung unserer Produkte einen Deal abschließen. Aber manchmal erscheint es mir sinnvoller an einen Kollegen zu delegieren. Was ist wichtiger? Das persönliche Geld oder der Unternehmenserfolg? In jungen Jahren, zu Beginn meiner Karriere, hätte ich womöglich das Geld und den persönlichen Erfolg vorgezogen. Deshalb verstehe ich jeden der meint den Verkauf selbst abschließen zu müssen. Heute denke ich anders.

Hast du Wunschkunden, die du noch gerne akquirieren würdest?

Klar, welcher Vertriebler hat sie nicht (lacht). Ein großes internationales Unternehmen mit vielen unterschiedlichen Prozessen hätte ich gern. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass man bei kleinen und mittelständischen Unternehmen mit 1-5 Fachabteilungen weniger Aufwand mit den Abstimmungen hat, anschließend den Pilot mit einer dieser Abteilungen umsetzt, nachoptimiert falls notwendig und dann zum Roll-out übergeht. Nach 3-4 Monaten könnte das Projekt abgeschlossen sein. Bei großen Unternehmen stehen wir vor bedeutend höherer Komplexität, nicht was die Anforderungen angeht, sondern die Abstimmungen.

Wie viele Mitarbeiter seid ihr und wohin soll die Reise gehen?

Wir sind 150 Mitarbeiter verteilt auf Österreich, die Schweiz, Deutschland und Serbien. Da wir viel Cross-Selling betreiben, bin ich für bestimmte Produkte in allen drei Ländern verantwortlich. Unser Geschäftsführer, der auch den Vertrieb international verantwortet, ist eigentlich in Altersteilzeit, mit Betonung auf eigentlich. Derzeit arbeitet er noch tatkräftig an der Gestaltung des Unternehmens mit, sogar am Wochenende. Irgendwann wird eine Neustrukturierung des Vertriebs notwendig . Wer aus dem Team die Leitung übernimmt, steht in den Sternen. Ich würde es sehr gerne tun. Ich sehe meine Zukunft bei Kendox, aber man weiß auch nie, was im Leben noch kommt.

Danke liebe Meike, dass du deine spannende Geschichte mit uns teilst. Jetzt schuldest du mir noch einen Song für unsere Playlist. Was hört eine toughe Frau, wie du es bist?

Meine Lieblings-Rocklied ist „Sturmfahrt“ von Eisbrecher und meine Lieblings-Rock-Balade ist „Head above Water“ von Avril Lavigne. Beide Lieder verbinde ich mit dem Wunsch nie aufgeben zu wollen und immer mutig auf neue Dinge zuzugehen.😉

Liebe Rocking Sales Leser, Ihr möchtet mehr über Meike Nowotny und kendox erfahren?
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Ich brenne darauf eure Expertise und Erfahrungen im Vertrieb zu erfahren und auf unserem Rocking Sales Blog zu veröffentlichen. Nach einem kurzen Kennenlerntelefonat vereinbaren wir einen Termin für einen Video-Call und führen ein entspanntes, einstündiges Gespräch. Anschließend schreibe ich euren Beitrag und wir posten diesen über unsere Social Media Kanäle.

Ich freue mich auf dich.

Hermina Deiana | Public Relations Consultant MarketDialog GmbH
hermina.deiana@marketdialog.com
+49 (0) 6196-7695-183

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Der Kosmopolit im Global Sales​

Der Kosmopolit im Global Sales

Der Kosmopolit im Global Sales​

Der Kosmopolit im Global Sales

Er war zwei Jahre alt, als seine Familie von Holland nach Bangkok zog. Hidde Stilmas Vater war für die niederländische Fluggesellschaft KLM tätig, was dazu führte, dass sie alle drei bis vier Jahre in ein anderes Land zogen: auf Bangkok folgten Stationen in Nigeria, Sierra Leone und Singapore. In dieser Zeit besuchte der heutige Head of Sales DIY bei der hansgrohe Group ausschließlich internationale Schulen und sprach hauptsächlich Englisch. Die Rückkehr seiner Familie in die Niederlande, erlebte Hidde Stilma im Alter von 15 Jahren als Kulturschock.

Lieber Hidde, du bist ein echter Kosmopolit. Wie haben dich die vielen Jahre im Ausland während deiner Kindheit und Jugend geprägt?

Ein internationales Umfeld war meine Normalität. Egal wo wir lebten, habe ich ganz selbstverständlich mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Herkünfte gelebt, kommuniziert, gelernt und Freundschaften geschlossen. Das machte mein Leben aus. Die internationalen Schulen sind auf Wechsel und Flexibilität ausgerichtet, denn die meisten Schüler bleiben nur für ein paar Jahre.

Somit verliert man immer wieder seinen Freundeskreis, entweder weil Freunde wegziehen oder weil wir weitergezogen sind. Bei jedem Standortwechsel bilden sich neue Freundschaften. Ich kannte es nicht anders und es war für mich ok. Aber es prägt insofern, dass ich überhaupt keine Berührungsängste habe mich auf neue Menschen oder Orte einzulassen. Meine soziale Kompetenz und meine Flexibilität sind hierdurch positiv beeinflusst worden.

Wie hast du im Alter von 15 Jahren die Rückkehr in die Niederlande erlebt?

Für mich war es ein Kulturschock. Plötzlich war ich in der Schule nur von einer Nationalität, nämlich Holländern, umgeben und vermisste mein internationales Umfeld, das mir vertraut war. Auch sprachlich hatte ich Probleme, denn Englisch hatte sich zu meiner Hauptsprache entwickelt in den vergangenen Jahren. Auf niederländisch zu lernen war sehr schwierig für mich, denn ich hatte es nie zuvor machen müssen.

Es wurde empfohlen, dass ich um ein Jahr zurückgestuft werde. Trotzdem wurde ich nicht versetzt. Das war sehr frustrierend für mich, denn all die Jahre zuvor war ich ein guter oder zumindest gut im Durchschnitt liegender Schüler. Mein Ziel war es aus dieser Schule herauszukommen und einen Weg zurück in ein internationales Umfeld zu finden.

Ein Fachabitur für das Hotelmanagement erschien mir eine gute Lösung zu sein, denn Gastronomie, Restaurants und Hotels gab es weltweit und dies würde für mich die „internationale Tür wieder öffnen“. So weit ist es trotz erfolgreichem Abschluss aber nie gekommen, weil ich doch eine andere Richtung gewählt habe. Im Nachhinein würde ich jedoch sagen, dass es eine sehr wertvolle Erfahrung war und mich diese Ausbildung für Serviceorientierung geprägt hat, was im Vertrieb unerlässlich ist. Und während meines Praktikums im Hotel de Paris in Monaco habe ich Genuss verinnerlicht, was auch sehr wichtig ist im Leben (lacht).

„Nach meinem Bachelor hatte ich direkt einen 

Berufseinstieg als Area Sales Manager.“

Du warst für den internationalen Vertrieb schon gut gewappnet, oder? Internationales Umfeld und Weltoffenheit, soziale Kompetenz, Flexibilität und Serviceorientierung hast du als Assets bereits mitgebracht. Wie ging es weiter mit deinem Karriereaufbau?

Da ich wusste, dass ich nicht in der Gastronomie arbeiten wollte, habe ich mich in die Internationale Business School in Amsterdam eingeschrieben. Dort fand ich das mir bekannte, internationale Umfeld wieder und fühlte mich wohl. Ein Teil des Studiums bestand aus einem Auslandsaufenthalt und ich wählte Singapore. Zu Singapore hatte ich eine besonders enge Beziehung, denn dort habe ich zwischen meinem 11. und 15. Lebensjahr gelebt. Diese Jahre waren sehr prägend für mich.

Das Auslandspraktikum wollte ich in Deutschland, in der Nähe von Arnsberg, wo meine deutsche Freundin lebte, absolvieren. Wir wollten für diese Zeit zusammenleben und mal schauen, wie sich unsere Beziehung entwickeln würde. Ich bekam eine Stelle für ein Vertriebspraktikum in der Exportabteilung bei Briloner Leuchten. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und die Geschäftsleitung war so zufrieden mit mir, dass sie mir anboten meine Bachelor-Thesis zum Thema „Business Development in die Beneluxländer“ zu schreiben. 

Nach meinem Bachelor im Jahr 2014 hatte ich somit direkt einen Berufseinstieg als Area Sales Manager bei Briloner. Das hat mich sehr gefreut, denn ich durfte das Konzept meiner Thesis umsetzen. Wer hatte schon direkt nach dem Bachelor eine Aufbauaufgabe mit ambitionierten Zielen? Es war sehr harte Arbeit, denn Briloner ist zwar einer der größten Leuchtenhersteller in Europa, aber es ist keine bekannte Marke. Ich habe den Marktführer in Benelux als Kunden gewinnen können und die wichtigsten Ziele mit Erfolg erreicht.

Was hat deinen Erfolg in jungen Jahren und ohne jahrelange Vertriebserfahrung bewirkt?

Du musst das Unternehmen, für das du tätig bist und die Produkte hervorragend kennen. Und du brauchst die Bereitschaft permanent zu lernen. Damit darf man nie aufhören und man ist auch nie zu alt dafür. Und natürlich gehören auch eine gute Portion Leidenschaft und Ehrgeiz zum Vertriebsjob. So bin ich bei Briloner aufgestiegen und habe die Verantwortung für weitere Regionen und internationale Key Accounts bekommen.

Du hast eine Chance bekommen, hast sie aber auch ergriffen und das Beste daraus gemacht. Wann hast du über einen Wechsel nachgedacht?

Es kam der Tag, an dem ich erst einmal entschied, meinen MBA endlich zu machen. Nach dem Bachelor hatte ich zu große Lust zum Arbeiten und hatte keine Motivation weiter zu studieren. 2019 wurde mein Sohn geboren, ich betreute zwei der größten internationalen Key Accounts, war Familienvater und studierte parallel 18 Monate lang für meinen Master. Das war eine sehr große Herausforderung, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass sie es wert war.

„Die Position des Head of Sales Global DIY reizte mich sehr.“

Hat das Erlangen des MBAs etwas in dir ausgelöst?

Nach dem MBA hatte ich das Gefühl reif zu sein. Irgendwie kribbelte es in mir, aber ich bin sehr loyal. Briloner hatte mir eine große Chance gegeben, es musste einen sehr guten Grund geben, um zu gehen. Nach dem MBA bekam ich regelmäßig Anrufe von Personalberatern. So bekam ich ein Angebot für eine Position bei Hansgrohe. Briloner ist ein sehr gutes Familienunternehmen, das einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe erzielt. Hansgrohe nennt sich zwar mittelständisches Unternehmen, hat jedoch Strukturen eines internationalen Konzerns und einen Jahresumsatz von fast 1,5 Milliarden Euro. Die Position des Head of Sales Global DIY reizte mich sehr und ich hatte das Glück diesen Job bekommen zu haben. Seit Juli 2022 bin ich für hansgrohe tätig.

Mein wichtigstes Learning vor unserem Gespräch war, die hansgrohe Group nicht zu verwechseln mit Grohe. Gründer der heutigen hansgrohe Group war Hans Grohe im Jahr 1901. Eure Firmengeschichte begann mit einem kleinen Drei-Mann-Betrieb im Kinzigtal. Heute seid ihr mit 5.600 Mitarbeitern weltweit präsent. 1934 hatte Friedrich Grohe, zweitältester Sohn des Gründers Hans Grohe, das Unternehmen seines Vaters verlassen und zwei Jahre später im westfälischen Hemer eine Armaturenfabrik übernommen. Dieses Unternehmen ist heute als Grohe bekannt und wird als eine Marke der japanischen Lixil Corporation geführt. Bei hansgrohe in Schiltach übernahm Klaus Grohe 1977 die alleinige Geschäftsführung und führte noch im selben Jahr den Markennamen hansgrohe ein und etablierte 1993 die Marke AXOR für das Luxus-Segment. Was genau gehört zum hansgrohe DIY (Do-it-yourself) Bereich, für den du verantwortlich bist?

Einfach ausgedrückt, Baumarktkonzerne, die zum größten Teil B2C, also Privatkonsumenten, bedienen. Somit bin ich für „das hansgrohe Schaufenster zur Welt“ verantwortlich, denn im DIY Kanal können unsere Produkte live gesehen, angefasst und ausprobiert werden. Das ist bei unseren anderen Vertriebskanälen oft nicht der Fall. Man nennt den DIY Bereich mittlerweile auch „Home Improvement Sector“.

Einige Baumarktketten erzielen mittlerweile einen erheblichen Teil ihres Umsatzes mit den Einkäufen von Installationsfirmen. Sie bieten den Profikunden besondere Serviceleistungen an, wie zum Beispiel separate Kassen, Kauf auf Rechnung oder B2B Rabatte.

„Wir arbeiten mit einem der wichtigsten Elemente 

unseres Planeten und das ist Wasser.“

Die hansgrohe Group und ihre Marken stehen für bahnbrechende Innovationen im Sanitärbereich. Der Firmengründer Hans Grohe hat bereits 1905 den ersten Brausekopf entwickelt. 1928 folgte die Handbrause mit Porzellangriff, die weit über Deutschlands Grenzen ein Bestseller wurde. 1934 erfand Hans Grohe die erste automatische Wannenablauf- und Überlaufgarnitur und 1953, im Alter von 82 Jahren, erfand er „Unica“, die Duschstange, die zur Sensation in der Sanitärwelt wurde. Wie geht ihr mit diesem Erbe um? An welchen Innovationen arbeitet ihr aktuell?

Wir arbeiten mit einem der wichtigsten Elemente unseres Planeten und das ist Wasser. Unsere Innovationen müssen Wasser- und Energieersparnis mit höchstmöglichem Komfort verbinden. Klaus Grohe, jüngster Sohn der Gründers Hans Grohe, hat z.B. schon 1987 die erste wassersparende Handbrause, Mistral Eco, entwickelt. Unsere Herausforderung besteht in Fragen der Nachhaltigkeit.

Wir stecken sehr hohe Investitionen, viel Mühe und Liebe in Innovation und Nachhaltigkeit, denn dafür stehen wir, das qualifiziert uns für das Premium Segment. Die Innovationen in der Hansgrohe Group bestehen in der Entwicklung wassersparender Produkte, ohne dass Verbraucher Einbußen beim Duscherlebnis spüren. 

Wir haben eine Innovationsabteilung, aber Innovation wird bei uns abteilungsübergreifend gelebt. Wir haben ein inhouse Forschungslabor, das sich mit dem perfekten Wasserstrahl und den entsprechenden Düsen an der Brause beschäftigt. Das Ziel ist immer ein Top Duscherlebnis mit so geringem Wasserverbrauch wie nur möglich.

„Ein “InnovationsBoard” entscheidet, welche Konzepte 

wir weiterfolgen oder stoppen.“

Entstehen alle Hansgrohe Innovationen nur inhouse und wer entscheidet welche Innovation umgesetzt wird?

Neben unserer Forschung & Entwicklung, haben wir ein sogenanntes InnoLab, das sich mit neuen Wachstumsmöglichkeiten außerhalb des Kerngeschäfts beschäftigt. Es gibt bei uns einen klar definierten Innovationsprozess, und der ist angelehnt an die Arbeitsweise von Start-ups, sprich: Die Teams genießen große Freiheit in der Erarbeitung von Konzepten. Bei diesem innovativen Geschäftsmodell gibt es alle drei Monate fixe Meilensteintermine, in denen die Teams Fortschritte präsentieren. Ein „InnovationBoard“ entscheidet, ähnlich einem Investor, welche Konzepte wir weiterverfolgen oder stoppen.

Ihr seid international sehr präsent. Neben dem Headquarter in Schiltach im Schwarzwald, seid ihr mit eigenen Produktionswerken seit 1995 in Frankreich, 1996 in den USA, 1996 in China sowie seit 2023 mit dem Hansgrohe Innovation Parc in Shanghai präsent und ebenfalls seit 2023 mit einem Produktionswerk in Serbien ansässig. Inwiefern entstehen Innovationen in den Tochtergesellschaften und wo liegen die Anforderungen und Herausforderungen?

Für uns gilt die Devise „Think global, act local“. Innovationen oder innovativer Input kommen von all unseren Firmensitzen und allen Mitarbeitern. Wir sammeln alles, denn sie basieren auf lokalen Bedürfnissen und Vorgaben und diese respektieren wir natürlich. Es gibt international und sogar teilweise national unterschiedliche Regulierungen in Bezug auf Wasser. In den USA hat die Westküste andere Gesetze als die Ostküste. Es gibt nicht ein Schema, das global anwendbar ist. Innovation macht nur Sinn, wenn sie lokal implementierbar ist.

„Innerhalb unserer Forschung & Entwicklung 

haben wir auch ein Soundlabor.“

Welche Vertriebskanäle gibt es bei Hansgrohe neben DIY noch?

Es gibt den e-commerce Kanal, also den klassischen Online-Handel. Dann gibt es den Großhändler Kanal für Profis als reinen B2B Kanal. Des Weiteren gibt es den Global Projects Kanal. Hier geht es um Residential Projekte, um die Einrichtung von Hotels und Kreuzfahrtschiffen, etc. Hier arbeiten wir eng mit Architekten und Designern zusammen.

Dazu gibt es eine schöne Geschichte zu den Kreuzfahrtschiffen. Auf den Kreuzfahrtschiffen sind die Kabinenwände in der Regel sehr dünn, was die Kabinen für Geräusch-Störungen anfällig machen kann. Innerhalb unserer Forschung & Entwicklung haben wir auch ein Soundlabor, in dem wir Strahlarten auf ihren Sound prüfen und sie hinsichtlich ihrer Akustik optimieren.

Ich bin begeistert! Ihr kümmert Euch also auch um den Sound aus der Hand-oder Kopfbrause? So etwas höre ich zum ersten Mal. Nochmal zurück zu den Innovationen bitte. Wie viel Digitalisierung gehört ins Badezimmer und welche Features gibt es schon oder wird es in Zukunft möglicherweise geben?

Wir haben Apps für die Badgestaltung. Mit diesen kann sich der Endverbraucher virtuell sein Bad nach seinem Gusto ausstatten. Für Smart Home affine Menschen gibt es das digitale Bad. Man kann hansgrohe RainTunes analog oder digital nutzen; Letzteres z.B. mit Dufttabletten, Soundboxen und Licht sein eigenes Duschszenario per App-Klick starten. Dazu gehört natürlich auch die passende Wassertemperatur und Strahlhärte. Das ist schon alles möglich. Andererseits ist für viele Menschen das Badezimmer der letzte Rückzugsort, in dem man nur entspannen möchte, ohne „online“ zu sein. 

Wie sieht der DIY Channel der Zukunft aus?

DIY ist am nächsten am Endverbraucher. Einer unserer Kunden aus einem Baumarktkonzern erzählte mir bei einem gemeinsamen Essen, dass in seinem Unternehmen nie von Zentrale oder Headquarter gesprochen wird. Sie nennen die Zentrale „Store Support Center“. Das klingt sehr serviceorientiert und stellt die Baumärkte in den Vordergrund, weil diese im direkten Kontakt zu den Kunden sind. So sehe ich das für uns auch, unsere lokalen Tochter Gesellschaften sind in der Regel in direktem Kontakt zu unseren Kunden, daher sollten wir uns in Schiltach nicht als HQ sehen, sondern als Subsidiary Support Center, das alles tut um dafür zu sorgen, dass diejenigen die im direkten Kontakt mit unseren Kunden sind, alles haben was sie brauchen um erfolgreich zu sein.

Das DIY-Geschäft entwickelt sich mehr und mehr zu einem Multi-Channel Vertrieb, wo über mehrere Touchpoints Geschäfte gemacht werden, nicht mehr ausschließlich im stationären Baumarkt. So sind DIY Retailer bereits lange dabei, ihre Onlineshops zu optimieren und ergänzen das Thema auch mit Market Places. Aber auch Showrooms werden von DIY Retail geschaffen, wo sie den Fokus auf B2B Geschäfte legen, sowohl in Form von Projekten als auch mit dem klassischen Handel und Installateuren.

Aus diesem Grund veranstalten wir zahlreiche Trainings mit Produktvorstellungen und Schulungen in den Baumärkten. Das Schlimmste ist, wenn der Verkäufer unsere Produkte nicht kennt und somit nicht erklären kann, was die Benefits sind. Wir brauchen hansgrohe Ambassadeure für unsere Marke und unsere Produkte, das ist mehr als das, was ein Verkäufer im klassischen Sinne tut. Auch in der hansgrohe Aquademie veranstalten wir Schulungen, Produktvorstellungen und Trainings für Handwerker, Installateure und Baumarkt Personal, und haben einen eigenen Loyalty Club nur für Handwerker und Installateure gegründet.

Es gibt zwei essenzielle Punkte: die hansgrohe Group ist international ein starkes Unternehmen, das mit ihren Marken hansgrohe und AXOR für Qualität, Design und Nachhaltigkeit steht und dem man vertraut. Mit der Marke hansgrohe präsentieren wir uns all unseren Zielgruppen als Premiummarke. Mit der Marke AXOR decken wir das Luxussegment ab.

Wow, ich habe sehr viel gelernt heute, lieber Hidde. Es war mir nicht bewusst, wie spannend die hansgrohe Firmengeschichte und Entwicklung ist. Danke dir vielmals, dass du deine interessante Sales Vita mit mir und unseren Lesern des Rocking Sales Blogs teilst. Und zum Schluss wünsche ich mir von dir noch einen Song für unsere Spotify Rocking Sales Playlist. Welcher Song hat für dich eine besondere Bedeutung, inspiriert dich oder beschert dir gute Laune?

Mein Sohn ist fünf Jahre alt und trainiert seit zwei Jahren Taekwondo. Wenn ich ihn fahre, hören wir im Auto Eye of the Tiger von Survivor zusammen. Das ist für mich ein großartiger Moment.

Liebe Rocking Sales Leser, Ihr möchtet mehr über Hidde Stilma und hansgrohe Group erfahren?
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Yin und Yang von IT und Sales

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Yin und Yang von IT und Sales

Zuhause am Küchentisch war IT ein Dauerthema. Anne Kleins Vater, ein leidenschaftlicher IT-Experte, gründete die agorum Software GmbH, ein Unternehmen, das sich auf die Digitalisierung von Geschäftsprozessen spezialisiert. Obwohl Anne früh von der IT-Welt fasziniert war, verfolgte sie ihren ursprünglichen Plan und begann eine Banklehre. Dort entdeckte sie schnell ihre Affinität für den Vertrieb, was ihr große Karrieresprünge und leitende Positionen im Bankwesen ermöglichte. Zunächst war es für sie undenkbar, für die Firma ihres Vaters und dessen Partner zu arbeiten.

Liebe Anne, agorum hat im November 2023 großes 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Du hättest theoretisch direkt in das Unternehmen, das dein Vater gegründet hat, einsteigen können. Warum hast du dich zunächst einmal dagegen entschieden?.

Das war nie wirklich ein Thema. Obwohl wir zuhause oft über die IT-Leidenschaft und Expertise meines Vaters gesprochen haben und ich bei der Firmengründung am Küchentisch dabei war, lag der Gedanke für mich damals fern. Der Unternehmensschwerpunkt lag ursprünglich anders: agorum startete als Handelsplattform und war damit ein Pionier auf diesem Gebiet, doch dann platzte die Dotcom-Blase.

Mein Vater und sein Partner kehrten zu ihren freiberuflichen Tätigkeiten als IT-Experten zurück und stellten fest, dass viele Unternehmen ein gemeinsames Problem hatten: Sie benötigten digitale Lösungen für ihre Dokumente, effiziente Ablageprozesse und definierte Zugriffsrechte für mehrere Mitarbeiter. Insbesondere ein Versicherungsunternehmen zeigte den hohen Bedarf an einer DMS/ECM-Softwarelösung.

„Nach der Arbeit setzen die beiden sich täglich zusammen und 

entwickelten eine neue Softwarelösung.“

Dann haben sie die Handelsplattform zugunsten des neuen Projekts komplett aufgegeben?

Nach dem Crash der Dotcom-Blase war klar, dass es mit der Handelsplattform zumindest vorerst nicht weitergehen würde. Nach der Arbeit setzten die Beiden sich täglich zusammen und entwickelten eine neue Softwarelösung. Sie haben das Dokumentenmanagementsystem zunächst als proprietäre (geschlossene) Software angeboten.

Das heißt sie sind tagsüber einer freiberuflichen Vollzeittätigkeit nachgegangen und haben nach Feierabend weitergearbeitet am Dokumentmanagementsystem für agorum? Wow! Ihr habt keine Investoren? Alles Selfmade als Sidepreneure aufgebaut?

Ja, wir sind komplett unabhängig und eigenfinanziert. Alles was agorum heute ausmacht haben sich mein Vater und sein Partner hart erarbeitet.

Wie viele Mitarbeiter seid ihr?

Wir sind derzeit 25 Mitarbeiter, aber wir wachsen kontinuierlich und mittlerweile auch recht schnell.

„Wir finanzieren uns selbst und wachsen aus eigener Kraft.“

Wie hoch ist euer Umsatz?

Derzeit liegt unser Jahresumsatz bei etwa 2,7 Millionen Euro und steigt ebenfalls an. Im Vergleich zu unseren Wettbewerbern sind wir noch relativ klein, aber wie gesagt, wir finanzieren uns selbst und wachsen aus eigener Kraft, während unsere Wettbewerber große Investoren im Rücken haben.

Ich ziehe meinen Hut. Was hat dich letztendlich veranlasst doch bei agorum einzusteigen?

Die Zeit dafür war wohl einfach reif. Nachdem ich mehrere Bankfilialen geleitet, parallel studiert und mich kontinuierlich weitergebildet hatte, sowie zwischendurch drei Jahre lang intern in der IT der Bank gearbeitet hatte, wurde mir klar, dass ich zwar weiterhin die IT liebte, aber mein Herz schlug für den Vertrieb und den persönlichen Kundenkontakt. Mein Vater und sein Partner sind exzellente IT-Experten, jedoch fehlte ihnen jemand im Vertrieb. Nach meiner Zeit im Bankwesen und meiner gewonnenen Vertriebserfahrung brannte ich darauf, einzusteigen. 2015 war einfach der perfekte Zeitpunkt.

Erkläre mir bitte nochmals genau, was ihr anbietet. Für mich alles Technische bitte in Kindersprache (lacht).

Mein Vater und Oli haben anfangs eine proprietäre (geschlossene) Software für das Dokumentenmanagement entwickelt und angeboten. Jedoch erkannten sie bald, dass diese Lösung aufgrund ihrer Abhängigkeiten nicht ihren eigenen und den Anforderungen entsprach, die sich für die Kunden von agorum wünschten. Deshalb entschieden sie sich, auf Open-Source-Komponenten umzusteigen und entwickelten agorum core. Dieses System verwenden wir bis heute.

agorum core ermöglicht es Unternehmen, ihre Dokumente digital zu verwalten, zu organisieren und sicher aufzubewahren. Es automatisiert Prozesse rund um die Dokumentenverarbeitung und ermöglicht es verschiedenen Mitarbeitern, entsprechend ihrer Rolle auf Dokumente zuzugreifen und mit ihnen zu arbeiten. Zusätzlich bietet agorum core verschiedene Module an, die je nach den spezifischen Anforderungen des Unternehmens hinzugefügt werden können. Im Jahr 2008 haben wir außerdem eine Grundversion von agorum core open als Open-Source-Software veröffentlicht, um der Community etwas zurückzugeben. Diese Basis-Version ist weiterhin kostenlos und kann von unserer Webseite heruntergeladen werden.

„Obwohl wir ein kleines Unternehmen sind, sind wir hoch qualifiztiert

und arbeiten auch mit sehr großen Kunden.“

Womit verdient ihr Geld?

Unser Kerngeschäft ist die individuelle Implementierung von der Bezahlversion agorum core pro beim Kunden. Dieses System bietet zahlreiche Zusatzmodule, die vielfältige Anpassungen ermöglichen und mit den Anforderungen der Kunden wachsen können. Es umfasst die vollständige Digitalisierung und Automatisierung von Dokumenten, Archiven und digitalen Postfächern, wobei firmenspezifische Prozesse wie Zugriffs- und Zeichnungsrechte berücksichtigt werden. Obwohl wir ein kleines Unternehmen sind, sind wir hoch qualifiziert und arbeiten auch mit sehr großen Kunden. Außerdem kooperieren wir mit verschiedenen IT-Dienstleistern, die Ihren Kunden mit agorum core pro maßgeschneiderte Lösungen anbieten.

Wie setzt ihr euch gegen den Wettbewerb durch?

Unser Fokus liegt zwar auf Digitalisierung, doch unser Vertrieb steht für Zuhören und Menschlichkeit. Alle unsere Mitarbeiter haben stets die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden im Blick. Wir ziehen alle an einem Strang und sehen uns als exklusive Boutique in unserem Bereich, die sich intensiv um die Wünsche und Projekte ihrer Kunden kümmert. Die letzten Jahre waren harte Arbeit, aber jetzt sind wir hervorragend aufgestellt.

„80% der Verbesserungsvorschläge unserer Mitarbeiter setzen wir auch um.“

Wie motiviert ihr eure Mitarbeiter?

Viele arbeiten remote, wir sehen uns nicht täglich. Da ist die Herausforderung einen Zusammenhalt zu bilden besonders groß. Wir kommunizieren einfach regelmäßig. Spezielle Techniken haben wir bei unserer Größe nicht entwickelt, aber wir hören jedem zu und ca. 80% der Verbesserungsvorschläge setzen wir auch um. Einmal im Monat treffen wir uns alle und grillen oder essen zusammen. Dieser persönliche Austausch ist sehr wichtig.

Es ist doch eher eine Männerdomäne, in der du tätig bist. Haben dich die männlichen Kollegen und Kunden gleich akzeptiert?

Ja, es ist tatsächlich noch eine Männerdomäne, aber ich habe bisher keine Probleme erlebt. Ich teile mir die Betreuung meiner beiden Kinder, 7 und 4 Jahre alt, mit meinem selbstständigen Mann. An drei Nachmittagen pro Woche übernimmt er, an zwei Nachmittagen ich. Seit 2018 ist auch meine Schwester in der Firma. Sie ist ebenfalls Mutter, und zeitweise haben wir uns die Vertriebsaufgaben geteilt, wobei es sich um eine Position handelte, die als 1,5 Stellen angesehen werden könnte. Aktuell ist Nina im Projektgeschäft tätig, während ich im Vertrieb bleibe. Unsere Mutter ist die gute Seele in der Firma und arbeitet ebenfalls mit. Wir haben auch viele weitere weibliche Mitarbeiterinnen. Allerdings waren wir bei den agorum-Partnertagen die einzigen Frauen, von Partnerseite kamen nur Männer.

Habt ihr Expansionspläne?

Ja, definitiv. In den letzten Jahren haben wir intensiv an unserem Wachstum gearbeitet und konzentrieren uns nun darauf, unser Partnernetzwerk weiter auszubauen. Wir haben bereits einen Partner in der Schweiz und als nächstes steht Österreich auf unserer Agenda. Unser Ziel ist es, die DACH-Region optimal zu bedienen. Mit unserem enormen Potenzial sind wir zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen.

Liebe Anne, herzlichen Dank für das offene Gespräch. Ich wünsche dir, dass du auch weiterhin den Sales bei agorum erfolgreich rockst!

Danke Hermina, das Gespräch mit dir hat richtig Spaß gemacht. Mein liebster Songs ist übrigens “Auf uns” von Andreas Bourani.

Liebe Rocking Sales Leser, Ihr möchtet mehr über Anne Klein und agorum erfahren?
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Titelbild - Blogbeitrag. Emotionale Intelligenz ist für den Vertrieb essenziell mit Katharina Kirsch de Fernandez, Senior Vice President bei International des Verbands ARGE Neue Medien

Keine Angst vor „kaltem Wasser“

Blogbeitrag. Emotionale Intelligenz ist für den Vertrieb essenziell mit Katharina Kirsch de Fernandez, Senior Vice President bei International des Verbands ARGE Neue Medien

Keine Angst vor „kaltem Wasser“

Katharina Kirsch de Fernandez lebt so international, wie ihr Name klingt. Sie ist in der Schweiz, wo ihr Vater als Generalvertreter der Deutschen Bundesbahn tätig war, geboren, ihr Ehemann ist gebürtiger Kolumbianer, ihre ältere Tochter wurde in Barcelona geboren, die jüngere erblickte im Sauerland das Licht der Welt. Und so bunt und international wie Katharinas Privatleben, haben sich auch die Ausbildung und Karriere der heutigen Senior Vice President International des Verbands ARGE Neue Medien entwickelt.
Liebe Katharina, nach den ersten Sätzen unseres Gesprächs, haben wir bereits einige Gemeinsamkeiten entdeckt. Trotz drei Fremdsprachen, die wir beide in der Schule gewählt hatten, hatten wir den Gedanken nach dem Abitur Jura zu studieren. Während ich mich kurzfristig doch für das Romanistik Studium entschieden habe, hast du zunächst Rechtswissenschaften studiert.

Ich bin ja schon in der Schweiz, wo wir bis zu meinem 8. Lebensjahr gelebt haben, zweisprachig aufgewachsen. Schwyzerdütsch haben wir im Kindergarten und mit Freunden gesprochen und Hochdeutsch zu Hause. Die Familie väterlicherseits stammt aus der Gegend um die französische Grenze, somit war unsere Familie schon immer sehr frankophil. Ich habe mich gefreut, dass ich auf dem Gymnasium in Mainz Französisch als erste Fremdsprache wählen konnte und Englisch als zweite. Zu meiner Herzenssprache hat sich jedoch Spanisch entwickelt, meine dritte Fremdsprache an der Schule.

Trotz meiner Liebe für Fremdsprachen, habe ich mich mit einem idealistischen Ansatz für Jura entschieden, weil ich für Gerechtigkeit kämpfen wollte. Nun, meine Praktika in verschiedenen Kanzleien ernüchterten mich insofern, dass dort die Rechtsanwälte tagein tagaus hinter dem Schreibtisch saßen und nicht täglich im Gerichtssaal standen. (lacht). Mein Auslandsaufenthalt in Valencia, ich habe am Erasmus Programm teilgenommen, hat mich sehr geprägt. Ich habe mich in Spanien verliebt und mein Ziel war, eines Tages zurückzugehen und dort zu leben. Mit meiner Entscheidung das Jurastudium abzubrechen, bzw. den Studiengang zu wechseln, habe ich zwar meinen Eltern das Herz gebrochen, aber mir wurde klar, dass Jura nicht mein Fach war.

„Es ist so wichtig schon in jungen Jahren die Komfortzone zu
verlassen, denn so werden resiliente Menschen geformt.“

Was hat dich an Spanien so fasziniert?
Das Land, die Menschen, die Sprache, einfach alles. Aber aus heutiger Sicht auch die Erfahrungen, die ich sammeln durfte. Die Welt ist heute viel vernetzter, aber damals hatten wir kaum Internet, keine Handys, nicht die gleiche Währung. Wir sind in Valencia gelandet und mussten schauen, wie wir klarkommen. Ein Bankkonto im Ausland eröffnen oder eine Wohnung finden waren Herausforderungen, wir mussten uns als junge Menschen durchschlagen. Es ist so wichtig schon in jungen Jahren die Komfortzone zu verlassen, denn so werden resiliente Menschen geformt. Ein Jahr Erasmus Programm hat aus mir einen stärkeren Menschen gemacht.
Kanntest du damals bereits deinen Ehemann?
Nein, ich habe meinen Mann in Heidelberg kennengelernt, wie man so schön sagt, habe ich mein Herz tatsächlich in Heidelberg verloren. Nachdem ich mich von Jura als Studienfach verabschiedet hatte, habe ich mich in Heidelberg am Romanistik Institut für Französisch, Spanisch und Sprachwissenschaft eingeschrieben und habe parallel zu den Sprachen Volkswirtschaft und öffentliches Recht studiert. Ich liebe neben den Emotionen, die Sprachen auslösen können, auch das analytische Denken und die mathematische Logik. Man versucht Menschen immer gerne in Schubladen zu kategorisieren nach dem Motto entweder oder. Ich aber mag beides, für mich ergänzen sich die unterschiedlichen Disziplinen ganz wunderbar.
Was hat deinen Mann aus Kolumbien nach Deutschland geführt?
Mein Mann ist Jurist und er ist nach Deutschland gekommen, um seinen LLM zu machen und natürlich, um die Sprache zu lernen. Er hat ebenfalls sein Herz in Heidelberg verloren – (lacht) – und wir haben in der gleichen Kirche geheiratet wie meine Eltern dreißig Jahre zuvor.

„Wir hatten weder einen Job, noch eine Wohnung,
haben einfach ein One-Way-Ticket gebucht.“

Wie erging es euch als frisch Verheiratete und dir als frische Absolventin?
Für mich war schon klar, bevor ich meinen Mann kennengelernt hatte, dass ich nach dem Studium zurück nach Spanien wollte. Für ihn war Spanien allein schon aufgrund der Sprache perfekt. Gemeinsam haben wir entschieden in Barcelona bei Null anzufangen. Wir hatten weder einen Job, noch eine Wohnung, haben einfach ein One-Way-Ticket gebucht. Mit jeweils 20 Kilogramm im Koffer freuten wir uns riesig auf unser neues Leben in der wunderschönen Stadt am Meer. Dass unser Umfeld uns für verrückt hielt, war uns egal.
Ich liebe solche Geschichten! Wie ging es weiter?
Ich habe mich auf jede Anzeige beworben, wo etwas mit deutscher Sprache in den Anforderungen stand. Mein Studienabschluss war ja kein richtiger Beruf. Aber ich hatte viele Praktika gemacht, hatte gelernt zu koordinieren und mich zu organisieren, denn mit mehreren parallellaufenden Studiengängen kann das ganz schön herausfordernd sein. In einem Bewerbungsgespräch in der Elektrobranche, habe ich anstatt der Stelle, auf die ich mich beworben hatte, eine verantwortungsvollere und höher dotierte Position angeboten bekommen. Es war ein großes Glück meinem damaligen Chef begegnet zu sein. Er war ein wunderbarer Mensch und Unternehmer und nahm für mich die Rolle eines Mentors ein.

„Hier sind dein Laptop und dein Handy.
Mach, du kannst es!, sagte mein Chef zu mir.“

Was war das für ein Unternehmen?

Die Firma vertrieb Metall- und Kunststoffrohre für die Elektroinstallation. Wenn du in Parkhäusern oder an Flughäfen an die Decke schaust, siehst du sie. Sie hatten einen wichtigen großen Kunden in Deutschland gewonnen und brauchten eine Mitarbeiterin, die Deutsch sprach. So wurde ich Sales Manager für Mittel- und Osteuropa. Hier sind dein Laptop und dein Handy. Mach, du kannst es!, sagte mein Chef zu mir. 

Er scheint etwas in mir gesehen zu haben, das ich selbst noch nicht erkannt hatte. Und ich habe gemacht! Mit unzähligen Fragen und Eigenrecherchen habe ich mich durchgekämpft. Jedes Produkt habe ich förmlich auseinandergenommen, den kompletten Prozess der Herstellung gelernt. Ich habe mich sogar in Galvanik eingelesen, denn ich habe Kataloge erstellt und die Texte der Beschreibungen wollte ich perfekt haben.

Wie sollte ich verkaufen, wenn ich das Produkt nicht im Detail kenne? Wir waren ein Unternehmen mit kleiner Struktur und ich habe mich mit allem beschäftigt und habe eigenständig Lösungen gefunden. Nach einem Jahr stieg ich zum Export- und Marketing Director auf und hatte mir unglaublich viel Wissen angeeignet.

Das nenne ich mal einen Sprung ins kalte Wasser. Warum verlässt man eine so wunderschöne Stadt wie Barcelona?

Die Finanzkrise 2008 / 2009 hat Spanien in eine sehr tiefe Krise katapultiert. Ich war mit unserer ersten Tochter schwanger und die Unternehmen, für die wir tätig waren, waren beide von der Krise schwer betroffen. Mein Mann war für Engel & Völkers tätig, unsere Firma hing auch vom Immobilienbau ab und unser Exportgeschäft war noch im Aufbau, wir hingen von den Investoren in Spanien ab.

Diese dramatische Zeit, hat mir gezeigt, wie gut wir es in Deutschland haben. In Spanien gab es kein soziales Netz, kein Kindergeld, kein Elterngeld und ich habe bis zu einem Tag vor der Geburt gearbeitet. Um uns herum verloren die Menschen ihre Arbeit, ihre Häuser, weil sie die Kredite nicht mehr zahlen konnten, und es spielten sich Tragödien ab, Selbstmorde und sehr vieles mehr, das uns erschütterte. Auch wir haben zwei Monate kein Gehalt bekommen, weil die Wirtschaft lahmgelegt war. Es war Zeit nach Deutschland zurückzukehren.

Wie gestaltete sich die Rückkehr?
Ein Führungsverantwortlicher meines Kunden, hatte mir bei meinem Besuch des Unternehmens in Spanien gesagt, ich solle mich melden, wenn ich jemals nach Deutschland zurückkehren würde. Das habe ich getan und ich bekam direkt einen Vertrag. Diese Position wurde für mich neu erschaffen. Die Firma saß im Sauerland und meine Eltern hatten Wohnungen für uns besichtigt. Wir haben unsere Wohnung zum ersten Mal beim Einzug gesehen.

„Es ist nicht einfach Karriere und Familie zu verbinden.
Rückblickend frage ich schon, wie ich das alles geschafft habe.“

Aber du hattest direkt einen Job, von daher ist ja erst einmal alles gut gegangen, oder? Hatte dein Mann auch direkt eine Arbeitsstelle?

Für ihn gestaltete sich die Arbeitssuche schwierig. Das Sauerland ist nicht Frankfurt oder Hamburg, wo internationale Juristen eher gesucht werden. Er hat eine Umschulung gemacht. Wir mussten einfach starten und ich war die Hauptverdienerin. Natürlich bin ich unzähligen Vorurteilen begegnet. Das Unternehmen, für das ich tätig war, bestand seit 100 Jahren und ich war die erste Frau im Produktmanagement. Klar wurde hinter meinem Rücken getuschelt, weil meine Tochter erst ein halbes Jahr alt war und ich Vollzeit arbeiten ging, aber unsere Tochter war ja bei ihrem Vater, ich habe sie ja nicht irgendwo ausgesetzt. 

Ich habe gelernt, dass auch schwierige Momente im Leben wichtig sind. Es ist nicht einfach Karriere und Familie zu verbinden. Rückblickend frage ich schon, wie ich das alles geschafft habe. Vielleicht, weil mein Fokus nie auf dem Problem lag, sondern auf der Lösung des Problems.

Wie hast du dich organisiert, um Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Meine Eltern lebten nicht in der Nähe. Wir hatten keine Familie, die uns hätte unterstützen können. Wir hatten Glück für unsere Töchter eine wunderbare Tagesmutter gefunden zu haben. Unterstützt haben wir berufstätigen Frauen uns untereinander. Wir waren nur drei, zwei davon mit Migrationshintergrund, die es von zu Hause kannten, dass Mütter arbeiten gehen. 

Es hat sich zwar mittlerweile einiges getan, aber auf dem Land herrscht immer noch die deutsche Denke, dass Frauen mit den Kindern zu Hause bleiben. Das ist auch völlig in Ordnung, wenn eine Frau sich dafür entscheidet. Ich hatte jedoch keine Wahl, ich musste Vollzeit arbeiten und das haben Frauen, die zu Hause sind, mitunter verurteilt. Man lernt sich zu organisieren, aber wenn jemand krank ist oder etwas anderes Unvorhergesehenes eintritt, bricht das mühsam aufgebaute Gerüst zusammen. Nach ein paar Jahren stand der Umzug ins Saarland an die französische Grenze in die Nähe meiner Eltern als nächste Station an.

„Die Unterschiede zwischen Mittelstand und
internationaler AG sind nicht von der Hand zu weisen.“

Wohin bist du gewechselt?
Ich bin ins Marketing gewechselt zu Villeroy & Boch. Von Elektro ging es zu Sanitär und von einem solventen Familienunternehmen in einen internationalen Konzern. Das war eine Horizonterweiterung. Die Unterschiede zwischen Mittelstand und internationaler AG sind nicht von der Hand zu weisen. Mein Alltag als International Trade Marketing Managerin war unglaublich spannend und schön, aber auch sehr arbeitsreich. Uns als Familie hat der Wechsel sehr gutgetan. Wir fühlen uns hier wohl und sehen meine Eltern regelmäßig.
Heute bist du als Senior Vice President International beim Verband Arge Neue Medien. Vom spanischen Unternehmen, zum deutschen Mittelstand, zum deutsch-internationalen Konzern und jetzt zum Verband, liebe Katharina, du liebst die Sprünge ins kalte Wasser wirklich (lacht). Ich bin jetzt gespannt, was du uns von deiner aktuellen Tätigkeit erzählst. Wie viele Mitarbeiter seid ihr bei Arge und was reizt dich an deiner aktuellen Position?

Das Spannende war für mich, dass es auch diese Position vorher nicht gab. Jede Stelle, die ich bisher besetzt habe, gab es in dieser Form vorher nicht. Damit tritt man keine Nachfolge an, sondern kann neugestalten und umsetzen. Das macht den Reiz für mich aus. Ich bin sehr begeisterungsfähig und freue mich Weichen neu stellen zu dürfen. Wie in Barcelona zu Beginn meiner Karriere, tauche ich in meine Aufgaben, Produkte und Dienstleistungen komplett ein. Ich kann mich sogar für Rohre und Klemmen begeistern, wenn ich verstehe welche Lösung sie bieten.

Wir sind um die 15 Personen in der Geschäftsstelle und betreuen 126 noch überwiegend deutsche Hersteller aus der Sanitär, Heizung und Klima Branche. Der Verband wurde vor 36 Jahren gegründet und weitet seinen Wirkungskreis seit etwa 5 Jahren international aus. Unsere Aufgabe liegt primär auf der Prozessoptimierung und Standardisierung von Produktstammdaten in einer Datenbank auf die unsere Zielgruppen, der Großhandel, die Installateure und Architekten und Planer Zugriff haben. Das ist eine sehr facettenreiche Aufgabe, denn der Datenaustausch stellt uns international vor Herausforderungen, da jedes Land unterschiedliche Formate und Richtlinien verwendet. Jedes der 14 Länder außerhalb Deutschlands analysieren wir individuell, denn wir können ihnen nicht neue Vorgaben einfach überstülpen.

Was macht guten Vertrieb für dich aus?

Es sind mehrere essenzielle Punkte und Anforderungen aus meiner Sicht.

  1.  Kompetenz Die erste Anforderung ist für mich, dass man das Produkt, das man verkauft beherrscht. Damit meine ich nicht nur USPs herunterbeten, sondern alle Prozesse der Entwicklung und Fertigung kennen und alles, was noch im Hintergrund dazu gehört. Niemand hat die Zeit dir alles beizubringen, du musst es selbst wollen und dir die Informationen aus eigenem Interesse zusammensuchen.
  2. Begeisterung Wenn du von deinem Produkt nicht 100% überzeugt bist, kannst du noch so ein guter Schauspieler sein, der Kunde wird es spüren. Begeisterung kann auch durch Produktkenntnis entstehen. Wenn du verstehst, welche Lösung dein Produkt bietet.
  3. Emotionale Intelligenz Das ist ein essenzieller Faktor, der bei sehr vielen Vertriebsmanagern leider nicht existiert. Egal wie einzigartig dein Produkt sein mag, wenn es das Problem des Kunden nicht löst, ist es nutzlos für diesen Kunden. Du musst deinen Kunden und seine Aufgaben im Unternehmen verstehen. Welches Problem kannst du lösen? Nur darum geht es. Ich habe schon erlebt, dass durch das Gespräch klar wurde, das ein ganz anderes Produkt aus unserem Portfolio viel besser passte, welches ich zuvor gar nicht in Erwägung gezogen hatte. Dies erfordert emotionale Intelligenz. Du musst intuitiv schalten und das Gespräch in eine andere Richtung lenken. Empathie, die Fähigkeit sich in sein Gegenüber hineinfühlen zu könne, bietet gerade in den Bereichen Vertrieb und Marketing viele Vorteile. Ich weiß bis heute nicht, ob man das lernen kann.
  4. Interkulturelle Kompetenz Im internationalen Kontext ist diese sehr wichtig. Ich erinnere mich, wie enttäuscht die Spanier von den Meetings mit deutschen Kunden waren. Sie kamen, machten sofort das Laptop auf, fokussierten sich auf das Meeting und danach ging es sofort zurück zum Flughafen. Die Einladung zum Essen haben sie aus Zeitgründen nicht angenommen. In Spanien ist es sehr wichtig sich auch persönlich kennenzulernen. Dieser wichtige Part wird in unserer schnelllebigen Zeit sehr unterschätzt.
  5. Kommunikation Bei allem ist aber die Kommunikation das A und O. Sachverhalte didaktisch und in möglichst einfachen Worten rüberzubringen und miteinzukalkulieren, dass der Gesprächspartner vielleicht einen anderen fachlichen, kulturellen, sprachlichen oder persönlichen Hintergrund hat, ist essenziell für die Kommunikation. Mit einer wertschätzenden und positiv konnotierten Wortwahl lassen sich Sachverhalte so rüberbringen, dass sie beim Gegenüber eher im Gedächtnis bleiben und ein Dialog viel besser gelingt. Dazu gehört auch „echtes“ Zuhören, also das Aufnehmen der vom Gegenüber angebrachten Punkte, nicht nur das Abwarten des eigenen nächsten Gesprächsbeitrags.

„Daten und Technik sind wichtig, Verbindungen
werden jedoch durch Menschen geschaffen.“

Vielen Dank für die ausführliche Schilderung. Wie lebst du persönlich die erwähnten Punkte?

Ich muss mich dafür nicht verstellen. Bei mir gelten die gleichen Regeln für Kunden und für Mitarbeiter und Kollegen. In Video-Calls hatte sich mein Team aus London, Paris, Moskau, Warschau etc. zugeschaltet und manchen bin ich noch nie persönlich begegnet. Neben dem primären Ziel der Zusammenarbeit interessiert mich immer der Mensch dahinter. Und wenn ich weiß, wie es jemandem persönlich geht, seiner Familie, den Kindern, dem Hund oder der Katze, hat man eine viel bessere Ebene für ein harmonisches Miteinander und auch für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Daten und Technik sind wichtig, Verbindungen werden durch Menschen geschaffen.

Erst in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass das Hineinfühlen können und wollen in Andere nicht selbstverständlich ist, obwohl es das für mich ist. Häufig frage ich mich, warum wir nicht respektvoller miteinander umgehen. Warum fällt es manchen Menschen mitunter so schwer einfach offen und freundlich aufeinander zuzugehen? Was ist so schwer daran, zu versuchen die Sichtweise des Gegenübers einzunehmen und Kompromisse zu finden? Du gewinnst nicht, wenn du Menschen schlecht behandelst, auch wenn du denkst, du hättest gewonnen. Langfristig führt das nicht zum Erfolg.

Danke dir liebe Katharina für das tolle Gespräch. Meine Abschlussfrage an dich: Zu welchem Song rockst du?
Danke dir für die Einladung Hermina. Mein liebster Songs dafür ist “Fruta Fresca” von Carlos Vives.
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Die Bier Digitalisierer

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Vor fünf Jahren haben die Digitalisierungsexperten Julian Kowatsch, Sebastian Portera, Stefan Partheymüller und Anton Zeller das Münchner Start-up Initics mit dem Schwerpunkt auf EDI, elektronischem Datenaustausch, gegründet. Seit einem Jahr ist David Zabel nicht nur als Sales Manager an Bord gekommen, sondern auch als erfahrener Experte aus der Getränkeindustrie, denn das Initics Team hat einen interessanten Bedarf erkannt und hierfür eine App entwickelt und bereits bei mehreren Kunden erfolgreich implementiert.

Lieber David, ich freue mich sehr, dass du Zeit gefunden hast, um mir von eurem Projekt zu erzählen. Initics ist ursprünglich als EDI Anbieter für den Mittelstand gestartet, doch dann etwas vom Weg abgekommen, oder?

Klar hat jeder den Traum direkt mit eigenen Produkten und Entwicklungen durchzustarten. Ohne Investoren und hohe Kredite ist das in einem Markt mit so einem starken Wettbewerb kaum möglich. Deshalb haben die Gründer ganz konservativ ihren Lebensunterhalt zunächst als Dienstleister für SAP generiert und die Gewinne in die parallele Entwicklung eigener Softwares und Apps investiert.

Ich finde es eher beruhigend, dass es auch ein paar konservative Unternehmer im Markt gibt, die ihr Unternehmen nach und nach durch ihre Leistung aufzubauen. Es gibt ja auch zahlreiche Sidepreneure, die parallel zu ihrem Business einer Festanstellung nachgehen, bis ihre Idee auf festen Füßen steht. Ist im SAP Dienstleister Bereich der Wettbewerb nicht auch enorm? Ich habe gehört, dass es in Deutschland an die 200 Partner gibt.

Es müssten viel mehr sein. 200 sind allein die offiziellen Dienstleister und dazu gehören wir nicht. Ich schätze, dass SAP nur in Deutschland hat einen Marktanteil zwischen 40-60% hat. Wir sind sehr ausgelastet und betreuen unterschiedliche Projekte bei Kunden, nicht nur im SAP Bereich. Das hat uns ermöglicht neue Produkte querfinanzieren zu können.

„Mittlerweile ist die App marktreif und in mehreren Brauereien 

und bei Getränkegroßhändlern implementiert.“

Du bist als fünfter im Bunde Sales Manager bei Initics, kommst jedoch als einziger in eurem Team nicht aus dem IT Bereich, sondern aus der Getränkeindustrie und Getränkewirtschaft. Wie fühlst du dich im Sales eines IT Unternehmens?

Bei nur fünf Mitarbeitern, kann ich mich nicht rein auf das Verkaufen fokussieren. Es ist eher so, dass wir gemeinsam unser neues Produkt, eine B2B App für mittelständische Brauereien mit eigener Logistik entwickelt haben. In dieses Projekt konnte ich sehr gut meine Expertise und Erfahrung aus der Getränkeindustrie einbringen, denn gerade das Brauereigeschäft ist sehr komplex. Wir haben mit fünf Brauereien ein Pilotprojekt aufgesetzt und unsere App getestet. Die Erfahrungen haben wir ausgewertet und das Produkt sukzessive weiterentwickelt und optimiert. Mittlerweile ist die App marktreif und in mehreren Brauereien und Getränkegroßhändlern implementiert.

“Das Thema ist nicht nur groß, sondern sehr komplex, da haben wir 

ein großes Fass aufgemacht.”

Spannend! Ich kenne die Komplexität von Bierbrauereien, da ich vor vielen Jahren selbst in einem großen Projekt involviert war. Regionalität, verschiedene Flaschengrößen, Umverpackungen, das ist herausfordernd. Gibt es in diesem Bereich weniger Wettbewerb?

Wir haben uns nicht auf die Konzerne, sondern auf den Mittelstand fokussiert. Die großen Lösungen für Konzerne gibt es bereits. Vor ca. zwanzig Jahren starteten die ersten Schritte in Richtung Digitalisierung bei den mittelständischen Brauereien und jene, die damals aufgesprungen sind, arbeiten immer noch mit den gleichen Systemen. In diesen zwanzig Jahren gab es im Mittelstand keinen gravierenden Fortschritt. Viele kleinere Brauereien wurden jedoch aufgekauft und im Anschluss an die großen Systeme der Investoren oder Käufer angeschlossen. Man glaubt nicht, wie viele Brauereien es gibt und noch mehr Getränkegroßhändler. Das Thema ist nicht nur groß, sondern sehr komplex, da haben wir ein großes Fass aufgemacht (lacht). 

Es gibt natürlich Wettbewerber, wie in allen Bereichen, aber die meisten sind Plattformlösungen. D.h. die Brauerei gibt ihre Daten in ein System ein, in dem ihr Wettbewerb oder die Metro sie ebenfalls eingeben. Dahinter verbirgt sich meistens ein großer Konzern oder sogar eine noch größere Brauerei. Klar wird Datenschutz zugesichert, aber wenn es meine Brauerei wäre, würde ich ein kleineres eigenes System doch bevorzugen, zumal ich es auf meinen Bedarf zuschneiden lassen kann. All dies waren unsere Gedanken bei der Entwicklung unserer App.

Kann es sein, dass zum Teil im Mittelstand in Bezug auf Digitalisierung noch ein recht hohes Maß an Naivität herrscht?

Ich würde es nicht Naivität nennen, es ist einfach nicht ihr Fokus. Im Inhabergeführten Mittelstand kümmert man sich eher noch um das Tagesgeschäft, welches sehr hohe Anforderungen mit sich bringt. Für die Digitalisierung bleibt da manchmal einfach keine Zeit. Der Getränkefachgroßhandel ist etwas digitaler unterwegs.

Für welche Art von Brauerei kommt eure App vorrangig in Frage?

Im ersten Schritt sprechen wir mittelständische Brauereien mit eigener Logistik an.

“Wir können die App sehr fix installieren und dann individuell an 

die Bedürfnisse von Brauereien anpassen.“

Was sind konkrete Vorteile eurer App?

Sie wird per Schnittstelle an bestehende Systeme angeschlossen und ist mit allen gängigen bestehenden Systemen kompatibel. Im Prinzip ist sie eine Erweiterung der Systeme. Wir können sie sehr fix installieren und dann individuell anpassen, denn wie gesagt, das Brauereigeschäft ist sehr komplex. Es gibt viele Feature zwischen saisonal, regional, Kasten, Sixpack, Flasche, Dose, etc. die wir alle berücksichtigen und programmieren können. Brauerei, Getränkefachgroßhandel und die Gastronomie, also die gesamte Lieferkette bis zum Endverbraucher kann eingebunden werden.

Können nur Produkte zur Bestellung erfasst werden oder ist auch eine Außendienstunterstützung implementiert, wie zum Beispiel der Abruf von Werbemitteln. Diese sind im Brauereigeschäft ebenfalls ein großes Thema.

Das ist eine sehr gute Frage und es herrscht bei unseren Kunden auch Bedarf an der Einbindung des Außendienstes und der Werbemittel. Wir denken auch über eine Lösung nach, mit der die Gastronomie je nach Umsatz die Höhe der freien Werbemittel kommuniziert bekommt und diese eigenständig wählen und bestellen kann. Die Architektur unserer App gibt diese Dienstleistung auf jeden Fall her, aber es müssen individuelle Feature programmiert werden und das fällt nicht in das Basis Pricing.

Jetzt kannst du als Sales Manager ja richtig loslegen, oder?

Die Getränkebranche ist sehr schön und es wäre ein Traum, wenn wir mit unserer App genug money machen würden, um nur in dieser Branche tätig zu sein. Im Moment bilden wir erst einen Miniprozentsatz der Unternehmen ab, denen wir mit unserer Software helfen könnten. Noch steht die App nicht auf eigenen Beinen. Wir haben sie jedoch von vornherein von der Logik her mit Blick auf alternative Branchen aufgebaut, die ebenfalls noch nicht vollends digitalisiert sind.

Derzeit sind wir mit vielen Brauereien im Gespräch und auch mit dem Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA. Das Feedback, das wir bekommen ist hervorragend. Parallel optimieren wir immer weiter und versuchen so viel wie möglich über die Bedürfnisse der Nutzer und potenziellen Nutzer zu erfahren, um Lösungen in die App einzubinden.

Parallel müssen wir nach wie vor für Umsatz aus dem Dienstleistungsbereich sorgen. Die Frage, die wir uns stellen ist, sollen wir uns als Nischenanbieter für den Getränkemarkt etablieren oder in welcher Branche könnte unsere App ebenfalls adaptiert werden, um breiter aufgestellt zu sein? Das sind strategische Entscheidungen, an denen wir derzeit parallel arbeiten.

Gegessen und getrunken wird doch immer, auch wenn aktuell die Diskussion um die Mehrwertsteuer in der Gastronomie die Schlagzeilen beherrscht, so schätze ich diese Branche als sicher ein, oder wie siehst du es?

Wir befinden und derzeit in der Findungsphase und haben noch keine finale Antwort gefunden, sind aber sicher, dass es sich herauskristallisieren wird.

Danke für das offene Gespräch lieber David. Du zeigst auf was Unternehmensaufbau aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln tatsächlich bedeutet. Ich wünsche euch ganz viel Erfolg und habe abschließend noch eine letzte Frage: Zu welchem Songs rockst du am liebsten Sales?

Danke dir für die Einladung Hermina. Mein liebster Songs dafür ist “I want it that way” von den backstreet Boys.

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Der Relationship Builder​ Clemens Kretschmer

Der Relationship Builder

Der Relationship Builder​ - Clemens Kretschmer

Der Relationship Builder

Clemens Kretschmer hat auf meine Einladung zum Interview prompt reagiert und direkt zugesagt. Das hat mir gefallen und entsprechend gespannt war ich auf ihn. Der Vertriebschef der Agentur LeverX in Heidelberg scheint in sich zu ruhen. Sehr genau scheint er zu wissen, was er möchte und was nicht. Die Selbstsicherheit, die er ausstrahlt, kommt nicht von ungefähr. 30 Jahre internationale Vertriebserfahrung, unzählige Begegnungen innerhalb seines großen Netzwerks und profundes Know-How im Bereich Sales von Hardware und Software haben ihn geprägt.

Seit einem Jahr bin ich bei LeverX für den Vertrieb verantwortlich.

Noch nicht so lange. Warum hast du dich für dieses Unternehmen entschieden?

Ich fühle mich, als sei ich schon fünf Jahre dabei (lacht), aber du hast natürlich recht, es ist wirklich nur ein Jahr. Ein ehemaliger SAP-Personalchef hat sich vor ein paar Jahren als Headhunter selbständig gemacht. Wir kennen uns sehr lange und sind auch privat befreundet. Er meinte ich sei die ideale Besetzung für diese Position. LeverX ist eine amerikanische Firma, ebenfalls von einem ehemaligen SAP-Mitarbeiter gegründet und ist vorrangig im Bereich SAP Implementierung und Schulung tätig. In Deutschland hatte LeverX noch nicht richtig Fuß gefasst und brauchte jemand mit einem extrem guten Netzwerk. Das war ein interessantes Angebot für mich, zumal ich sehr wechselbereit war und von daher auch froh, dass sich eine Alternative abzeichnete.

Wo warst du davor tätig?

Vor LeverX war ich in einem deutschen Start-up tätig, weil mir diese Erfahrung gefehlt hatte und es mich interessierte, wie es ist ein Start-up mit aufzubauen.

Und wie war es?

Für mich fühlte es sich sehr unstrukturiert an. Ich habe mit meinen 30 Jahren Vertriebserfahrung im In- und Ausland mit einem Geschäftsführer zusammengearbeitet, der im Alter von Anfang 30 kaum Erfahrung im Vertrieb gesammelt hatte. Natürlich gab es zahlreiche Meinungsverschiedenheiten, was nicht negativ sein muss, denn man könnte voneinander lernen. Mittlerweile ist dieses Start-up mit großen finanziellen Problemen konfrontiert und ist im Markt nicht relevant vertreten. Dennoch war es eine Erfahrung, die es wert war, kann ich im Nachhinein sagen.

“Ich habe in einem Start-up mit einer anderen Generation zusammengearbeitet.

Das ist überhaupt nicht mit der Zeit meiner Anfänge vergleichbar.”

Was hast du aus deiner Zeit in einem Start-up gelernt?

Ich habe mit einer anderen Generation zusammengearbeitet. Das ist überhaupt nicht mit der Zeit meiner Anfänge vergleichbar. Als ich bei Hewlett Packard angefangen habe, war eine meiner ersten Aufgaben Sales Blätter einzusortieren. Ich kann mir vorstellen, dass viele junge Leute das heutzutage nicht machen würden, schon gar nicht nach einem abgeschlossenen Studium. Damals gehörten solche Tätigkeiten dazu, wenn man von der Pike auf lernen wollte.

Schönes Stichwort lieber Clemens. Bei Hewlett Packard begann deine Vertriebskarriere. Erzähle mal ein bisschen über die Anfänge zu deiner Zeit.

Nach meinem BWL-Studium war ich in der chemischen Industrie beschäftigt und war auf der Suche nach einem spannenderen Job. Da wir von anderen Generationen sprachen: 1985 gab es in der Wochenendausgabe der FAZ rund 40 Seiten Stellenanzeigen. Eine davon hatte Hewlett Packard geschaltet. Sie suchten Vertriebstrainees zur Ausbildung. Auf diese Anzeige hatte ich mich beworben. Es gab 800 Bewerber für diese fünf Trainingsstellen. Das Assessment war sehr herausfordernd, aber ich habe die Stelle bekommen und das war mein Start in den Vertrieb.

“Was mich auszeichnet ist, dass ich im Beruf und im Privatleben 

die gleichen Attitudes habe.”

Mit welchen Skills hast du deiner Meinung nach Hewlett Packard überzeugt?

HP hat meine Industrieerfahrung gut gefallen. Was es außer der Ergebnisse aus dem Assessment wirklich war, weiß ich nicht. Heute kann ich basierend auf meiner jahrzehntelangen Erfahrung sagen, dass man Vertrieb nicht komplett lernen kann. Vertrieb hat man in seiner DNA, den Feinschliff kann man sich aneignen. Was mich auszeichnet ist, dass ich im Beruf und im Privatleben die gleichen Attitudes habe, in beiden Bereichen eins zu eins identisch verhalte und authentisch lebe. Das sind Skills, die gute Vertriebsleute auszeichnen. Sie sind extrovertiert, kommunizieren gerne und vor allem arbeiten sie gerne mit Menschen zusammen. Gute Vertriebler haben meistens einen breiten Bekanntenkreis in ihrem Privatleben und ein gutes berufliches Netzwerk.  

Es gibt Jobs wie Controlling oder Forschung, für die Menschen prädestiniert sind, die gerne in Ruhe und allein arbeiten und so wenig Störfaktoren wie nur möglich ausgesetzt sein möchten.  Im Vertrieb musst du flexibel sein, denn kein Tag ist wie der andere. Du musst dein Gegenüber einschätzen und verstehen können und gerne mit Menschen arbeiten. Ich bekomme von meinem Umfeld viel Anerkennung, dafür dass ich ein gern gesehener Freund bin. Es ist meine Fähigkeit von Relationship Building, die mich sehr erfolgreich gemacht hat.

Wie ist deine Zeit bei Hewlett Packard verlaufen?

Im Vertriebszentrum in Bad Homburg habe ich drei Jahre intensives Sales Training mit einer Ausbildung in Europa und den USA genießen dürfen. Fünf Jahre war ich bei HP sehr erfolgreich tätig. Viele Projekte von BASF im Logistikbereich habe ich gewonnen und festgestellt, dass man das große Geld nicht in der Hardwarebranche, sondern mit Software verdient. Bei 10 Mio Projekten wurden im Durchschnitt nur 2 Mio für die Hardware ausgegeben, hingegen 8 für die Software.

“Ich bin häufig gewechselt zwischen großen Konzernen 

und kleineren Unternehmen.”

Wann bist du auf die Software-Seite gewechselt?

Unser Marketingchef bei Hewlett Packard ist damals zu einer amerikanischen Software Firma mit 500 Mitarbeitern mit Sitz in Boston gewechselt und hat mich nachgeholt. Das war eine spannende Zeit, denn das Unternehmen hatte eine Enterprise Lösung für die chemische und für die Lebensmittel-Industrie entwickelt, mit der wir sehr erfolgreich waren. In Deutschland waren wir damals nur fünf Leute. So kam ich in die Softwarebranche und bin dort mit Stationen bei Oracle und SAP, bei JAGGAER großer Mitbewerber von SAP im Einkaufsbereich, aber auch bei kleineren Unternehmen, geblieben.

Ich bin häufig gewechselt zwischen großen Konzernen und kleineren Unternehmen. Was sie alle gemeinsam hatten, war dass sie immer Marktführer in ihrem Bereich waren. Ich bin auch jetzt bei einer relativ kleinen Firma mit weltweit 1600 Mitarbeitern, kann aber alle meine bisherigen Erfahrungen hier extrem gut einbringen. Das kann ich übrigens allen jungen Vertriebskollegen empfehlen zunächst Erfahrung im Konzern zu sammeln, denn die Trainings sind wirklich sehr gut und dann dieses Wissen in kleineren Unternehmen anzuwenden und umzusetzen.  Das war mein Weg und der war sehr erfolgreich.  

Wie viele Mitarbeiter hat LeverX in Deutschland?

In Deutschland sind wir derzeit 20 Mitarbeiter in Heidelberg. International sind es 1600 wie bereits erwähnt. Global sind wir in 14 Ländern tätig, was uns für den gehobenen Mittelstand, auch jene Unternehmen, die international expandieren möchten, besonders attraktiv macht.

700 Programmierer arbeiten in Festanstellung für uns. Ein Großteil 

von ihnen sitzt in Polen, viele auch in den USA.”

Könntest du mir bitte die Range eurer Produkte und Dienstleistungen so erklären, dass es eine nicht Software und Technik-affine Frau versteht. (lacht)

Sehr gut gestellte Frage (lacht). Genau das ist meine Aufgabe, meinen Kunden technische Sachverhalte so zu präsentieren und zu erklären, dass es jeder versteht. Wir sprechen sehr viel mit Vorständen, Finanzvorständen, CEOss, CIOs. Vor ihnen darf man nicht zu technisch präsentieren, denn was man nicht versteht, kauft man nicht.

LeverX wurde von einem ehemaligen SAP-Berater gegründet. Unser Angebot ist in zwei Bereiche unterteilt:  80% Dienstleistungen in Verbindung mit SAP-Implementierung, Einführung, Schulung, Migration, Integration, Schnittstellen Programmierung- und -Optimierung sowie diverse SAP Services.

700 Programmierer arbeiten in Festanstellung für uns. Ein Großteil von ihnen sitzt in Polen, viele auch in den USA. Wir programmieren für unsere Kunden, aber auch für SAP direkt. So wurden kürzlich zehn unserer Programmierer für drei Jahre als klassisches Outsourcing Projekt von einem Lebensmitteleinzelhändler, der weltweit operiert, in sein Team gebucht. Der Trend ist, dass die Firmen weniger Leute einstellen. Gerade Programmierer Aufträge werden nach außen vergeben.

Ein weiteres großes Thema ist bei uns das Transformations- und Change-Management. Wir begleiten Firmen die Abteilungen transformieren und die Digitalisierung in ihren Unternehmen ausbauen. Meistens wird über Software gesprochen, Features und Functions, aber letztendlich geht es darum, dass die Menschen im Unternehmen die Änderungen akzeptieren, dass wir jene, die damit arbeiten müssen ins Boot holen. Diese große Herausforderung wird meistens unterschätzt. Wir haben eine eigene Change-Management Abteilung, die sehr gut gebucht ist und diese Prozesse professionell begleitet.

Ein bekanntes Unternehmen führt zum Beispiel gerade SAP in ihrem Einkauf ein. Unser Change Manager begleitet das Projekt vor Ort indem er den Projektleiter sehr gut coached. Wenn es kritische Anwender gibt oder kritische Haltungen aus dem Key Account oder Category Management, dann versucht er sie auf menschlicher Ebene abzuholen. Das steigert die Qualität des Projekts überdurchschnittlich. Ist ja leicht nachvollziehbar, dass wenn es gelingt, alle Beteiligten ins Boot zu holen und an einem Strang ziehen zu lassen, der Erfolg höher ist.

20% unserer Tätigkeit basiert auf der Entwicklung eigener Software-Produkte.  

“Wir können statt eines Tagessatzes von marktüblichen € 1.200 

mit der Hälfte des Pricings profitabel arbeiten.”

Das ist eine sehr schöne Kombination das Technische mit dem Menschlichen zu verbinden.

Ja es ist wirklich eine schöne Kombination und diese unterscheidet uns grundsätzlich von unseren Mitbewerbern in Deutschland. Viele der 400 Programmierer, die allein in unseren Büros in Breslau und Warschau sitzen, wurden bei uns ausgebildet, sie leben unsere Firmenkultur, da sie als Festangestellte nur für unsere Projekte tätig sind. Viele sprechen deutsch und die Projektleiter sprechen selbstverständlich alle sehr gut deutsch. So eine hohe Zahl erfahrener Fachkräfte sehr viel günstiger als der Wettbewerb anbieten zu können, ist ein riesen Benefit. Wir können statt eines Tagessatzes von marktüblichen € 1.200 mit der Hälfte des Pricings profitabel arbeiten.

Dann ist das attraktive Pricing ein zusätzlicher wichtiger Erfolgsfaktor. Wie lange gibt es LeverX bereits? Man rekrutiert 400 Top Programmierer in Polen nicht mal auf die Schnelle, oder?

Wir haben dieses Jahr 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Klar geht nichts von heute auf morgen. Das Unternehmen hat die letzten zwanzig Jahre seine Netzwerke aufgebaut und wie erwähnt, viele Mitarbeiter sogar selbst ausgebildet.

Ist eure Dienstleistung branchenunabhängig?

Wir sind branchenübergreifend tätig, allerdings ausschließlich Industriegeschäft. Für Behörden und kommunale Institutionen arbeiten wir nicht.  

Welche Kunden sind für LeverX interessant?

Wir haben eine klare Strategie bezüglich unserer Zielkunden. Unser Target Markt sind mittelständische Kunden mit einem Umsatz zwischen 100 Mio Euro bis zu 2-3 Mrd. Dazu gehören auch Familienunternehmen. Wir betreuen auch viele Start-ups, die nicht über die finanziellen Mittel für eigene Programmierer verfügen.

Ausnahmen bilden Firmen Konzerne, die wir gemeinsam mit SAP betreuen. Ein führender Werkzeughersteller ist zum Beispiel ein großer SAP-Kunde und ist jetzt auch Kunde bei Lever’X. In einem Workshop vor Ort in der Schweiz konnten wir überzeugen und haben ein Berater-Projektteam zusammengestellt.

“Nur bei Change-Management Projekten arbeiten wir ausschließlich vor Ort. 

Da geht es um Pain Points und das geht nur persönlich.”

Arbeiten eure Leute dann vor Ort beim Kunden?

Meistens arbeiten wir Remote. Im Laufe der Pandemie hat sich vieles verändert. Früher wäre das unvorstellbar gewesen, heute funktioniert es hervorragend und spart viele Kosten. Nur bei Change-Management Projekten arbeiten wir vor Ort oder an einem neutralen Ort. Da geht es um Pain Points und das geht nur persönlich.

Wie viele von den 20 Mitarbeitern in Heidelberg sind im Vertrieb tätig?

Im Moment bin ich noch als One-Man-Show für die DACH-Region verantwortlich, aber für nächstes Jahr sind zwei weitere Mitarbeiter im Vertrieb geplant. Wir suchen auch in der Schweiz einen Kollegen für Sales.  Österreich werden wir 2024 noch von Deutschland aus betreuen.

Wir lange dauert eure Angebotsphase vom Angebot bis zum Abschluss?

Das Zeitfenster vom Erstkontakt bis zum Abschluss beträgt idealerweise drei Monate, üblicherweise sind es sechs Monate.

Was führt dazu, dass es bis zu sechs Monaten dauern kann?

Die deutsche Kultur nimmt alles sehr genau. Intern wird ein dickes Papier, das sogenannte Pflichtenheft erstellt. Bei Ausschreibungen werden die Angebote von 5-7 Dienstleistern eingehend geprüft. Das braucht alles sehr viel Zeit.

Dann gibt es Fälle, denen brennt es unter den Nägeln und sie werfen alle Regeln über Bord, um am liebsten sofort zu starten. Der Aufwand ist für mich bei einer Anfrage über 200.000 Euro und 2 Millionen Euro der gleiche. Da muss ich mir natürlich gut überlegen in welches Projekt ich meine Energie investiere.

Für dieses Cherry Picking braucht es viel Erfahrung, denn es geht nicht nur um das Auftragsvolumen zum Start, sondern auch um die Einschätzung, ob es sich um eine langfristige Kundenbeziehungen handeln könnte. Viele Projekte fangen klein an und wenn man alles richtig macht, können daraus mehrjährige Projekte entstehen.

Habt ihr auch Mitarbeiter im Marketing?

Wir haben eine große zentrale Marketingabteilung mit 40 Mitarbeitern, davon eine Mitarbeiterin speziell für die DACH-Region. Sie entwickelt PR-Kampagnen und plant und realisiert Veranstaltungen.

“Unser Vorteil sind unsere 14 internationalen Niederlassungen 

und das hervorragende Pricing.”

Was für Veranstaltungen sind das?

Road Shows in der DACH-Region, Vorträge von uns oder unseren Kunden und vieles mehr.  Wir veranstalten auch ein sehr erfolgreiches Business Breakfast mit Kunden. Wir stimmen uns für viele Marketingprojekte auch mit SAP ab. Auf Messen treten wir gemeinsam mit SAP mit einem eigenen Stand auf. Zum Einkaufsforum in Wien hatte SAP für zwei Tage eingeladen. Das war eine großartige Veranstaltung auf der CPOs von ganz Österreich anwesend waren. 

Es hat viele Vorteile einen starken Partner wie SAP im Rücken zu haben. Aber wir sind über 200 Anbieter, die mit SAP zusammenarbeiten, somit ist der Wettbewerb nicht zu unterschätzen. Unser Vorteil sind unsere 14 internationalen Niederlassungen und das hervorragende Pricing. Wir arbeiten 70-80% für SAP, haben aber auch andere Kunden, die nicht SAP einsetzen, die wir bei der Programmierung unterstützen.

Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Ich möchte meine Umsatzziele erreichen und das Geschäft weiter ausbauen. Und in nicht allzu weiter Ferne möchte ich in meinen wohlverdienten Ruhestand genießen. Ich bin Jahrgang 1962, war CEO, Vertriebsleiter, fast durchgängig in Führungspositionen, was will ich mehr? Machtspielchen haben mich noch nie gereizt. Mein Treiber war der gute Verdienst. Meine Motivation kam immer aus dem Wunsch heraus gut zu leben. Mit dieser Haltung entspreche ich möglicherweise nicht der klassisch deutschen Philosophie. Ich wünsche mir eine friedliche Welt, um sie mit meiner Frau bereisen zu können. Das Leben ist nicht unendlich und man soll es wertschätzen und genießen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch. Abschließend darf ich dir traditionell eine letzte Frage stellen: Zu welchem Song rockst du am liebsten Vertrieb?

Highway Star von Deep Purple.

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Hermina Deiana | Public Relations Consultant MarketDialog GmbH
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Der Mindset Flüsterer Oliver Wieser

Der Mindset Flüsterer

Der Mindset Flüsterer

Der Mindset Flüsterer

Mit Dr. Oliver Wieser geht unser Rocking Sales Blog erstmals international ins schöne Nachbarland Österreich. Oliver lebt beruflich wie privat seine Leidenschaften. Und alles, wofür er brennt, wird früher oder später auch realisiert. Parallel zur Berufstätigkeit hat er vor vielen Jahren sein Studium der Wirtschaftswissenschaften mit Erfolg durchgerockt und im Anschluss noch seinen Doktortitel mit einer Thesis mit dem Schwerpunkt Vertrieb erlangt. Wenn Oliver nicht gerade Studenten als Hochschullektor für den Vertrieb begeistert oder Unternehmer als Trainer und Berater in Sales und Leadership aufs nächste Level hebt, rockt er im Duo mit seiner erwachsenen Tochter unter dem Bandnamen Styrian Rockets die Bühnen.

Ich kann mich mit gutem Gewissen beiden Feldern widmen, weil ich langjährige Erfahrung in der Wirtschaft, in der Hochschullehre und sogar in der Politik gesammelt habe. Letzteres war eine sehr gute Erfahrung, aber für die ersten beiden Tätigkeiten brenne ich einfach mehr. Ich unterrichte an vier Hochschulen in Österreich. Angefangen bei Studentinnen und Studenten, die nach dem Abitur, also im Alter ab 18 Jahren, in die akademische Richtung Marketing und Vertrieb mit dem Schwerpunkt auf Vertrieb gehen, bis hin zu Key-Account-Managern, Geschäftsführern, Unternehmern und Vertriebsmanagern im Alter von Anfang bis Mitte 50, die ihr Vertriebs Know-How erweitern möchten oder sich einfach weiterentwickeln möchten.

Ist es nicht sehr herausfordernd, mit so unterschiedlichen Altersgruppen zu arbeiten?

Herausfordernd auf jeden Fall, aber genau das empfinde ich als sehr bereichernd. Ich unterrichte an vier Hochschulen, insgesamt fünf Studiengänge. Beispielsweise an der FH CAMPUS 02 hier in Graz habe ich einerseits Studenten ab 18 Jahren und andererseits etwas Ältere mit Mitte 20. An der LIMAK in Linz, das ist eine Business School, die zur Johannes-Kepler-Universität gehört, bin ich akademischer Leiter des MBA Sales Management Excellence.

Voraussetzung für diesen Lehrgang sind mehrere Jahre Berufserfahrung. In diesem Kurs sind die Altersunterschiede zum Teil sehr groß, was zu einem positiven Spannungsfeld führt, da unterschiedliche Erfahrungen und Ansichten aufeinandertreffen. Die jungen Studenten fordern mich mit sehr vielen Fragen heraus, sodass ich niemals eine Chance haben werde zu sagen, dass wir irgendetwas immer schon so gemacht haben (lacht). Es sind alles Studiengänge mit einem hohen Praxisteil. Mir wird widergespiegelt, was sie in Betrieben und Organisationen erleben. Diese Informationen reflektiere ich und bringe ich wieder in die Wirtschaft zurück. Somit ergänzen sich meine zwei Standbeine hervorragend.

“Für den erfolgreichen Vertrieb braucht es Menschen 

mit einem bestimmten Mindset.”

Mein letzter Interviewpartner verwendete den Begriff Indiana Jones als Metapher für Vertriebler, die eine „oldschool“ Vorgehensweise im Verkauf bevorzugen. Andere sehen in der Digitalisierung und im Social Selling einen zeitgemäßen Ansatz für erfolgreichen Vertrieb. Was zeichnet aus deiner Sicht einen guten Vertriebler aus und welche Methode passt in unseren aktuellen Zeitgeist am besten?

Es gibt nicht mehr den einen guten Vertriebler, aber es gibt ein paar Richtwerte. Für den erfolgreichen Vertrieb braucht es Menschen mit einem bestimmten Mindset, die Verständnis für den Markt mitbringen, vor allem jedoch vom Willen getrieben sind, die Wünsche ihrer Kunden zu verstehen. Es geht auch nicht um die Frage Social Selling oder Indiana Jones, der Begriff gefällt mir übrigens sehr gut (lacht).

Adam Grant (US-amerikanischer Autor, Experte für Organisationspsychologie) hat es mit seinen zwei Zyklen sehr schön beschrieben. Es gibt Menschen, die gehören in den Umdenkzyklus, den Circle of Growth, wie er ihn nennt. Diese Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie grundsätzlich offen sind für Neues und für Veränderungen. Es fällt ihnen nicht schwer, neue Rahmenbedingungen anzunehmen.

Dem gegenüber steht der Selbstüberschätzung Zyklus. Ihm gehören Menschen an, die erfolgreich sind und es wissen. Ihr Mindset signalisiert ihnen „ich bin der / die Beste“, „ich bin der King / die Queen“. Sie hauen sich gedanklich ständig auf die Schulter, weil ihr Umfeld ihnen ebenfalls auf die Schulter haut, denn sie sind richtig gut und erfolgreich in ihrem Job und erreichen stets ihre Ziele.

Dies tun sie, solange die Umstände immer positiv bleiben und sie keinen veränderten Rahmenbedingungen ausgesetzt sind. Doch was ist, wenn die Zeiten sich ändern? Werden sie immer noch gut sein? Wie flexibel ist ihr Mindset? Wie war es in einer Phase wie Corona und Lockdowns, in der man plötzlich keine Kunden mehr besuchen konnte? Wer schaffte es in solch einer außergewöhnlichen Zeit positiv zu bleiben und nach Lösungen zu suchen? Es ist immer der Markt, der bestimmt. Ein guter Vertriebler weiß das und richtet sich danach.

Den Vertriebsfokus auf den Markt und den Kunden sowie seine Wünsche und Bedürfnisse zu setzen ist ja nicht wirklich neu. Warum fällt es manchen Unternehmen und Managern schwer, ihr Handeln danach auszurichten?

Es gibt eine Grundvoraussetzung für den notwendigen Umdenkzyklus, mit anderen Worten für den berühmten Blick über den Tellerrand und diese basiert auf den vier Ms: man muss Menschen mögen! Eigentlich ganz einfach (lacht).

“Was ich erzähle, mag sich einfach anhören, aber das ist es keineswegs.”

Man muss Menschen mögen – Love it! Das klingt in der Tat so einfach, lieber Oliver und noch dazu hast du mich mit deinem herzlichen Lachen angesteckt. Es wird doch noch den ein oder anderen Profi Tipp geben, oder?

So gerne ich dir Geheimnisse verraten würde, aber das Rezept ist und bleibt das Mindset. Es gibt keine Drehbücher für den Vertrieb. Was ich erzähle, mag sich einfach anhören, aber das ist es keineswegs. Wenn die Bereitschaft des ständigen Dazulernens vorhanden ist, sich Weiterentwickeln nicht als Last gesehen wird, sondern als Bereicherung, wenn man in der Lage ist sich an die Kundenwünsche anzupassen, kurz, wenn der Kunde im Fokus steht und der Vertriebler im Umdenkzyklus agiert, dann ist es ausgeschlossen ein schlechter Verkäufer zu sein. Dann ist man mal der Indiana Jones, mal der Social Seller, weil man sich mit seinem Mindset der Offenheit automatisch an den Kunden und seine Bedürfnisse anpasst. Nicht zu vergessen die Kollegen und das Team.

Vor welchen gigantischen Herausforderungen steht HR, wenn sie nach deinen Vorgaben Kandidaten für den Vertrieb rekrutieren und filtern sollen? Bedarf es für diese Anforderungen nicht einer psychologischen Ausbildung?

Grandiose Frage, liebe Hermina. Der Vertrieb ist so vielfältig wie der Mensch. Wir müssen uns davon lösen eine limitierte Aufzählung an Attributen bei der Auswahl von Bewerbern einzufordern und einfach abzuhaken. Es tut sich gerade sehr viel in den Unternehmen und mit alten Management Methoden werden wir in diesen Zeiten des Umbruchs nicht weiterkommen.

Wir sprechen zwar gerade über den Vertrieb, aber wir können diesen nicht losgelöst von anderen Fachbereichen eines Unternehmens betrachten. Agilität wird heute als Buzzword verwendet, aber es war schon immer wichtig agil zu sein, natürlich auch im Vertrieb. Der Kern ist immer derselbe. Die Dynamik hat sich verändert, man muss heute noch flexibler sein. Wenn Leute im HR in diese Prozesse nicht als tragende Team-Member integriert werden, wird es schwierig bis unmöglich. Kommunikation Fachgebiet übergreifend ist ein Muss.

Ein sehr erfolgreicher Geschäftsführer in Österreich, für den ich beratend tätig bin, sagt, sein Haupterfolgstreiber ist, dass er Menschen mit dem gleichen oder ähnlichen Mindset in seinem Unternehmen zusammenführt. Alles andere ist für ihn zweitrangig, denn Menschen mit dem richtigen Mindset bringen die Bereitschaft mitzulernen, sich zu entwickeln und notwendige Veränderungen voranzutreiben mit. Solche Menschen findest du nur, wenn das Mindset von HR das gleiche ist wie von der Geschäftsleitung, vom Marketing, Vertrieb, IT, etc. Darin besteht die Herausforderung.

Das erinnert mich an das Sprichwort „wenn alle an einem Strang ziehen“.

Ja, schon, aber wir brauchen die Vielfalt an Menschen, die an einem Strang zieht, denn das Mindset der Offenheit bedeutet, dass man in der Lage ist, je nach Situation flexibel zu agieren.  

“Leadership beginnt immer bei dir. 

Du musst dich selbst führen und managen können, bevor du andere führst.

Gehen wir bitte kurz zurück zu deinem Kunden, dem österreichischen Geschäftsführer. Er hat eine hohe Form des Leadership für sich entdeckt. Sind solche Fähigkeiten angeboren oder kann man sie erlernen? Woher kommt dieser wertvolle Spirit?

Wieder eine sehr spannende Frage. Kann man Leadership erlernen? Ich sage, dass man einen gewissen Teil mitbringen muss. Die erste Frage, die ich mir beim Thema Leadership stelle, ist, wie geht man mit sich selbst um. Leadership beginnt immer bei dir. Das Wesentliche ist das Selbstmanagement. Wie gehen Führungskräfte mit ihrer Zeit um, mit ihren Zielen, beruflich und privat? 

Wie behandelst du deinen Körper, deine Gesundheit, deinen Energiehaushalt? Es gibt ein Zitat von Peter Ferdinand Drucker, einem in Österreich geborenen amerikanischen Unternehmensberater und Autor, das es auf den Punkt bringt: „”Die erste und vorrangige Aufgabe von Führungskräften ist es, sich um ihre eigene Energie zu kümmern und dann zu helfen, die Energie anderer nutzbar zu machen.” Du musst dich selbst führen und managen können, bevor du andere führst.

Eine Schlüsselfrage im Leadership ist doch, wie interagierst du mit Menschen in deinem Umfeld. Das ist ein immens wichtiger Aspekt. Für mich bilden drei Ws die wichtigsten Attribute erfolgreicher Unternehmensführung: wertschätzend, würdevoll und wohlwollend.

Es gibt Studienergebnisse, die belegen, dass der Erfolg von Bankfilialen von der Führungskraft abhängt, nicht von den Produkten und Dienstleistungen. Die Führungskraft braucht keinen Kundenkontakt zu haben und muss auch nicht verkaufen, sie muss nur die Angestellten gut führen können. Ein Pessimist, der nur nörgelt, wird niemals erfolgreich ein Team führen können. Es ist auch belegt, dass Menschen selten wegen des Jobs kündigen, sondern aufgrund der Führungskraft. Und leider gibt es auch heute noch zahlreiche Führungskräfte, die es bewusst vermeiden, sich Mitarbeiter zu holen, die etwas besser können als sie. Das sind fatale Fehler.

Methodisches Fachwissen wie Planung und Budgetierung zum Beispiel kann man erlernen. Soziale Kompetenz kann man teilweise erlernen, indem man das Mindset, sorry Hermina, ich wiederhole mich, trainiert. Das Mindset bleibt der Dreh- und Angelpunkt. Wir haben es in unseren Händen.

“Voller Tatendrang bin ich Vollzeit in die Politik eingestiegen.

Wie war es mit deinem Mindset bei deinem Exkurs in die Politik? Warum hast du dich nach vier Jahren entschieden, in die Wirtschaft und Wissenschaft zurückzukehren?

So richtig geplant war mein Ausflug in die Politik nicht. Ich habe immer Freude daran etwas zu bewegen und ich hatte Lust mein Wissen zu den Themen Wirtschaft und Bildung als politischer Quereinsteiger der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Voller Tatendrang bin ich Vollzeit in die Politik eingestiegen. 

Zum Glück bin ich immer ein Mensch gewesen, der andere Meinungen unabhängig von der politischen Richtung zunächst einmal in Ruhe anhört und sich Gedanken macht. Es kam der Punkt, an dem ich erkennen musste, dass Veränderungen in der Politik sehr viel länger brauchen als mir lieb war. Ich spürte, dass ich an einen Punkt kam, an dem mir meine Arbeit nicht mehr gutgetan hat. Ich fühlte mich abends leer und ohne Energie, das passte nicht zu meinem Wesen. Ich dachte mir, dass ich das politische Parkett lieber verlasse, bevor mich das System verändert.

Nichtsdestotrotz möchte ich diese prägende Zeit als Landtagsabgeordneter und Landesgeschäftsführer nicht missen. Neben vielen anderen Dingen ist mir dabei die Special Olympics Olympiade im Gedächtnis geblieben, die ich hautnah erleben durfte. Diese Erfahrung hat mich sehr geerdet und begeistert. Ich bin unzähligen Menschen mit körperlichen Behinderungen begegnet, die solch ein positives Wesen haben, eine unbändige Lebensfreude ausstrahlen und Wahnsinns Leistungen erbringen, während gesunde Menschen sich manchmal große Sorgen um ihre Autos machen (lacht). Nach diesem Exkurs in die Politik hieß es für mich zurück in die Wirtschaft und in die Wissenschaft, da fühle ich mich aufgehoben, das bin einfach ich.

Ich ziehe meinen Hut vor Dir, denn ich kann mir vorstellen, dass der Job in der Politik auch mit Annehmlichkeiten verbunden ist, auf die viele nicht mehr verzichten möchten und aus Bequemlichkeit auf ihren Posten sitzen bleiben.

Für meinen Teil kann ich ehrlich sagen, dass ich sehr gute Leute in der Politik getroffen habe. Was du erwähnst, gibt es natürlich auch und ich glaube es ist menschlich. Sind wir nicht alle lieber in der Komfortzone? Solange es uns nicht persönlich betrifft, sind wir veränderungsunwillig. Das ist in der Wirtschaft nicht anders. Ob das berühmte „das haben wir immer schon so gemacht“ oder „das war schon immer so“. Ich schätze, dass in der Wirtschaft nur 10-20% der Unternehmen wirklich dynamisch sind, verändern wollen und es auch tun! Und dann gibt es sehr viele, die sagen, im Großen und Ganzen passt es doch, warum sollen wir denn jetzt alles auf den Kopf stellen?

“Aktuell habe ich von 50 Studenten 40, die sich schwerpunktmäßig 

für Marketing entscheiden und nur 10 für Vertrieb.

Führt Sales immer noch ein Dasein als Stiefkind im Mix der Wirtschaftswissenschaften oder ändert sich durch zunehmende akademische Angebote im Bereich Vertrieb das Image dieser Disziplin? Entscheiden sich mehr junge Menschen bewusst für den Vertrieb?

Oft nicht gleich. Sie entscheiden sich für Marketing und Vertrieb. Aktuell habe ich von 50 Studenten 40, die sich schwerpunktmäßig für Marketing entscheiden und nur 10 für Vertrieb. Ich stehe nicht da und werbe für den Vertrieb. Ich kläre auf über die Chancen, erwähne aber offen, dass es im Vertrieb auch viele Rückschläge geben kann.

Kürzlich hatte ich ein Schlüsselerlebnis, das mich richtig glücklich gemacht hat.  Zwei Absolventen aus dem Vorjahr haben mich angesprochen. „Herr Wieser wir müssen ihnen etwas erzählen. Sie haben uns mit ihrer Vorlesung heiß gemacht auf den Vertrieb und uns die Augen geöffnet. Dank Ihnen haben wir es gewagt und zunächst ein Praktikum gemacht, weil wir es mal probieren wollten. Jetzt arbeiten wir beide im Vertrieb und es macht uns sehr viel Spaß. Ohne Sie hätten wir es nie versucht.“

40 von 50 deiner Studierenden entscheiden sich für das Marketing, 10 für den Vertrieb. Warum scheint ein Job im Vertrieb für Absolventen weniger erstrebenswert zu sein?

Marketing scheint bereits als Bezeichnung für viele attraktiver zu klingen. Vertrieb erfährt im deutschsprachigen Raum immer noch zu wenig Wertschätzung. Das verhält sich beim englischen Begriff Sales schon etwas anders. Dein Blog heißt ja auch Rocking Sales und nicht Wie rocke ich den Vertrieb (lacht). Da werdet ihr euch schon etwas dabei gedacht haben.

Apropos Rocking, lieber Oliver, du bist der erste Sales Rocker, der seinen eigenen Song für unsere Rocking Sales Playlist einreicht. Ich bin ja schon dein Fan, weil du so vielseitig unterwegs bist! Erzähle bitte, wie es dazu kam, dass man deinen Song auf Spotify hören kann.

Ich bin begeistert, dass du über 30 Jahre mit einem Neapolitaner zusammen warst und den Titel und die Bedeutung meines Songs Futtetenne sehr gut kennst. Ich liebe Musik und spiele diverse Instrumente und ich bin Bud Spencer Fan. Bud Spencer kommt aus Neapel und er hat einen Song aufgenommen mit dem Titel Futtetenne. Natürlich habe ich den Song gehört und den Titel gegoogelt. Futtetenne bedeutet in neapolitanischem Dialekt so viel wie, „mach dir keinen Kopf“, „who cares“, „lass los und lebe“.

Das hat mich begeistert, weil es auch meinem Lebensmotto entspricht. Also habe ich einen Song mit dem gleichen Titel komponiert und zu meinem 50. Geburtstag habe ich mir eine Aufnahme in einem professionellen Tonstudio geschenkt. Ich hatte den großen Wunsch, diese Erfahrung mal zu machen. Überhaupt sollten wir viele Erlebnisse, die uns glücklich machen, sammeln. Einfach leben! 

Meine Studenten fragen mich manchmal, wie ich nach 4-5 Stunden Vorlesung am Stück noch so voller Energie sein kann. Sie merken gar nicht, dass sie der Grund dafür sind. Wenn ich unterrichte, dann tue ich das, was ich liebe, das stimmt mich positiv und diese positive Energie kann ich an andere abgeben. Die schriftliche Danksagung eines Studenten hat mich bestätigt und ganz besonders berührt: „Du hast ein Talent, Menschen mitzureißen und mit deinen Inhalten zu begeistern.“ Es gibt dieses schöne Zitat, ich weiß nicht mehr, von wem es ist: wenn du einen Job machst, den du liebst, dann hast du das Gefühl nicht zu arbeiten.

Liebe Rocking Sales Leser, Ihr möchtet mehr Beiträge von Oliver Wieser lesen? 
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Die perfekte Sales Symphonie​

Die perfekte Sales Symphonie

Die perfekte Sales Symphonie​

Die perfekte Sales Symphonie

Erst wenn er in die Tiefen seiner Zielgruppe eingetaucht ist, gibt Patric Weiler den Startschuss für eine Vertriebs- oder Vermarktungskampagne. Ob seine Passion für die Analyse des menschlichen (Kauf-) Verhaltens seinem Studium der Psychologie geschuldet ist? Möglich wäre es. Sicher ist, dass er seinen kreativen Unternehmergeist seinen Wurzeln verdankt. Und seine internationalen beruflichen Stationen haben aus ihm einen Sales & Marketing-Dirigenten gemacht, der die Klaviatur eines Customer Journey Orchesters beherrscht. Mit dieser schönen Metapher aus der Welt der Musik beschreibt Patric seine Vertriebsphilosophie.

Liebe Hermina, in der Tat bin ich sehr an den Hintergründen der menschlichen Wahrnehmung und menschlichen Handelns interessiert. Das kommt einerseits aus meinem psychologischen Background und andererseits aus meiner beruflichen Überzeugung, dass Vertrieb und Marketing nur dann wirklich erfolgreich sein können, wenn sie die Charakterzüge, Bedürfnisse und Wünsche ihrer Zielgruppen berücksichtigen, so dass sich eine Identifikation, eine Beziehung zwischen Kunde und Unternehmen entwickeln kann. Wenn das nicht als Prio1 im Mittelpunkt des Geschehens steht, wird jede Sales & Marketing-Strategie ihr Ziel verfehlen. Unabhängig von der Budgethöhe.

Wenn Du mich aber fragst, für was ich wirklich BRENNE, dann ist das meine Familie. Gemeinsame Zeit mit meinen beiden 3 und 5 Jahre alten Söhnen, ziehe ich jedem transatlantischen Business Trip vor. Hätte ich mir damals nicht vorstellen können, doch ich fühle mich einfach sauwohl in meiner Daddy Rolle😊.

Ich freue mich mit dir, denn du leuchtest so schön, wenn du über deine Familie sprichst. Wie war deine Kindheit?

Ich komme aus einer Unternehmerfamilie. Mein Großvater hat 1928 aus seiner Schreinerei eine recht große Küchenfirma aufgebaut, mit Niederlassungen in Deutschland und Frankreich. Als Kind bin ich immer durch die Fabrikhallen gelaufen und durfte sehr viel miterleben. Ob Sägewerk, Feinmontage oder Verwaltung, habe ich überall versucht mitzumachen. Meine Mutter hingegen hat sehr viel Wert auf musische und kreative Elemente gelegt. Mit fünf Jahren startete ich mit Klavierunterricht. Da ich es langweilig fand die Kompositionen irgendwelcher alten Meister nachzuspielen, bin ich nach ein paar Jahren auf Gitarre umgestiegen und habe mit 14 meine erste Band gegründet. 

Entstanden ist ein kreativer Unternehmergeist mit großer Leidenschaft für Sales & Marketing Themen. Ich würde mich jedoch nicht als typischer Sales Mensch bezeichnen, da der Verkauf allein per se nie im Zentrum meiner Motivation ist und war. Mich reizt es Produkte und Services zu schaffen und zu vermarkten, die echten Mehrwert bieten und begeistern. Der klassische Sales Mensch möchte in erster Linie etwas verkaufen, unabhängig vom Produkt. Ich bin da eher Überzeugungstäter.

Was ist denn deiner Definition nach ein klassischer Sales Mensch?

Das ist jemand, der rein abschlussorientiert ist. Der Autos, Versicherungen, Mobilfunkverträge, etc. verkaufen kann, ohne dass er sich hierbei persönlich wiederfinden muss. Die meisten nutzen primär den Outbound Kanal. Sie haben eine Liste mit Wunschkunden oder potenziellen Kunden, die sie meist abtelefonieren. Die ursprüngliche Hunter Mentalität, in etwa wie ein Indiana Jones der Neuzeit. Primär KPI gesteuert und am Ende des Tages geht es darum, was die Jagd des Tages erbracht hat. 

Wenn man 100 Unternehmen am Tag anruft, davon fünf Ansprechpartnern Informationsmaterial zusenden darf und im Anschluss daraus ein persönlicher Präsentationstermin zustande kommt, muss dies genug Basis dafür sein, dass ein Unternehmen damit wachsen oder zumindest überleben kann. Wenn nicht, müssen die einzelnen Schritte optimiert werden, so dass sich die Konversionsraten verbessern und am Ende des Tages das Jagdergebnis besser wird. Oder man geht das Thema Vertrieb eben anders, über Überzeugung, Identifikation und Beziehungsaufbau an. Im Prinzip ist weder der eine noch der andere Weg schlechter oder besser. Häufig ist die beste Entscheidung, beide Arten miteinander zu kombinieren, aber am Ende des Tages sollte man dies immer individuell am Einzelfall entscheiden.

“Das Ziel ist, dass sich der Kunde immer wieder aufs Neue für mich entscheidet.”

Und wie verkauft Patric Weiler?

Eher amerikanisch nach dem Vorbild der Big Player wie Apple, Coca Cola, Disney, etc. Werte, Identifikation und Kundennutzen stehen im Fokus. Das Ziel ist der Aufbau langfristiger und nachhaltiger Unternehmens -/ Kundenbeziehungen. Zunächst geht es darum für jedes Produkt den richtigen Markt zu finden. Hierzu müssen die passenden Zielgruppen identifiziert werden. Erst wenn ich den Top Match zwischen Markt und Zielgruppe habe, die präzise ineinandergreifen, habe ich die Basis. Dann muss ich wissen, wie die Menschen dieser Zielgruppen ticken, was Ihre Bedürfnisse und Werte sind, mit welchen Problemlösungen sie sich beschäftigen, wie sie in bestimmten Situationen handeln, etc.

Danach gilt es die passende Ansprache für diese Zielgruppen zu entwickeln. Es muss eine Customer Journey gestaltet werden, die den Kontakt mit einem potenziellen Kunden begleitet und steuert. Angefangen vom ersten Kontakt, in dem der Kunde von meinem Produkt erfährt, über die Überzeugungsarbeit, dass dieses Produkt gut für ihn ist, den Beziehungsaufbau wodurch Vertrauen zwischen Produkt und Kunde entsteht, bis hin zum Kauf und darüber hinaus der Bestandskundenbetreuung.

Das Ziel ist, dass sich der Kunde immer wieder aufs Neue für mich entscheidet. Wie wir alle wissen, ist die Gewinnung eines Neukunden um ein Vielfaches Teurer als das Halten eines Bestandskunden. Ich sehe mich in diesem Prozess weniger als, wie der vorher beschriebene Indiana Jones mit Pfeil und Bogen, sondern eher als Dirigent, der viele Elemente und Kanäle dafür nutzt, ein Umfeld zu schaffen in dem sich Unternehmen / Produkte und Zielgruppen / Kunden überzeugt füreinander entscheiden und mit dieser Entscheidung wohl fühlen.

Es ist im Sales & Marketing vergleichbar mit der Musik: Um mich herum befinden sich viele talentierte Musiker, die unterschiedliche Instrumente spielen und ich muss herausfinden welche wann zum Einsatz kommen, welches Instrument zu welchem Zeitpunkt am besten passt und dem musikalischen Werk einen Mehrwert bietet – die Symphonie zu einem echten Erlebnis macht. Wie schaffe ich es ein Umfeld zu kreieren in dem der potenzielle Kunde sich abgeholt fühlt. Wie und womit bekomme ich die Aufmerksamkeit meiner potenziellen Kunden? Das sind die Fragen, mit denen ich mich beschäftige. Das macht für mich Sinn und deshalb finde ich meinen Job großartig.

“Wir können Marketing und Vertrieb nicht mehr 

losgelöst voneinander betrachten.”

Wie erreicht man diese potenziellen Wunschkunden?

Hier steht eine Vielzahl an Kanälen zur Verfügung. Über klassische Printanzeigen, LinkedIn, Facebook, Instagram, TikTok, TV, Hörfunk, etc. Das muss man austesten. Kein Kanal ist per se schlechter oder besser als der andere. Bei der einen Zielgruppe ist Online der perfekte Weg, für andere Zielgruppen kann es der schlechteste Ansatz sein. Wenn du deine Hausaufgaben im Vorfeld richtig gemacht hast, in dem du aus diesen vielen Kanälen ausgefiltert hast, kann es sein, dass der eigentliche Verkaufsprozess zwischen Vertriebler und Interessenten nur noch 5% der Customer Journey ausmacht.

Wenn du bei diesen 5% ankommst, musst du aufpassen. Nicht selten ist der Consumer besser informiert zu dem Thema als der Sales Manager. Kunden googlen, tauschen sich in Foren aus, lesen unzählige Blogartikel oder Fachzeitschriften. Sie informieren sich über alle Kanäle zu Themen, die sie interessieren. Man spricht hier von der Entwicklung des Consumers zum Prosumer.

Wenn es in den Verkauf geht, müssen Sales und Marketing ihre Hausaufgaben gut gemacht haben, denn sie treffen nicht mehr auf Menschen, denen sie von Null ihre Produkte und Dienstleistungen erklären müssen. Sie müssen als hochkompetente Sparringpartner, die sich in der Thematik sehr gut auskennen auftreten. Marketing und Vertrieb dürfen nicht mehr losgelöst voneinander betrachten werden. Die gesamte Klaviatur muss wie bei einem Orchester perfekt aufeinander abgestimmt sein.

Den Besuchern von Konzerten ist es egal, ob gerade die Trommel spielt oder die Flöte. Sie fühlen sich von der Gesamtkomposition emotionalisiert. Das gleiche gilt für modernen Vertrieb im Zusammenspiel mit Marketing, PR, etc.  Wenn zwischen Vertrieb, Marketing etc. nicht alles perfekt harmoniert ist und man sich eventuell sogar widerspricht, verjagt man eher Kunden, als dass man sie gewinnt.

Gelten deine Thesen gleichermaßen für B2B und B2C oder eher für B2C?

Es ist für beide gleichermaßen wichtig, sollte jedoch teilweise unterschiedlich gehandhabt werden. Ich gebe dir mal ein Beispiel. Ich habe eine Zeitlang im Energiebereich gearbeitet. Strom oder Gas zu verkaufen ist Commodity. Es geht nahezu immer nur um den Preis. Der Kunde geht auf Verivox/Check24, etc. weil er sparen möchte und vergleicht die Preise. Da bleibt kein Raum für Emotionalität könnte man denken.

Hier können jedoch KI, Data und smarte Algorithmen helfen. Wenn man bspw. die Unterzielgruppen seines Kundenstamms genau analysiert, wird man feststellen, dass hier unterschiedliche Prioritäten gesetzt werden. Wenn ich anhand dieser Prioritäten individuelle Angebotsvarianten bilde und über Technologie dafür sorge, dass diese zielgerichtet den unterschiedlichen Kundengruppen zugespielt/angeboten werden, kann man die Abschlussrate von Neukunden erhöhen.

Oder jemand ist bereits Kunde und möchte kündigen. Wenn dieser Kunde auf die Webseite geht, um auf das Kündigungsformular zuzugreifen, kann man automatisiert ein neues passendes Angebot aussenden, das genau ein auf die individuellen Kundenwünsche gestaltet ist. Die Technologie dahinter ist ein Matching-Algorithmus, im Prinzip wie bei einer Dating App. Du definierst analog Kundengruppen im Vorfeld. Je Kundengruppe entwickelst du Angebote. Mit solchen Programmen kann man die Absprungraten auf ein Mindestmaß reduzieren. Das ist jetzt ein B2C Beispiel, welches gleichermaßen im B2B angewandt werden kann.

Commodities wie Energie, Telekommunikation und Versicherungen, sind Bereiche mit sehr niedrigen Margen, zum Teil unter 10 Euro pro Jahr. Da gibt es kein Budget, das die Kosten für Beziehungsaufbau Telefonie decken könnte. Umso wichtiger werden vorgenannte Technologien werden und je früher man als Unternehmen damit startet, desto höher ist der Wettbewerbsvorteil

“Natürlich braucht es auch ein persönliches Telefonat,  

denn einer Maschine verrät man keine Interna.”

Echt? So niedrig sind die Margen im Commodity Bereich? Jetzt hast du mich sehr überrascht, das hätte ich nicht gedacht. Kommen wir nochmals auf den B2B Bereich zu sprechen. Welche Maßnahmen bilden die Schlüsselrolle?

Im B2B spielt das Nurturing eine sehr wichtige Rolle. Zugrunde liegen sollte ein starkes CRM System mit verschiedenen Kategorien für die Bestandskundenbedürfnisse. Es braucht mindestens drei bis vier Nurture-Schleifen mit relevanten Informationen für den Aufbau einer Kommunikation und einer Beziehung. Wenn man es bis zur Beziehung geschafft hat, dann kündigen Kunden nicht einfach mal so. Ab diesem Punkt spielen nämlich Emotionen eine Rolle, auch im B2B.

Das kontinuierliche Nurtern ist nicht nur für das Ziel Verkauf immens wichtig, sondern auch wertvolle Feedback-Quelle, das man bei jedem Kontakt bekommt. Mit den gewonnenen Informationen kann man sein Produkt oder seinen Service optimieren. Natürlich braucht es auch ein persönliches Telefonat, denn einer Maschine verrät man keine Interna (lacht).

Die Kombination aus High Tech und Human touch ist heute schon unglaublich machtvoll und wird es in Zukunft immer mehr sein, weil du es schaffst den Kunden rundum zu bedienen, ohne alles manuell machen zu müssen. Manuell wäre es auch gar nicht in diesem Umfang finanzierbar. Man darf nur nie vergessen, dabei den Menschen im Mittelpunkt zu positionieren.

Wie viele Cluster Varianten machen Sinn?

Das ist sehr individuell. Die Wurzel liegt immer im psychologischen Bereich und im sehr menschlichen Kontext. Du brauchst Menschen, die das Clustern perfektionieren können, die wichtige Informationen für das Matching hinterlegen. Beim Beispiel des Energieversorgers hatten wir beim Algorithmus für die Kündigung 23 Cluster und Content Pakete.

Wer sind die Cluster Experten?

Erarbeitet werden diese Pakete gemeinsam mit allen Mitarbeitern, die Kundenkontakt haben. Vom Servicemitarbeiter, zum Vertriebsmitarbeiter, ausnahmslos alle, die Touchpoints zu Kunden haben. Es geht einzig und allein um die Frage wie unsere Kunden ticken und jeder hat unterschiedliche Erfahrung mit den Kunden gemacht. Einer meiner Professoren sagte mal, du musst herausfinden an was Kunden denken, wenn sie nachts nicht schlafen können. Was sind ihre Wünsche, Bedürfnisse, Ängste, Zwänge. Wo kann ich ihnen mit meinem Produkt oder meiner Dienstleistung helfen, wo bin ich relevant.

Jetzt wird es ja richtig spannend! Wie willst du bitte herausfinden, woran Menschen nachts denken?

Wir entwickeln eine oder zwei Buyer Personas. Zunächst einmal nichts Neues, wenn man auf der Oberfläche bleibt, wie zum Beispiel Frau, 40 Jahre alt, wohnt in der Vorstadt, fährt Mini, trägt Cargo Hosen und fährt im Urlaub nach Sylt. Ein anderes Beispiel ist, ein totaler Familienmensch, der zu wenig Zeit mit seiner Familie verbringt und deshalb ständig ein schlechtes Gewissen hat. Dieser Person bietet man als Kommunikationsanbieter bspw. eine Familien Flatrate an. Das sind Klassiker.

Spannender und viel dynamischer wird der Prozess, wenn Leute aus Marketing, Sales, Service, bis zu Mitarbeitern der Kantine zusammensitzen und alle unterschiedlicher Meinung sind. Interessant ist auch, dass ab dem Moment, in dem die Persona einen Namen bekommt, zum Beispiel Petra, das Team total abgeht. Da passiert etwas, und zwar ausschließlich auf der menschlichen Ebene, noch komplett ohne Technik. Man kommt als Gruppe dem Kundenbild der Buyer Persona immer näher und nähert sich somit immer stärker den Kundenbedürfnissen. Ein enorm wichtiger Moment.

Bitte gebe mir für die Buyer Persona Petra ein konkretes Beispiel im B2B Bereich.

M&A Beratung gehört aus meiner Sicht zum stärksten B2B Kontext. Wie spreche ich Menschen an, die Unternehmen verkaufen wollen. Nehmen wir Petra und Hans. Erste Frage: wo können wir auf sie stoßen? Wo informieren sie sich? Google? Welche Magazine lesen sie? Wie ist ihr Umfeld? Welche Tonalität mag Petra? Wo und wann braucht sie den Call to action? All dies geschieht noch komplett ohne Technologie, nur mit Papier, Bleistift und Whiteboard. Dann wird diese Customer Journey als Prozess aufgesetzt.

Die Entwicklung einer Customer Journey ist nicht neu. Welche konkreten Strategien empfiehlst du?

Welche Strategien du anwendest ist egal. Du brauchst eine funktionale Website mit einem Kontaktformular und sie muss technisch so aufgesetzt sein, dass man Algorithmen nutzen kann. Wenn man herausfindet, dass Petra fleißige LinkedIn Leserin ist, sollte man sein LinkedIn Profil und den gesamten Auftritt optimieren.

Man erstellt eine Tasklist mit möglichst vielen Touchpoints zu Petra und bespielt Kanäle mit relevantem Content. Aus all diesen Kanälen erschaffe ich mein digitales Ökosystem, das ich kontinuierlich optimiere. Was früher wahnsinnig viel Arbeit war, nämlich unterschiedlichen Content passend zu Kanälen zu kreieren, ist dank KI jetzt viel einfacher geworden. Klar musst du den Artikel lesen und optimieren, aber hier entlastet die Technologie im Hintergrund.

Wenn du es erzählst, klingt alles so einfach…

Ist es aber nicht 😊. Man muss während der Customer Journey sehr viel testen und sie kontinuierlich optimieren. Buyer Personas entspringen unseren Vermutungen. Doch stimmen unsere Annahmen? Das ist die Schlüsselfrage. Man muss sich ständig hinterfragen, ob es nun A/B Testings, Google Analytics oder andere Testtools sind. Ich muss mir bewusst machen, was ich messen muss und mir hierfür eine klare KPI Strategie schaffen, damit ich die Ergebnisse richtig bewerte und passende Maßnahmen ableiten kann.

All dies ist kein Projekt, sondern ein Prozess ohne ein klares Ende, denn Einflüsse ändern sich, Trends kommen und gehen. Äussere Rahmenbedingungen sind im ständigen Wandel und ebenso kann sich die Erwartungshaltung von Kunden ändern. Wir müssen auch dies messbar machen können und uns darauf hin anpassen. Wenn man diesen Prozess gewissenhaft steuert, gelangt man zu einer positiven Customer Experience, zu Vertrauen, zur Emotionalisierung und aus vielen positiven Erlebnissen wird irgendwann Vertrauen. 

Wenn dein Kunde dir vertraut, wird er bei dir bleiben wollen und er wird gerne ein paar Euro mehr für deine Produkte oder Dienstleistungen ausgeben. Dann hast du das Fundament für Wachstum und Skalierbarkeit aufgebaut. Aber eben nur dann, wenn alles in Einklang ist. Wenn jedes einzelne Mitglied des Orchesters, welches ich zu Beginn unseres Gesprächs als Metapher verwendet habe, harmoniert.

Wie viel von diesem Erfolg haben wir dann der KI zu verdanken?

Die KI ist „nur“ ein einzelner Baustein. Sie ist ein Werkzeug und wenn Du nicht weisst wie Du ein Werkzeug nutzen kannst, dann bringt es dir nichts. Ich muss sie einsetzen, nachdem ich meine Hausaufgaben gemacht habe. Wir brauchen die Bereitschaft und die Geduld Prozesse zu zeichnen und auszuarbeiten, Strukturen anzupassen. Mut und Midset für Transformation. Ohne diese Basis bringt Dir auch KI nichts.

Lieber Patric, vielen Dank für das ausführliche Gespräch. Als Vertriebs- und Marketing Rocker hast du bestimmt einen coolen Song für unsere Sales Rocker Playlist auf Spotify mitgebracht. Eher Symphonie oder Rock’n Roll?

“Rocking in a free world” von Neil Young ist mein Song, liebe Hermina.

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Seinen Song findet ihr übrigens in unserer Spotify-Playlist.
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Ihr Herz schlägt für Vertrieb​

Ihr Herz schlägt für Vertrieb

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Lily Mizani ist mir auf LinkedIn mit ihrem B2B Podcast HeartcoreSales aufgefallen. Der Name ist bei Lily Programm, denn Vertrieb ist ihre große Leidenschaft. Kürzlich machte sie mit einem polarisierenden Post auf LinkedIn von sich reden. Sie zitierte den Geschäftsführer eines Unternehmens, das sie berät: „Mitarbeiter mit Migrationshintergrund ziehe ich deutschen Mitarbeitern vor, da ich mit ihnen im Vertrieb viel bessere Erfahrungen gemacht habe.“ Kontroverse Kommentare ließen nicht lange auf sich warten. War dieser Post eine gezielte Provokation oder hat die Vertriebsexpertin mit persischen Wurzeln Gründe für das Anstoßen dieser Diskussion?

Liebe Lily, wie schön, dass du Zeit für unser Gespräch hast. Bevor ich auf deinen LinkedIn Post eingehe, möchte ich dich und deine Vita kennenlernen. Magst du mir einfach ein bisschen über dich erzählen?

Ich habe einen eher unkonventionellen Werdegang. Geboren wurde ich in Deutschland. Meine Eltern trennten sich als ich noch ein Säugling war und meine Mutter zog mit mir und meinen beiden älteren Geschwistern nach Teheran. Wir lebten dort in einem noblen Viertel und ich besuchte eine deutsche Privatschule, die hauptsächlich von Kindern von Diplomaten besucht wurde. Meine gesamte Schulbildung war in deutscher Sprache, denn in meiner Schule waren 70% Deutsche und 30% andere Expats. 

In den Ferien besuchten meine Geschwister und ich unseren Vater in Deutschland. Meine Schule in Teheran ging jedoch nur bis Klasse 10 und man konnte dort kein Abitur machen. Das stellte meine Mutter vor Schwierigkeiten, denn es war für unsere Familie selbstverständlich, dass wir Abitur machen und studieren sollen. In unserer Familie sind alle Akademiker und der größte Teil sind Mediziner, wie meine Mutter. Als ich 12 Jahre alt war, kamen wir zurück nach Deutschland, um hier deutsches Abitur zu machen und zu studieren.

Wie war das für dich?

Es war ein Kulturschock! Wir zogen nach Bonn und ich besuchte das Clara-Schumann-Gymnasium. Nach meiner privaten Schule in Teheran und dem elitären Umfeld, empfand ich diese Schule mit den schmutzigen Toiletten, der heruntergekommenen Turnhalle und den mit Graffity beschmierten Wänden als asozial, auch wenn Bonn Südstadt zu den gehobeneren Gegenden gehört. Die Kinder waren aus meiner Sicht unhöflich und unerzogen, störten den Unterricht, warfen mit Gegenständen und schmissen Abfälle auf den Boden. Das war in Teheran undenkbar. 

Es war hart für mich, aber ich wusste, dass ich das durchziehen musste. Freundinnen hatte ich bis zum Abitur nur zwei, denn auf die meisten Mitschüler hatte ich keine Lust und sie auf mich auch nicht. Ich fühlte mich weder angekommen noch angenommen. Somit habe ich kein typisches Teenagerleben geführt. Nach der Schule ging ich fast immer nach Hause und habe gelernt oder ich ging arbeiten, denn ich hatte schon früh Nebenjobs. 

“Die Rückkehr nach Deutschland empfand ich als Kulturschock.”

Wenn du immer gelernt hast, warst du bestimmt eine sehr gute Schülerin.

Ich war in der deutschen Schule in Teheran eine Einser Schülerin. Kurz bevor wir nach Deutschland kamen, war ich sogar vorgeschlagen worden eine Klasse zu überspringen. In Bonn hatte ich trotz des vielen Lernens zum ersten Mal im Leben eine 3 und eine 4 im Zeugnis.

Wie erklärst du dir diese Verschlechterung deiner Schulnoten? War der Lehrstoff in Teheran weniger anspruchsvoll?

Das Gegenteil war der Fall. Wir hatten sehr kleine Klassen, da es eine Privatschule war. Die Anforderungen waren sehr hoch. Ich empfand den Lehrstoff in der Bonner Schule weniger anspruchsvoll als in Teheran und natürlich wurden wir nicht so intensiv betreut, weil die Klasse viel größer war. Die schlechteren Noten hatte ich nicht in allen Fächern, nur bei Lehrern, bei denen ich spürte, dass ich nicht willkommen war. Ich konnte es nicht verstehen. Ich habe mich gefragt, ob ich diskriminiert wurde. Naja, eigentlich spürte ich, dass ich diskriminiert wurde.

“Nach diesem Gespräch war klar, dass ich die Jahre zuvor von

 einzelnen Lehrern diskriminiert wurde.”

Kannst du mir ein Beispiel für die erlebte Diskriminierung nennen?

In der Oberstufe kurz vor meinem Abitur hatte ich ein fast schon traumatisches Erlebnis mit meiner Biologie Lehrerin. Nach diesem Gespräch war klar, dass ich die Jahre zuvor von einzelnen Lehrern diskriminiert wurde und es sich nicht um Hirngespinste von mir handelte. Ich hatte Biologie als Leistungskurs gewählt, weil ich zuvor eine richtig coole Lehrerin in Biologie hatte, die mich sehr gut und fair benotet hatte. Bei der neuen Biolehrerin hingegen wendete sich das Blatt. Unter jeder Klausur stand der gleiche Satz: „inhaltlich richtig, aber große sprachliche Defizite, nicht der deutschen Sprache mächtig, daher Punktabzug“. Ich konnte es nicht fassen und regte sehr darüber auf.

Kurz vor meinem Abitur rief mich diese Biologie Lehrerin zum Gespräch unter vier Augen. „Ich war letzte Woche im Krankenhaus eine Freundin besuchen und als ich die türkische Putzfrau sah, musste ich an dich denken,“ begann sie das Gespräch. „Du überschätzt dich, du wirst das Abitur nicht schaffen und ein Studium schon gar nicht. Dir stehen als Kind von Ausländern in Deutschland nicht alle Türen offen.“ Es war das erste Mal, dass mir jemand in die Augen sah und sich dabei rassistisch und diskriminierend äußerte. Ich habe mich schrecklich gefühlt. In mir tobte ein Sturm, nicht weil ich es mir nicht zutraute es zu schaffen, denn ich komme aus einer Familie von Akademikern in dritter Generation, diese Frage stellte sich gar nicht. Ich wusste, dass mir gerade grundlos Unrecht getan wurde und das schmerzte.

In meiner Familie sind fast alle Ärzte oder Professoren, somit hatte ich Vorbilder, denen ich nacheifern konnte. Bei jungen Menschen ohne familiären Bildungshintergrund haben solche Aussagen zerstörerische Kraft, denn sie haben keine Beispiele in der Familie. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben früh gelernt auf eigenen Beinen zu stehen, sich allein durchzusetzen und nicht Mama und Papa zu rufen, wenn sie diskriminiert werden oder Probleme haben. Man weiß doch, dass sie bereits auf der Arbeit ihre eigenen Kämpfe austragen. Ich habe das Abitur mit der Note 2 bestanden, aber dieses Gespräch hat unvergessliche Spuren hinterlassen.

“Mit 18 Jahren hatte ich einen Job im Call Center. Damals wurde der

 Grundstein für meine Liebe zum Vertrieb gelegt.”

Was hast du studiert?

Ich habe BWL mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie studiert. Schon ab 16 Jahren hatte ich Nebenjobs. Im Drogeriemarkt an der Kasse, ich habe Sushi ausgeliefert und bei meiner Tante in der Praxis ausgeholfen. Mit 18 Jahren hatte ich einen Job im Call Center. Dort habe ich klassisch Outbound, Akquise und Marktforschung gelernt und war richtig gut darin. Damals wurde der Grundstein für meine Liebe zum Vertrieb gelegt. 70% meines Studiums mit Auslandsaufenthalt habe ich mir selbst finanziert. 

“Ich habe gelernt, dass es bei Karrieren selten tatsächlich um

 Ausbildung, Leistung oder Einsatz geht.

Wie ging es nach dem abgeschlossenen Studium für dich weiter?

In vielen Unternehmen ist es so, dass Menschen klein gehalten werden. „Du musst dankbar sein, dass du hier sein darfst“, scheint in mehreren Firmen, die ich erlebt habe, in Stein gemeißelt zu sein. Meinen ersten Job habe ich nach zehn Monaten gekündigt. Im nächsten bin ich ebenfalls angeeckt, weil ich es gewagt habe Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten und kritische Fragen zu stellen. Ich habe gelernt, dass es bei Karrieren selten tatsächlich um Ausbildung, Leistung oder Einsatz geht. Wer weiterkommt entscheidet die Politik im Unternehmen, dabei haben Ja-Sager beim Chef die besten Chancen.

Kannst du konkrete Erlebnisse schildern?

Das definitive Ende meiner Zeit als Festangestellte habe ich meinem letzten Arbeitgeber zu verdanken. Das war ein Telco-Konzern mit Hauptsitz in Düsseldorf. Ich war damals 30 Jahre alt und hatte mich auf eine Stelle im Außendienst im Mittelstand beworben. Nach dem Assessment wurde mir ein Angebot unterbreitet. Eine meiner Fragen im Gespräch war, ob es unter meinen Kollegen in dieser Position viele Akademiker gab, was bejaht wurde.

Letztendlich arbeitete ich mit Quereinsteigern zusammen, die teilweise keinen Schulabschluss hatten, was per se nichts Negatives ist, aber ich bin im Vorstellungsgespräch dreist belogen worden. Meine Kollegen haben vorher auf dem Bau gearbeitet, als Barista, im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie. Ich kam mit ihnen sehr gut aus, da ich in fast all diesen Bereichen gejobbt hatte. Gerade die Gastronomie ist eine hervorragende Schule für den Vertrieb, denn du willst ja auch Trinkgeld bekommen oder arbeitest manchmal auf Provision. Dennoch ist im Bewerbungsgespräch den Kandidaten anlügen ein No Go für mich.  

“Als Wirtschaftspsychologin will ich wissen, was wir machen, warum

 wir es machen und wie wir es besser machen können.”

Wie ging es bei der Festanstellung im Telco-Konzern weiter?

Ich war zunächst hoch motiviert, weil ich es schaffen wollte und erfolgshungrig war. So lieferte ich Spitzenergebnisse und wurde befördert. Dazwischen hatte ich jedoch auch Monate mit Null Umsatz. Also habe ich unsere Methoden, Services und Vorgaben analysiert. Als Wirtschaftspsychologin will ich wissen, was wir machen, warum wir es machen und wie wir es besser machen können. Genau das war jedoch nicht erwünscht. Wir sollten einfach machen was vorgeschrieben war und zusehen, wie wir mit diesen Vorgaben Umsatz erwirtschaften.

Wie kam es zur Entscheidung die Phase der Festanstellung zu beenden?

Auch ein Tag, den ich niemals vergessen werde. Es war ein Mitarbeitergespräch mit dem Vertriebsleiter und mit dem Regionalleiter. Angesichts meiner stark volatilen Ergebnisse begann der Regionalleiter das Gespräch wie folgt: „Frau Mizani, wenn ich mir Ihre Ergebnisse anschaue, frage ich mich, ob sie dumm oder faul sind. Sie sagen, dass sie Akquise machen und fleißig sind. Da bleibt nur noch eins übrig.“  Er brüllte mich das restliche Gespräch an. Sein Vertriebsmotto, das er immer predigte, war: anhauen, umhauen, abhauen. Als ich ihm mal sagte, dass ich das nicht ehrlich finde, antwortete er: niemand fragt, wo der Umsatz herkommt.

Sein Vertriebsmotto war: „Anhauen, umhauen, abhauen. 

Niemand fragt, wo der Umsatz herkommt.“

Ich kam damit nicht klar, das ist nicht Sales, das mit meinen Werten vereinbar ist. Ich tobte innerlich und mir liefen die Tränen. Ich habe mich so erniedrigt gefühlt. Wut stieg in mir auf und meine Gedanken überschlugen sich: ich habe studiert, ich bin Diplom Kauffrau, ich spreche vier Sprachen und ich habe viel von der Welt gesehen. Du bist Legastheniker, Choleriker, du hast nicht studiert, sondern hast nur einen Hauptschulabschluss und ich verstehe nicht, wie du überhaupt in diese Position kommen konntest! Wie kann dieser Mensch es wagen mir zu sagen ich sei dumm? 

Zuerst waren es Gedanken…aber als er weiter beleidigend polterte, habe ich all meinen Mut zusammengenommen und ihm unter Tränen eine Frage gestellt. Was qualifiziert Sie, mit mir Akademikerin in diesem Ton zu sprechen? Ich erspare dir, die Beleidigungen, die von ihm folgten. Nach diesem Gespräch war klar, dass es kein Zurück gab, dass ich dieses Gebäude nie wieder betreten würde und dass es mein letzter Tag in Festanstellung war.

Wow! Was für ein Drama. Wie hast du dich innerlich gefühlt, als du das Gebäude verlassen hast?

Ich fühlte mich unglücklich und verloren, wusste überhaupt nicht, was ich mir wünschte. Ich war leer und ausgebrannt. Ich entschied etwas zu tun, das ich noch nie getan hatte und buchte mir von meinem letzten Gehalt ein Oneway Ticket nach Indien. Mein erstes Ziel war ein Ashram im Himalaya. Dort habe ich Ruhe gefunden durch Meditation, Yoga und Detox. Ich habe mich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt und viele Bücher gelesen. Als ich kein Geld mehr hatte, bin ich als neuer Mensch nach Deutschland zurückgekehrt.

Mit meiner Firma HeartcoreSales darf ich sein wie ich bin 

und tun, wofür ich brenne.“

Welche beruflichen Ambitionen hattest du nach deiner Rückkehr?

Durch meine eigene Erfahrung und inspiriert durch Gespräche in Indien, wollte ich eine Online Coaching Plattform für mental health gründen, hatte jedoch kein Kapital. Aus diesem Grund habe ich zunächst einen befristeten und schlecht bezahlten Job in einem Start-up Zentrum angetreten, weil ich im Gegenzug das Angebot an allen angebotenen Weiterbildungen kostenfrei nutzen durfte. In den Kursen kristallisierte sich heraus, dass fast alle Gründer Schwierigkeiten mit dem Vertrieb hatten. 

Mich faszinierte es für sie zu skizzieren, wie man den Vertrieb aufbauen kann. Die Start-up Coaches wurden auf mich und meine Lösungsansätze aufmerksam und fragten, ob ich Lust hätte, spezielle Sales Kurse zu anzubieten. Das habe ich getan und es hat sich sehr schnell herumgesprochen, dass meine Beratungen zu sehr guten Vertriebsergebnissen führen. Zum ersten Mal fühlte ich mich im Job glücklich und das tue ich heute noch.  Mit meiner Firma HeartcoreSales darf ich sein wie ich bin, tun wofür ich brenne, ich werde dafür ordentlich bezahlt und bekomme die Wertschätzung, die mir zusteht. 

Du hast dich allein hochgekämpft. Was braucht es dazu?

Meine Oma war eine sehr starke Frau. Meine Mutter war alleinerziehend mit drei Kindern. Sie ist Zahnärztin und hat sehr viel gearbeitet, um ihren drei Kindern die gute Ausbildung und das Studium zu ermöglichen. Unseretwegen ist sie wieder nach Deutschland zurückgekommen. Nach allem, was sie für mich getan hat, kann ich mich doch nicht vor sie stellen und sagen, Mama ich packe es nicht! Sie würde sagen, stehe auf! Wir sind keine Versager, Aufgeben ist nie eine Option. Ich musste einfach stark und stabil sein und einen Weg zum Erfolg finden.

Kommen wir auf deinen Linked-In Post zu sprechen. Wie ist deine persönliche Haltung zum Statement deines Kunden?

Menschen mit Migrationshintergrund haben kein Netz, das sie auffängt. Sie haben es schwerer, müssen mehr kämpfen und sind Erfolgshungriger, weil sie sich und ihren Familien beweisen möchten, dass sie es schaffen können. Weißt du Hermina, Rassismus im gehobenen Job ist nicht gleichbedeutend mit „Ausländer raus“. Es ist der Name, der es verhindert bei den Bewerbungen oben zu liegen, bei der Wohnungsbesichtigung zuerst berücksichtigt zu werden. Oder das klassische „Sie überschätzen sich“. Ich habe mich etabliert. 

Mit meinen 38 Jahren habe ich sehr viele Erfahrungen gesammelt, die heute zum meinem wichtigen Asset gehören, denn ich kann mich auf alle Menschen einlassen. Somit kann ich guten Gewissens sagen, dass eine sehr gute Sales Performance nicht von der Nationalität abhängt, denn ich kenne Top Leute mit unterschiedlichsten Wurzeln, ja auch viele Deutsche (lacht). Ich wünsche mir mit diesem offenen Gespräch deutsche Arbeitgeber und Menschen mit Migrationshintergrund zum Nachdenken anzuregen. Ich habe es geschafft, heute sind meine Kunden meine Leuchttürme im Leben, sie machen mich richtig glücklich. Aber das sind keine Geschenke. Sie mögen mich, weil ich ihnen Zahlen und Ergebnisse liefere. Und weil ich bin, wie ich bin: ehrlich und mit Werten.

Danke liebe Lily für dein Vertrauen und dieses wunderbare Gespräch. Und jetzt kommt, du weißt es schon, let’s dance! Zu welchem Song rockst du Vertrieb?

Came here for love von Sigala ist mein Beitrag für eure Playlist, liebe Hermina.

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Sie sorgt für frischen Wind​

Sie sorgt für frischen Wind

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Sie sorgt für frischen Wind

Die Spannung steigt bei Nadine Schmitt, denn in wenigen Tagen ist es so weit. Der von ihr initiierte Frischluft Summit geht am 07. September zum ersten Mal an den Start. Die Geschäftsführerin der Digital Agentur CD-Emotion, hat binnen weniger Monate namhafte Speaker und Teilnehmer für den ersten überregionalen Business Kongress in Limburg gewonnen. Am kommenden Donnerstag wird sie ihre Vision endlich Wirklichkeit werden lassen. MarketDialog ist bei der Premiere mit mehreren Mitarbeitern und Partnern am Start und Helen Hain hält einen Vortrag zum Thema Leadership.

Liebe Nadine, wie aufgeregt bist du gerade auf einer Skala von 1-10?

Im Moment liege ich bei 5. Es ist für 100 Teilnehmer alles gut vorbereitet.  

Habt ihr euer Ziel erreicht?

Nein, nicht ganz. Dennoch bin ich zufrieden. Es gab einige Aspekte bei der Umsetzung, die ich unterschätzt habe. Zum einen die zum Teil langen Entscheidungsprozesse auf Unternehmensseite. Zum anderen die Ferien- und Urlaubszeit. Und offen gestanden haben wir erst im Frühjahr so richtig mit der Akquise von Sponsoren losgelegt, nachdem das Rahmenprogramm mit den Speakern stand. In Anbetracht dieser Faktoren, können wir mehr als zufrieden sein. Und vergessen wir nicht, dass man bei einer Premiere noch nichts nachzuweisen hat, was die Akquise erheblich erschwert. 

Mein großer Dank gilt den über zwanzig großartigen Sponsoren, die uns von der ersten Stunde an vertrauen, darunter auch ihr als MarketDialog. Ich habe gelernt, dass nach dem Event direkt vor dem Event ist und wir sofort mit der Akquise für 2024 starten werden.

Wie bist du auf die Idee für den Frischluft Summit gekommen?

Die Idee hatte ich schon lange, aber es gab immer so viel zu tun, dass ich die Umsetzung vor mir hergeschoben habe. Letztes Jahr entnahmen meine Mitarbeiter und ich in Gesprächen mit Kunden und Unternehmern immer häufiger, dass alle mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Im Januar dieses Jahres haben wir gemeinsam entschieden es nun endlich anzupacken und unsere Vision Wirklichkeit werden zu lassen.  

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Das Keyvisual des Frischluft Summits

“Alle Unternehmen kämpfen derzeit mit den gleichen Problemen.”

Wer hat sich den Namen „Frischluft Summit“ ausgedacht?

Mein Team und ich waren uns einig, dass wir keinen englischen Begriff möchten, sondern einen für jeden leicht zugänglichen Namen. Ich war mit den Kindern in der Natur unterwegs und dabei ist mir der Name eingefallen. Was verbindest du mit frischer Luft? Einen Spaziergang in der Natur, Abschalten, einen freien Kopf bekommen, tief ein- und ausatmen, Dinge aus einer frischen Perspektive betrachten, Inspiration, neue Ideen und klare Gedanken, oder? Das wünschen wir uns für unsere Gäste und Teilnehmer, auch wenn die Veranstaltung in Innenräumen stattfindet (lacht). 

Wenn sie an diesem Tag ein paar neue Denkanstöße bekommen oder ihre Strategien vor dem Hintergrund neuer Informationen oder Best Practice Beispiele hinterfragen, ob durch die zahlreichen Vorträge oder durch den Austausch mit anderen Unternehmern und Managern, dann haben sich unser Aufwand und ihre Teilnahme gelohnt.

Bei den heutigen Anforderungen an Unternehmen wie Digitalisierung, Fachkräftemangel, New Work und vielem mehr, dürfen wir nicht mehr nur in der eigenen Bubble und Region verharren, weil wir dann nicht mehr wettbewerbsfähig sind und uns vieler Chancen berauben. Wir alle brauchen Impulse von außen und müssen voneinander lernen. Wer aufhört besser sein zu wollen, hört auf gut zu sein. Ich weiß nicht mehr, von wem dieses Zitat ist, aber es passt, denn auch das Thema Agilität spielt eine große Rolle.

“Was verbindest du mit frischer Luft?”

Was dürfen wir am Donnerstag beim ersten Frischluft Summit erwarten?

Um 10 Uhr geht es los mit einer Begrüßung unserer Moderatorin Alexandra Polzin. Sie ist erfahrene TV-Moderatorin und war vom ersten Moment von unserer Idee begeistert und hat sofort zugesagt. Alexandra lebt in München, wo sie fast täglich auf Veranstaltungen gehen könnte, weil das Angebot in großen Städten so vielfältig und groß ist. Das ist in unserer Region nicht der Fall. Somit freut sie sich unsere Vision unterstützen zu dürfen. Insgesamt gibt es sieben Keynotes führender Experten a 20 Minuten zu den Themen Innovation, Tech, Social Media, Sport, Recruiting, Emotionen im Business und Leadership, mit anschließendem Talk. In der Mittagspause und während der Netzwerkveranstaltung am Abend können sich die Teilnehmer in entspannter Atmosphäre austauschen.

Nach welchen Kriterien habt ihr die Keynote Speaker gewählt?

Ich bin recht viel auf LinkedIn und beobachte die aktuellen Trends. Zunächst haben wir relevante Themen festgelegt wie New Work, Recruiting, Mindset, Social Media, Transformation, etc. und anschließend die möglichst besten Speaker gewählt.

War es schwierig die Speaker zu überzeugen?

Nein, denn wir haben überregional einen sehr guten Ruf, sind gut vernetzt und unser Konzept hat allen auf Anhieb gefallen. Auch hat uns unser Netzwerk bestehend aus Kollegen und Kunden unterstützt und empfohlen. Wenn du Menschen immer fair und wertschätzend behandelst, dich mit ihnen für ihre Erfolge freust, sie unterstützt und vernetzt, dann baust du ein gesundes Netzwerk an Kontakten, die dich ebenfalls gerne unterstützen. Das hat nicht nur mit Business zu tun, sondern mit menschlichen Werten und Vertrauen. Wir tragen in unserem Firmennamen den Begriff Emotion. Das ist nicht ohne Grund. Wir fühlen und leben diesen Begriff, in Form von Gefühl und als Motion in Form von Bewegung.

“Wir fühlen und leben den Begriff Emotion in unserem Firmennamen. 

Zum einen als Gefühl, zum anderen als Motion, Bewegung.”

Wie habt ihr über zwanzig Sponsoren in so kurzer Zeit gewonnen?

Fleiß! Es ist ein altmodisches Wort, aber Unternehmertum erfordert unternehmen. Einfach machen. (lacht). Ich habe Unternehmen angerufen und ihnen unser Projekt vorgestellt. Einige Unternehmen kannte ich bereits, andere noch nicht.

Welche konkreten Vorteile haben Unternehmen, die am Frischluft Summit teilnehmen?

Wir möchten nicht belehren, sondern inspirieren. Niemand ist davor gefeit im daily business auch mal den Wald vor Bäumen nicht zu sehen. Der Alltag ist verbunden mit Stress, engen Deadlines, Kollegen, die krankheits- oder urlaubsbedingt ausfallen, wer kennt diese Herausforderungen nicht? Dieser Zeitdruck lässt häufig keinen Raum für frische Gedanken. Der Frischluft Summit soll Denkanstöße geben, das Mindset wieder auf Spur bringen, neue Visionen, Möglichkeiten und Wege aufzeigen. Die Teilnehmer picken für sich das heraus, was sie für sich und ihr Unternehmen als relevant erachten. 

Natürlich stärkt dieser Summit auch die Region. Allein die Speaker und Gäste, die aus ganz Deutschland anreisen, sind die Teilnahme wert. Während alle auf die Metropole Frankfurt blicken, kennen viele die großartigen hidden champions unserer Region nicht. Es gibt hier zwar regionale Veranstaltungen der IHK, aber diese sind rein lokaler Natur. Wir präsentieren Unternehmen aus der Region teilnehmenden Unternehmen aus Frankfurt, Darmstadt, Köln, Eschborn, Oberursel und weiteren. Daraus ergibt sich ein viel breiterer, überregionaler Grad der Vernetzung.

“Wir möchten mit dem Frischluft Summit nicht belehren, 

sondern inspirieren.”

Ihr veranstaltet den Summit, CD-Emotion ist jedoch keine Eventagentur, sondern eine Digitalagentur. Wie ist dein beruflicher Hintergrund?

Ich habe in Gießen BWL studiert und die Fremdsprachen Englisch und Italienisch durch meinen Background als Halbitalienerin mütterlicherseits. Parallel zu meinem Studium habe ich bei CD-Emotion, der Agentur meines späteren Ehemanns, gearbeitet. Nach und nach habe ich in alle Bereiche hineingeschnuppert, habe die Herausforderungen kennengelernt und bin hineingewachsen. Heute könnte man es mit einem Trainee Programm vergleichen. 

Ich spürte, dass ich gegen Ende meines Studiums Marketing- und Design infiziert war. Also habe ich eine zweijährige Ausbildung als Mediengestalterin dran gehängt, weil ich mehr lernen und können wollte. Ich musste mich entscheiden zwischen Print und Digital. Für mich war klar, dass ich Digital wähle und war die einzige Frau in diesem Bereich während meiner Ausbildung. Alle anderen Frauen hatten sich für Print entschieden.

Wann hast du gespürt, dass du Lust auf Vertrieb und Unternehmertum hast?

Als ich nach meinem Studium und meiner Ausbildung merkte, dass ich auch in der Kundenakquise gut bin.  Ich habe sehr früh meinen Vater durch einen Verkehrsunfall verloren und freute mich, als meine Mutter einen netten, neuen Partner hatte. Er war in einem großen Unternehmen tätig, das zu jener Zeit eine Marketingagentur suchte und ich habe ihm CD-Emotion vorgestellt. Das war der erste große Kunde, den ich vor ca. zwanzig Jahren gewonnen hatte. Mein erster Vertriebserfolg! Es war die Firma Schlosser-Pfeiffer und sie sind diese Woche beim Frischluft Summit dabei unter ihrem neuen Namen Prinzing-Pfeiffer, denn sie sind mittlerweile nach Limburg gezogen. Verrückt, oder?

Warst du nach diesem Erfolg heiß auf Vertrieb?

Und wie! Ich habe regelmäßig Unternehmen in der Umgebung angerufen, klassische Kaltakquise, und habe ganz unbedarft gefragt: Brauchen Sie eine Webseite? Zu jener Zeit war es noch nicht selbstverständlich eine Homepage zu haben. So habe ich Kunden gewonnen. 2016 habe ich die Agentur übernommen, weil mein Mann, der Gründer von CD-Emotion, eine sehr gute Stelle als Marketingberater in einem Konzern angenommen hat.

Als Geschäftsführerin deiner Digital Agentur arbeitest du für externe Kunden, entwickelst aber auch eigene Projekte und Produkte.

Ich bin ein neugieriger und risikofreudiger Mensch und probiere gerne Neues aus. Diese praktische Erfahrung führt zu Expertise, von der unsere Kunden profitieren, weil ich Dinge selbst ausprobiert habe, bevor ich sie anbiete. Wir sind keine Theoretiker, wir sind Unternehmer, also unternehmen wir (lacht). CD-Emotion gehörte zu den ersten zehn Anbietern von Shopware in Deutschland. Wir haben zahlreiche eigene Online Shops gebaut und haben dadurch sehr viel e-commerce Erfahrung gesammelt. 

Zu unseren aktuell eigenen Produkten gehört unser TouchCleaner, ein Display Reiniger, der in Deutschland hergestellt wird und TÜV zertifiziert ist. Auf die Idee kamen wir über unsere Tochter Sophia, die bereits früh mit dem IPad gespielt hat. Markus ist Gaming Experte und hat für sie kindgerechte Spiele ausgesucht. Das Pad Display sah immer schlimm aus, vollgeschmiert mit ihren schmutzigen Fingerchen und unhygienisch. 

Aus diesem Dilemma heraus wussten wir, dass wir eine Reinigung brauchen, deren Inhaltsstoffe nicht gesundheitsschädlich sind beim Einatmen oder Berühren, so wie es bei anderen Displayreinigern häufig der Fall ist. So entstand unser TouchCleaner.

Du hast zwei Kinder und bist verheiratet. Wir organisierst du dich zwischen Unternehmertum und Familie?

Gerade hatte die Kita zwei Wochen Ferien, während wir im Endspurt für die Organisation des Summits sind. Da geht man auf dem Zahnfleisch, da brauchen wir nichts schön zu reden. Sophia ist 7 und bekommt alles mit, was mit dem Summit zu tun hat. Sie freut sich und hilft mit. Im Büro spielt sie immer Chefin und Unternehmerin und ich finde das gut. Sie ist stolz auf das, was Mama macht und möchte dazugehören. Tom ist erst zwei, und hat das typische italienische Temperament. Er wächst, wie seine Schwester mit uns und unserem Unternehmen und unseren Unternehmungen auf und meine Mutter hilft uns. Es ist manchmal anstrengend, aber wir sind glücklich.  

Danke dir für das interessante Gespräch, Nadine! Abschließend darf ich dir traditionell eine letzte Frage stellen: Zu welchem Song rockst du am liebsten Vertrieb?

Ich rocke super gerne zu Zukunft Pink von Peter Fox.

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Ich freue mich auf dich.

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